Rund 1.500 deutsche Unternehmen haben den Standort Indien bereits für sich entdeckt – vornehmlich für das Outsourcen von Dienstleistungen und zur Fertigung forschungs- und entwicklungsintensiver Produkte.

Die deutschen Global Player sind bereit, langfristig zu investieren – und das nicht erst, seit Bundeskanzlerin Angela Merkel im vergangenen November bei einem Staatsbesuch in Indien vereinbarte, das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Indien in den kommenden fünf Jahren von derzeit 10 Milliarden Euro auf 20 Milliarden Euro zu verdoppeln.

Die Volkswagen AG beispielsweise errichtet seit 2006 in Pune ein neues Werk, in dem ab Mitte 2009 mit der Produktion des Skoda Fabia begonnen werden soll. Flugzeugbauer Airbus hat gerade erst die siebte aus einer Bestellung von insgesamt 15 Airbus-Maschinen an Indiens führende internationale Airline Jet Airways übergeben. Mit weiteren Aufträgen ist zu rechnen.

Siemens ließ in einer Pressemeldung vom Mai verlauten, seine Umsätze in Indien bis zum Jahr 2010 mehr als zu verdoppeln und rund 4.000 neue Mitarbeiter in Indien einstellen zu wollen. Und auch der deutsche Automobilzulieferer Bosch investiert in Indien: zwischen 2005 und 2008 rund 325 Millionen Euro in Sachanlagen. So eröffnete der Konzern am Standort Nashik im August 2007 die landesweit erste Fertigung von Injektoren für Common-Rail-Dieseleinspritzsysteme, einer modernen Hochdruck-Direkteinspritztechnik. Bosch produziert diese Technik als Erster in Serie. Und diese soll zukünftig dem Tata Nano, dem Billigauto des indischen Herstellers Tata Motors, einverleibt werden.

Indien gehört immer noch zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Infrastruktur vor allem in den Boomstädten wie Mumbai (Bombay), Dehli, Bangalore und Pune droht täglich zusammenzubrechen, denn der Ausbau derselbigen kann mit dem enormen Wirtschaftwachstum nicht mithalten. Verstopfte Straßen, stundenlange Stromausfälle oder Engpässe bei der Versorgung mit Wasser aus dem Hahn gehören zur Tagesordnung. Größere Firmen verfügen inzwischen über Notfall generatoren , um im Tagesgeschäft wettbewerbsfähig zu bleiben. Ebenfalls bezeichnend sind die im internationalen Vergleich noch niedrigen Löhne und eine allgemein als mäßig zu bezeichnende Wohnqualität.