Zu wenig Gehalt im Hauptjob ist nur ein Grund, warum sich immer mehr Angestellte einen Nebenjob suchen. Ein weiterer ist, seine eigenen Ziele zu verwirklichen und eventuell aus einem Hobby oder einer Leidenschaft finanziellen Nutzen zu schlagen. Je nachdem, wie es sich entwickelt, kann ein Nebenjob so auch schnell mal zum Hauptberuf avancieren. Was aber muss alles beachtet werden, wenn man sich als Kleinunternehmer nebenberuflich selbstständig machen möchte?

Die Kleinunternehmerregelung

Wird ein Job nebenbei ausgeübt, ist es in der Regel so, dass man damit weniger verdient als im Hauptberuf. So kann man sich in ein Angestelltenverhältnis begeben und mit einem Minijob 450 € steuerfrei dazuverdienen. Die Alternative dazu ist es, sich selbstständig zu machen. Hier ist zu prüfen, ob man ein Gewerbe anmelden muss oder ob man zur Berufsgruppe der Freiberufler gehört. Sinnvoll ist bei einer solchen Tätigkeit in den meisten Fällen wohl die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG.

Diese Regelung wird beim Finanzamt beantragt und ist für alle die geeignet, die in einem Jahr nicht mehr als 17.500 € und im Folgejahr nicht mehr als 50.000 € umsatzsteuerpflichtigen Umsatz generiert haben. Wird dieses Modell gewählt, ist man für fünf Jahre daran gebunden.

Genehmigung durch den Arbeitgeber

Das Recht auf eine nebenberufliche Tätigkeit hat jeder. Es nennt sich auch Recht zur freien Berufswahl und ist im Grundgesetz so festgelegt.

Also einfach loslegen?

Nein, denn hier sollte jeder seinen Arbeitsvertrag durchlesen. Steht darin ein Passus, dass Nebenjobs gemeldet werden müssen (Nebentätigkeitsklausel), dann sollte man dies auch tun. Allerdings kann ein Arbeitgeber nur aus zwei Gründen eine nebenberufliche Tätigkeit untersagen:

  1. Wenn durch die Nebentätigkeit der Hauptjob leidet. Dies kann bedeuten, dass die Leistungen nachlassen, man sich nicht mehr richtig konzentriert oder ständig müde ist.
  2. Wenn man durch seinen Nebenjob dem Arbeitgeber Konkurrenz macht.

Ein Verbot auf eine Nebentätigkeit kann ein Arbeitgeber nicht aussprechen, eine entsprechende Klausel im Arbeitsvertrag wäre also ungültig.

Zu zahlende Steuern

Es gibt drei Steuerarten, die bei einer nebenberuflichen Selbstständigkeit greifen können.

  1. Einkommensteuer
    Dies ist wohl der größte Posten bei der Steuererklärung und greift immer. Einzige Ausnahme: Wenn im Jahr der Gewinn unter 410 € pro Monat liegt, wird keine Einkommensteuer fällig.
  2. Gewerbesteuer
    Diese greift natürlich nur dann, wenn auch ein Gewerbe angemeldet wurde. Freiberufler zahlen diese Steuer nicht. Fällig wird die Gewerbesteuer erst ab einem Jahreseinkommen von 24.500 €.
  3. Umsatzsteuer
    Von der Umsatzsteuer befreit ist jeder Kleinunternehmer (wie bereits oben erläutert). Wer nicht unter diese Regelung fällt, muss die Umsatzsteuer (7  oder 19 Prozent) auf seinen Rechnungen ausweisen und diese an das Finanzamt abführen.

Die Einnahmen aus der Nebentätigkeit müssen bei der Steuererklärung mit angegeben werden.

Welche Versicherungen notwendig sind

Eine wichtige Angelegenheit bei einer nebenberuflichen Tätigkeit sind die Sozialversicherungen. Aber auch ein Blick auf die Unfallversicherung ist sinnvoll.

  • Krankenversicherung
    Wer sich in einem Angestelltenverhältnis befindet, der ist von Gesetzes wegen pflichtversichert. Dies ändert sich auch nicht durch einen Nebenjob – mit zwei Ausnahmen. Wer mehr als 18 Stunden in seinen Nebenjob investiert oder mit der Nebentätigkeit mehr verdient als im Hauptberuf, der muss dies der Krankenkasse melden und im Zweifel eine zusätzliche private Krankenversicherung abschließen.
  • Rentenversicherung
    Hier gelten prinzipiell dieselben Ausnahmen, wie bei der Krankenversicherung. Allerdings gibt es Berufsgruppen, die eine gesetzliche Pflichtversicherung brauchen. Dazu gehören Handwerker, Hebammen, Künstler, Publizisten und freiberufliche Lehrer.
  • Unfallversicherung
    Im Hauptjob ist man automatisch über den Arbeitgeber unfallversichert. Diese greift allerdings nicht bei Unfällen im Nebenjob. Daher sollte sich jeder überlegen, eine zusätzliche private Unfallversicherung abzuschließen. Dies sollte am jeweiligen Job festgemacht werden. Sprich: Unfälle am Schreibtisch werden wohl nicht so häufig passieren wie auf einer Baustelle.

Als Kleinunternehmer kann man sich von der Abgabe der Sozialversicherung befreien lassen, wenn eine Versicherungspflicht besteht.

Problem: Scheinselbständigkeit

Wer eine selbständige Tätigkeit ausübt, der wird, gerade zu Beginn, wohl nur einen Auftraggeber haben. Das könnte auf Dauer aber zu einem Problem werden, was die Zahlung von Sozialversicherungsbeiträgen nach sich zieht und auch steuerliche Auswirkungen hat. Allerdings müssen für eine echte Scheinselbstständigkeit mindestens drei Punkte aus der folgenden Liste zutreffen:

  • Ich bin überwiegend nur für einen Kunden tätig (84 % des Umsatzes).
  • Ich entscheide nicht selbst über meine Arbeitszeit.
  • Ich kann meine Arbeitsstätte nicht frei auswählen.
  • Ich setze meine Preise bzw. Stundensätze nicht selbst fest.
  • Ich werbe nicht um neue Kunden.
  • Ich beschäftige keine sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer, die über 400 € pro Monat verdienen.
  • Ich arbeite für einen Kunden, für den ich dieselbe Tätigkeit vorher in einer abhängigen Beschäftigung verrichtet habe.

Selbständig als Arbeitsloser

Selbst Arbeitssuchende und Empfänger von Arbeitslosengeld II oder Hartz IV dürfen nebenbei einen Job haben, allerdings mit Einschränkungen:

  • Ein Zusatzverdienst von 100 € im Monat ist als pauschaler Freibetrag anerkannt.
  • Wer ein Bruttoeinkommen von bis zu 1.000 € hat, darf zusätzlich 20 Prozent dazuverdienen und zwar auf das Einkommen, das 100 € übersteigt.
  • Liegt das Bruttoeinkommen zwischen 1.000 und 1.200 € dürfen zusätzlich auf die gerade genannten 20 Prozent bis zu 1.000 € nochmal 10 Prozent auf den Teil dazuverdient werden, der die 1.000 € übersteigt.
  • Die Verdienstobergrenze beträgt 1.200 € oder 1.500 €, wenn Kinder vorhanden sind.

Selbständig als Rentnerin und Pensionär

Wurde die Regelaltersgrenze bereits erreicht, ist eine zusätzliche Tätigkeit ohne Meldung an den Rentenversicherungsträger erlaubt. Wer diese Regelaltersgrenze jedoch noch nicht erreicht hat, der muss seinen Nebenjob melden, da dies Auswirkungen auf die Rentenzahlungen haben kann. In der Regel darf man bis zu 6.300 € pro Jahr ohne Anrechnung dazuverdienen.

Beamte, die die Altersgrenze erreicht haben, müssen keine Abstriche bei der Pension befürchten, die nebenberufliche Selbstständigkeit bleibt also unberücksichtigt. Anders sieht es bei Pensionären aus, die die Altersgrenze noch nicht erreicht haben. Selbständige Nebenjobs können dabei die Pensionsbezüge kürzen.

Selbständig bei Bezug von Elterngeld

Prinzipiell können Mütter oder Väter in Elternzeit einer nebenberuflichen selbständigen Tätigkeit nachgehen. Sie müssen jedoch beachten, dass das Zusatzeinkommen voll auf das Elterngeld angerechnet wird. Ob sich dann eine Nebentätigkeit überhaupt noch lohnt, muss jeder für sich ausrechnen. Übrigens besteht kein Elterngeldanspruch, wenn die Arbeitszeit 30 Wochenstunden überschreitet.

Geld zurücklegen

Da die meisten Steuern nachträglich fällig werden, ist es auch für Kleinunternehmer, die nebenberuflich tätig sind, sinnvoll, jeden Monat Geld zurückzulegen, um einer eventuellen Nachzahlung so problemlos entgegen zu sehen.

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