Für die einen kann es nicht hoch genug sein, wieder andere tüfteln an immer kleineren Maschinen und Motoren, experimentieren mit innovativen Stoffen und Verbindungen – und dann gibt es da noch die Sorte Ingenieure, die einfach dafür sorgen, dass wir uns bestens – und immer sicher – amüsieren können. Zum Beispiel auf der Black Mamba, einer Achterbahn der Superlative, die im Phantasialand in Brühl bei Köln für Furore sorgt.

Deep in Africa – Black Mamba

Aufgeregt drängeln die erwartungsgeladenen Gäste, die Schlange windet sich bis zum Beginn des Eingangs: Wer hier in der ersten Reihe mitfahren will, muss immens viel Geduld aufbringen. Die Besucher warten auf ihre Fahrt mit der „Black Mamba“, der Achterbahn im Phantasialand, die ihren Reiz nicht allein aufgrund ihrer Schnelligkeit und der Anzahl ihrer Loopings entfaltet, sondern einem ständig das Gefühl gibt, mit den Füßen an die nächste Lehmmauer zu stoßen, bevor es blitzschnell um die nächste Kurve geht. Kaum hat man den einen Adrenalinschub überstanden, fühlt man bereits kopfüber den Absturz in die nächste Schlucht, um dann schräg in das ungewisse Dunkel eines nahenden Bergtunnels befördert zu werden.

Die Fakten sind schnell erzählt: Rund 800 Betonpfähle mit einer Länge von rund 5.400 Metern wurden im Erdreich verbaut, Einschnitte und Felsspalten rund 13 Meter unterhalb des Erdniveaus geschaffen und tonnenschwere Liftanlagen eingebaut. 60.000 Kubikmeter Erde wurden insgesamt bewegt.

Eigene Mikrokosmen

Doch hinter der „Black Mamba“ steckt mehr als ein reines Fahrgeschäft der Superlative. Konzept im Phantasialand ist es, eigene Mikrokosmen zu schaffen, und dem Besucher auf diese Weise das Gefühl zu geben, sich in wechselnden Welten zu bewegen. Schon vor Jahren entstanden so “Chinatown” oder “Alt-Berlin”. Im Umfeld der “Black Mamba”, die ihren Namen von einer der gefährlichsten und in Afrika beheimateten Schlangen der Welt erhielt, soll der Besucher tief in das ursprüngliche Afrika, eben “Deep in Africa”, eintauchen können. So errichtete man neben einer afrikanischen Landschaft auch ein afrikanisches Dorf. Für die Bepflanzung wurden Bäume aus afrikanischer Erde eingeflogen, die den hiesigen Winter nur dank einer hierzu eigens eingebauten Fußbodenheizung überstehen können. In Kamerun wurde ein Künstlerdorf errichtet, in dem Handwerker 5.000 Vasen, Schalen und andere Gegenstände afrikanischer Lebensart fertigten. Im Imbiss „Baobab“, im Souvenirladen und an der Bahn arbeiten überwiegend Servicekräfte, die aus afrikanischen Ländern stammen.

Arbeitskleidung mit Savannen-Flair

Auch ihre Arbeitskleidung passt zu dem auf Authenzität beruhenden Konzept: Im Gesamtbild überwiegen erdige Farben, warme Gelb- und Brauntöne, Kleider gefertigt aus aus Baumwoll- und Wollstoffen mit fantasievollen Accessoires wie Gürteln und Hüten, die einen eher an Löwen und Leoparden, trockene Savanne und Busch denken lassen als an mitteleuropäisches Rheinlandklima.

Hinter Design und Produktion der von Afrika inspirierten Kleidung steht Marlies KnieseIngenieurin für Bekleidungstechnik, die ihr Diplom 1977 an der Fachhochschule Niederrhein in Mönchengladbach erwarb. Nach Ende ihres Studiums führten die heute 50-Jährige verschiedene berufliche Stationen ins Phantasialand. Seit September 2000 arbeitet sie hier als „Kreative Bekleidungsfachkraft“.

„Die Herausforderung bei meinem Job liegt darin, dass jedes neue Thema hier im Phantasialand eine neue Herausforderung bedeutet und sich unsere Mitarbeiter in ihrer Kleidung wohlfühlen müssen. Außerdem muss ich natürlich bedenken, dass diese Kleidung einer besonderen Beanspruchung unterliegt und sowohl von 18-jährigen als auch 60-.jährigen Mitarbeitern getragen wird.“

Von Fantasy bis Afrika

Marlies Kniese ist verantwortlich für die gesamte Gestaltung und Beschaffung der Mitarbeiterbekleidung im Entertainmentpark und den dazu gehörenden Hotels. In jedes Gebiet arbeitet sie sich akribisch ein, ganz gleich, ob es sich um Fantasy-Welten oder eben typisch afrikanische Kleidungsstücke handelt. Ausgebreitet auf ihrem Schneidertisch liegen die prächtig bedruckten Stoffe, wie man sie aus Ghana und anderen westafrikanischen Ländern kennt.

Daraus entwirft und fertigt Marlies Kniese die Prototypen der Blusen, Hosen und Jacken, von denen je nach Einsatzmöglichkeit 15 bis 150 Teile auswärts produziert werden. „Dabei muss ich vorab kalkulieren und dann die entsprechenden Preise verhandeln.“

Gelernt hat sie das während ihrer langjährigen Tätigkeit in der Bekleidungsindustrie: „Teilweise wurde bei den Vorgabezeiten für die Produktion mit der dritten Stelle hinter dem Komma kalkuliert“.
Auch für die Textil-Dekoration des derzeit in der Entstehung befindlichen Hotels „Matamba“ ist die Ingenieurin mit im Team. Dabei müssen afrikanische Muster auf hochwertige, den Sicherheitsauflagen entsprechende Stoffe gebracht werden.

Der Job macht ihr „Spaß ohne Ende“, wie Marlies Kniese betont. Ihr gefallen der hohe Qualitätsanspruch, die Vielfältigkeit ihrer Arbeit und dass sie praktisch ein „Bekleidungsunternehmen“ im Unternehmen Phantasialand führt.

Bauingenieur im Vergnügungspark

Für Markus Gröninger führte der Weg von der Uni ohne Umwege zum Traumjob: „Bereits als Jugendlicher habe ich davon geträumt, einmal in einem Freizeitpark zu arbeiten”, berichtet er. Der gebürtige Bad Homburger studierte Bauingenieurwesen an der Fachhochschule Frankfurt am Main. Als sein Praxissemester näher rückte, bewarb er sich auf gut Glück im Phantasialand und wurde genommen. Er arbeitete an der Baustelle des neuen Hotels „Matamba“ mit und wurde mit ungewöhnlichen Problemen konfrontiert: So sollten zum Beispiel die Holzmuster im Hotel möglichst authentisch erscheinen, immer aber auch den Anforderungen an die Sicherheit genügen. “Eine sichtbare Regenrinne würde nicht zu einem afrikanischen Bauwerk passen, also mussten wir uns auch da etwas einfallen lassen”, erzählt Markus Gröninger. Nach dem Abschluss seiner Diplomarbeit zu einem neuen Verkehrskonzept des Freizeitparks arbeitet Markus Gröninger mittlerweile in fester Anstellung in Brühl – und steht jeden Tag vor neuen Herausforderungen.

Besonders geprüft – „Fliegende Bauten“

Auch Achim Hüsch, der mit seinem Team beim TÜV Rheinland unter anderem für “Fliegende Bauten” zuständig ist, stellt eine Anlage wie die der “Black Mamba” vor neue Herausforderungen.

“Fliegende Bauten”, dazu gehören das Kettenkarussell auf dem Rummelplatz ebenso wie technisch anspruchsvollere Bahnen und Geräte. Sicher sein müssen alle, und dafür sorgen Prüfunternehmen wie der TÜV.

Hersteller des Inverted Coasters “Black Mamba” ist das Schweizer Unternehmen  Bolliger & Mabillard, das weltweit Bahnen fertigt. Inverted Coaster heißt eine Bahn dann, wenn die Wagen oder Sitze oben aufgehängt sind und sich der Fahrgast unterhalb der Fahrschiene befindet.

“Wenn ein Inverted Coaster wie die ,Black Mamba’ neu entwickelt und gebaut wird, ist das für unsPrüfingenieure sehr interessant. Bei so einer Bahn können wir ja nicht auf Serienbauteile zurückgreifen z.B. wie bei Aufzügen, sondern müssen uns ganz neu mit dem Projekt befassen”, erklärt der 39-Jährige. “Schließlich geht es ja um mehrere Fachgebiete wie Maschinenbau, Stahlbau, Schweißtechnik, Elektro- und Steuerungstechnik.”

Im Idealfall werden die Prüfer vom TÜV Rheinland bereits während der Planungsphase mit einbezogen, um sich mit dem Hersteller und dem Auftraggeber abzustimmen – um so teure Folgekosten zu vermeiden. Sicherheitstechnisch geprüft wird alles: die Strecke, einzelne Wagen, die Aufhängungen und die Befestigungen. Das Material selbst muss sicher sein, ebenso wie einzelne Verbindungen. Dazu werden zunächst die Baupläne sowie die Statik geprüft und im Anschluß die Bauteile selbst, die kompletten Wagen und schließlich das gesamte Bauwerk einschließlich der Fahrproben zur Erprobung des sicheren Verhaltens der Achterbahn auch im Fehlerfall.

Schließlich geht es darum zu überprüfen, ob die Bahn für den Fahrgast ausreichend sicher ist. “Dafür haben wir im Phantasialand mit Dummys und einem Beschleunigungsaufnehmer gearbeitet, so dass wir verlässliche Aussagen zum Verhalten von Körpern während der Fahrt machen konnten”, erläutert Achim Hüsch. Drei bis vier Monate arbeitete sein Team aus vier Maschinenbau-Ingenieuren und Elektrotechnikern an dem Projekt. Wichtig neben der fachlichen Mischung ist auch ein Mix an erfahrenen Kräften und jüngeren Ingenieuren mit erster Berufserfahrung. “Erste Erfahrung mit kleineren Fahrgeräten sollte man schon mitbringen. Dann kann man bei uns an einer solch anspruchsvollen Prüfung mitarbeiten”, erklärt Achim Hüsch.

Die Abnahmeprüfung nach der langen Projektphase macht dann besonders viel Spaß: Die TÜV Rheinland-Ingenieure durften als einer der ersten Gäste überhaupt auf der “Black Mamba” mitfahren.

Eine Art Belohnung, die sicher auch für Ingenieure den besonderen Reiz ausmacht, in einem solch großen Freizeitpark wie dem Phantasialand zu arbeiten, oder? Mitnichten. “Ich bin noch nicht dazu gekommen”, entschuldigt sich Markus Gröninger, während Marlies Kniese zugibt: “Das traue ich mich nicht!”