Den einen zieht es fort wegen der Liebe. Andere möchten lieber in ihrer Heimat bleiben und denken nicht im Traum darum, umzuziehen. De facto ist es aber so, dass in vielen Fällen ein Jobwechsel mit einem Wohnortwechsel einhergeht. Welche Möglichkeiten es gibt, den berufsbedingten Umzug finanziell zu stemmen, verrät dieser Ratgeber.

Gibt es finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten beim Umzug für den Job?

Was es ganz sicher nicht gibt, ist eine Unterstützungs-Verpflichtung für den Arbeitgeber. Dieser muss seinem neuen Mitarbeiter nicht finanziell unter die Arme greifen, wenn dieser für den neuen Job umziehen muss. Allerdings zeigt ein Blick in die Praxis auch: Große Unternehmen, die händeringend nach qualifiziertem Fachpersonal suchen, bieten manchmal eine Umzugsunterstützung als Benefit an. Recht einfach haben es Unternehmen, die Rahmenverträge mit Dienstleistern haben.

Diese und weitere Leistungen sind u.a. in der Praxis möglich:

  • Ein Umzugszuschuss in Form von Geld
  • Unterstützung bei der Wohnungssuche durch einen ortskundigen, von der Firma bezahlten Makler
  • Ggf. günstigere Preise beim Umzugsunternehmen oder bei der Partner-Spedition
  • Kostenbeteiligung der Firma an doppelten Mietkosten oder den Kosten fürs Hotel

Wichtig: Eine Unterstützung bei den Umzugskosten ist keine Selbstverständlichkeit, sondern meistens Verhandlungssache beim Einstellungsgespräch. Grundsätzlich gilt: Die Verhandlung und Einigung darüber sollte bereits im Vorstellungsgespräch erfolgen. Klar ist auch, dass Bewerber mit einem großen fachlichen Know-how es tendenziell leichter haben, eine Umzugsunterstützung auszuhandeln.

Gibt es staatliche Unterstützung?

Ja, die gibt es. Wer sich durch die Unterschrift auf dem Arbeitsvertrag den Weg aus der Arbeitslosigkeit bahnt, kann bei der Arbeitsagentur wegen einer entsprechenden Unterstützung anfragen.

Staatliche Unterstützung besonderer Art gibt es auch mit Blick auf die zu zahlenden Steuern bzw. auf eine Rückerstattung der Steuerlast. Umzugskosten für den Job lassen sich steuerlich als Werbungskosten geltend machen. Ob es sinnvoller ist, diese Werbungskosten pauschal anzusetzen oder einzeln aufzulisten, ist abhängig von den jeweiligen Umzugskosten.

Tipp: Bewahre alle Belege und Quittungen rund um den Umzug auf. So kannst du nach dem Umzug berechnen, ob die tatsächlichen Kosten die Werbekostenpauschale übersteigen oder nicht.

Diese Kosten können geltend gemacht werden

Wer mit einer steuerlichen Rückerstattung liebäugelt, muss zweierlei beachten: Zum einen darf nur das steuerlich geltend gemacht werden, was aus eigener Tasche bezahlt wurde. Hat der künftige Arbeitgeber einen Zuschuss bezahlt, hat nur der Differenzbetrag einen steuerlichen Einfluss.

Diese Rechnungen sollten gesammelt werden:

  • Kosten für den Makler, der ein Mietobjekt (kein Kaufobjekt!) sucht
  • Kosten für doppelte Mietzahlungen
  • Kosten für Verpflegung, Fahrt und Übernachtung bei Wohnungsbesichtigungen
  • Rechnungen fürs Verpackungsmaterial, Miete fürs Umzugsfahrzeug, Kosten für die Umzugsfirma
  • Kosten für die Schulnachhilfe der Kinder, falls die Kinder durch den Umzug die Schule wechseln und Lernstoff nachholen müssen

Tipp: Darüber hinaus lassen sich Pauschalkosten in Höhe von 1.528 Euro (bei Ehepartnern), 764 Euro (bei Ledigen) oder 337 Euro (bei Kindern und Angehörigen im Haushalt) veranschlagen.

Ist der Wohnortwechsel wirklich job-bedingt?

Die Antwort auf diese Frage entscheidet darüber, ob die Kosten absetzbar sind oder nicht. Nur wenn der Umzug wirklich durch den Jobwechsel bedingt ist, kann mit dem neuen Arbeitgeber verhandelt werden. Und auch nur dann lassen sich die Umzugskosten entsprechend steuerlich absetzen.

Der Wohnortwechsel eines Arbeitnehmers ist job-bedingt, wenn er den Arbeitgeber wechselt. Dabei ist es völlig unerheblich, ob sich beispielsweise darüber hinaus Nachwuchs ankündigt, die neue Wohnung größer als die alte ausfällt oder sich die Lebensverhältnisse anderweitig ändern. Selbst wenn kein neuer Arbeitsvertrag vorliegt, sondern sich der Arbeitsort aufgrund einer Versetzung ändert, fällt der damit in Verbindung stehende Umzug in die Rubrik der berufsbedingten Umzüge und kann steuerlich geltend gemacht werden.

Ist ein Umzug obligatorisch, weil der Angestellte jederzeit schnell am Arbeitsplatz verfügbar sein muss, kann auch dieser Umzug als job-bedingt gewertet werden.
Studenten, die mit dem Sprung in die Berufswelt den Auszug aus Hotel Mama wagen, ziehen meist „berufsbedingt“ um. Diese Kategorisierung gilt, wenn die neue Bleibe nicht direkt neben dem Elternhaus liegt. Auch muss die Vertragsunterzeichnung des Arbeitsvertrags zeitlich vor der Unterschrift des Mietvertrags passiert sein.

Ein Umzug kann auch dann berufsbedingt sein, wenn sich die Fahrzeiten minimieren. Verkürzt sich die Fahrzeit zur Arbeit und wieder nach Hause um mindestens eine Stunde, gilt der Umzug als berufsbedingt und ist steuerlich absetzbar. Ist jedoch der Weg zur Arbeit trotz Umzug immer noch sehr lang, geht das Finanzamt laut einem Urteil vom Bundesfinanzhof (Urteil vom 7.5.2015, Aktenzeichen VI R 73/13) von einem privaten Umzugsgrund aus.

Achtung: Die finanzielle Unterstützung kann im Handumdrehen wieder zunichte gemacht werden, beispielsweise durch eine Kündigung oder einen Aufhebungsvertrag, der vom Arbeitnehmer initiiert wurde. Auch ist es wichtig zu wissen, dass die Umzugskosten eines berufsbedingten Umzugs nur für eine Wohnung absetzbar sind. Wer beispielsweise zunächst eine kleine Bleibe während der Probezeit bezieht und sich dann später eine größere Wohnung sucht, kann die Umzugskosten für die zweite Wohnung nicht noch einmal absetzen. Für die Probezeit kann es also wirtschaftlicher sein, sich einen vom Arbeitsgeber finanzierten Hotelaufenthalt auszuhandeln oder zu pendeln.

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