Ob A 380, U-Boote oder Raffinerien – wer als Ingenieur bei Ferchau Engineering einsteigt, kann an vielen spannenden Projekten mitarbeiten. Ute Blindert sprach mit Frank Ferchau, Chef des Ingenieursdienstleisters über den Generationenwechsel im Unternehmen, Herausforderungen und Ideen für die Zukunft.

Herr Ferchau, Sie machen auf mich spontan den Eindruck, ein „Chef zum Anfassen“ zu sein? 

Das weiß ich nicht so genau. Sicher ist es in einem Unternehmen sehr wichtig, mit allen Mitarbeitern zu kommunizieren und die Möglichkeiten zum Austausch anzubieten. So haben wir bei Ferchau zum Beispiel einen Ideenwettbewerb gestartet, der darauf angelegt ist, hierarchieunabhängig und „bottom-up“ Anregungen einbringen zu können.

Darüber hinaus bieten wir unterschiedliche Aktivitäten an, wie beispielsweise den Soccer-Cup, bei dem alle Führungskräfte in Mannschaften mitspielen. Ich hatte meinen Auftritt letzte Woche bei „Aviation“ in Bremen …

…und wie weit sind Sie gekommen? 

Leider sind wir im Viertelfinale gescheitert, aber trotzdem war es eine tolle Veranstaltung. Ein Mitspieler aus meiner Mannschaft kommt aus einem Unternehmen, das wir zur Jahreswende in Ferchau integriert haben. Auf meine Frage, wie es ihm denn bei Ferchau gefalle, meinte er, dass er es – neben vielen anderen Punkten – gut fände, seine Vorgesetzten mal unabhängig vom Arbeitsalltag kennen zu lernen. In seinem früheren Unternehmen hatte er seinen Chef in fünf Jahren nicht gesehen.

Das sind natürlich Dinge, die für die Kommunikation innerhalb eines Unternehmens sehr wichtig sind. Für Veränderungsprozesse dieser Art ist ein Generationenwechsel sehr hilfreich.

Stichwort „Generationenwechsel“. Sie sagten einmal, dass Sie es als „stilles Glück“ empfunden haben, Ihrem Vater im Unternehmen nachzufolgen. Was meinten Sie damit? 

Es ist natürlich ein Privileg, ein bereits existierendes und gesundes Unternehmen weiterentwickeln zu können. Schon von Kindheit an erlebte ich mit, wie die Firma Thema innerhalb der Familie war. Jetzt die Arbeit meines Vaters weiterführen zu können, ist auch eine Form von Glück. Ich würde mich natürlich ebenso freuen, wenn eines meiner Kinder sagen würde: Ja, das interessiert mich.

War das denn überhaupt eine Option, die Nachfolge nicht anzutreten? 

Ja natürlich. Mein Ausbildungsweg lief allerdings nicht zwingend darauf hinaus, in die Fußstapfen meines Vaters zu treten. Für uns beide war es immer wichtig, unabhängig voneinander zu bleiben.

Eigentlich wollte ich Wirtschaftsprüfer werden, aber als es meinem Vater 1994 gesundheitlich schlecht ging und er mich fragte: „Willst du das jetzt machen? Sonst würde ich gegebenenfalls verkaufen“, trat ich – zunächst als Stellvertretender Niederlassungsleiter München – in das Unternehmen ein. In den folgenden Jahren habe ich in unterschiedlichen Positionen wie Niederlassungsleiter, Regional- und Marketingleiter die Bereiche des Unternehmens kennen gelernt. Mit diesem Hintergrund habe ich die Geschäftsführung – seit 2005 als Geschäftsführender Gesellschafter – übernommen.

Das heißt, Sie haben sich damals mit Ihrem Vater zusammen gesetzt und überlegt, wie so ein Weg aussehen könnte? 

Für eine detaillierte Planung fehlte damals die Zeit. Erst später haben wir das Thema „Übergabe“ konkretisiert und mit einem Plan versehen. Dabei war es sicherlich ein glücklicher Zufall, dass ich mich zunächst in der Ferne beweisen und gewissermaßen „freischwimmen“ konnte. So hatten wir beide Zeit, uns an die Situation zu gewöhnen.

Wie haben Sie dann die Übergabe konkret gestaltet? 

Ab dem Jahr 1998 gingen mein Vater und ich die Übergabe sehr konkret an. Mit der Unterstützung von externen Beratern haben wir den Prozess sowohl juristisch als auch emotional umgesetzt. Eine juristische Begleitung leuchtet jedem sofort ein, da beide Seiten ihre Zukunft auf eine verlässliche und vernünftige Basis stellen sollten. Aber auch auf emotionaler Ebene ist es wichtig sich immer wieder – auch an kritischen Punkten – klar zu machen: „Ja, ich will das!“ Insgesamt gelingt uns der Übergabeprozess sehr gut.

Und sicher bleibt es ein harter Prozess. Schließlich geht es darum, dass einer übernimmt und der andere übergibt – mit der finalen Konsequenz, nicht mehr für die Firma tätig zu sein. Nach 30 Jahren fällt das natürlich nicht leicht. Aber ich muss sagen, mein Vater ist da große Klasse und wenn es mir gelingen wird, mit meinen Nachfolgern später so großherzig umzugehen, wäre ich sehr stolz.

Und wie ist das heute für ihn? 

Da müssten Sie ihn schon selbst fragen.

Wie ist denn Ihr Eindruck? 

Wir kommen sehr gut miteinander klar. Wie schon gesagt, das ist kein konfliktfreier Prozess, das soll und kann es ja auch nicht sein. Letztendlich gewinnen wir und das Unternehmen aus den unterschiedlichen Blickwinkeln, die wir beide einbringen. Unsere Gespräche finden auf sehr freundschaftlicher Basis statt. Dabei schätze ich es sehr, auf die 40jährige Erfahrung meines Vaters zurück greifen zu können. Auf der anderen Seite ist aber auch klar, dass es – wie mein Vater formuliert hat – nur einen Kapitän auf der Brücke geben kann.

Ferchau Engineering hat in den letzten Jahren ein beeindruckendes Wachstum hingelegt. Was sind Ihre Erfolgsfaktoren? 

Zunächst einmal bewegen wir uns in einem Markt, der hervorragende Optionen bietet. Vor allem aber arbeitet bei uns eine sehr gute und etablierte Mannschaft. Last but not least gehören natürlich auch viel harte Arbeit und Disziplin dazu.

Welche Weichen stellen Sie jetzt für die Zukunft? 

Ich halte es für sehr wichtig, die Mitarbeiter-Kommunikation und -Einbindung weiter zu verbessern. Wir verbringen viel Zeit bei der Arbeit – da sollte Familie und Arbeit nicht als Gegensatz empfunden werden. Irgendwann möchte sicher jeder auch ein reines Privatleben haben, aber vielleicht können wir eine Brücke schlagen. Ich wünsche mir, dass die Mitarbeiter auch einen Teil ihrer Erfüllung im Unternehmen finden und sich von einer Seite zeigen, die im Tagesgeschäft nicht zum Vorschein kommt. Dieses erleben wir zum Beispiel beim Soccer-Cup. Da wir die Thematik konzeptionell begleiten, wissen wir, dass die Angebote auch für Mitarbeiter tolle Erfahrungen sind.

Mit Blick auf unsere Kunden bieten wir für die unterschiedlichen Interessenlagen ganz bestimmte Angebote, das heißt weg von der „Konfektionsware“ hin zu individuellen, maßgescheiderten Angeboten. Gerade im Bereich der Großkunden, ohne dabei den Mittelstand zu vernachlässigen, werden diese Konzepte sehr gut angenommen.

Für unseren Kunden EADS haben wir zum Beispiel den Bereich „Aviation“ ausgegründet, der sich unabhängig vom Tagesgeschäft um die Belange und Anforderungen dieses Kunden kümmern kann.

Oder Stichwort „Marine“: In der Branche gibt es vier bis acht große Unternehmen in Deutschland, die sich in den Feldern Handels-, Luxus- und Militärschifffahrt bewegen. Auch diesen Kunden bieten wir exklusiv über unseren Geschäftsbereich Marine maßgeschneiderte Lösungen an.

Sie wollen im nächsten Jahr stark wachsen – auch bei den Mitarbeiterzahlen. Was unternehmen Sie zur Steigerung der Mitarbeiterzahl? 

Dazu gehört ein ganzer Strauß von Maßnahmen: Wir befinden uns in einem harten Rekrutierungswettbewerb. Also versuchen wir, als Arbeitgeber attraktiver zu werden. Das uns dieses gelingt, zeigt u.a. die Auszeichung als „Top-Arbeitgeber“, die wir vor wenigen Wochen von der WirtschaftsWoche und dem Trendence-Institut entgegen nehmen konnten. So haben wir zum Beispiel gerade in diesem Jahr fünf neue Niederlassungen, etwa in Aachen und Osnabrück, gegründet, so dass unsere Mitarbeiter ihren Arbeitgeber in der Nähe haben und weniger reisen müssen.

Ein weiteres wichtiges Thema ist Weiterbildung. An der Ferchau -Akademie bieten wir neben fachlichen Weiterbildungsmöglichkeiten Sprachschulungen, Führungsseminare und Seminare zu Finanzthemen an.

Außerdem arbeiten unsere Mitarbeiter immer wieder in interessanten und herausfordernden Projekten, die wir bei unseren Kunden als Lieferant begleiten. Sei es der A380, U-Boote, neue PKW oder gar Raffinerien.

Kommen Ihnen manchmal die guten Leute abhanden? 

Das passiert natürlich. Wir sehen das aber auch als Kompliment für unseren Auswahlprozess und unsere Mitarbeiter. Andererseits ist es aber auch ein Ansporn für uns, unsere Mitarbeiter möglichst lange zu halten. Und da ist der Kunde doch manchmal überrascht, wenn ein Mitarbeiter sagt: „Bei euch gefällt es mir gut, aber beiFerchau ist es auch sehr schön!“

Was würden Sie Ihren Kindern als Ausbildungsweg empfehlen? 

Ich würde Ihnen immer ein technisches Studium ans Herz legen. In Kombination mit etwas kaufmännischem bereitet ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium gut auf das Berufsleben vor. Was die TU Dresden, die TU München, oder auch die regionalen Fachhochschulen wie die FH Köln / Gummersbach anbieten, ist schon sensationell.

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