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Hast du schon deine Capsule Wardrobe im Kleiderschrank?

Capsule Wardrobe. Bild: Femme Curieuse/photocase.de

Capsule Wardrobe. Bild: Femme Curieuse/photocase.de

Barack Obama ist mein Vorbild. Zumindest, was seine Garderobe anbelangt. (Sonst auch manchmal, mindestens aber seine Frau Michele.) Er besitzt nämlich das, was man eine „Capsule Wardrobe“ nennt. Eine Reihe gut sitzender blauer Anzüge mit passenden Hemden und Schuhen. Fertig. Das war´s. Nun haben es Männer meiner Meinung nach sowieso leichter, sich für den Job anzuziehen. Doch auch Frauen können sich mit einer Business-Uniform das Leben enorm erleichtern. 

Im Durchschnitt kauft jeder Deutsche an die 60 Kleidungsstücke im Jahr. Damit sollte man doch eigentlich ausreichend mit passender Kleidung versorgt sein?

Pustekuchen!

Die meisten von uns stehen dennoch vor ihrem vollen Kleiderschrank und probieren und kombinieren, ziehen an und wieder aus. So ging es auch mir.

Bis ich mir vor etwas mehr als zwei Jahren eine Capsule Wardrobe zulegte.

Doch halt!

Was ist überhaupt eine Capsule Wardrobe?

Eine Capsule Wardrobe ist eine Garderobe aus wenigen Kleidungstücken, ergänzt durch Schuhe und Taschen, die sich vielfältig miteinander kombinieren lassen. Sie ist unabhängig von der aktuellen Mode und wird eventuell ergänzt durch modische Accessoires.

Exkurs in die Geschichte: Als „Erfinderin“ der Capsule Wardrobe gilt Susie Faux, Inhaberin der Boutique „Wardrobe“ im London der 70iger Jahre. Populär wurde die Idee durch die New Yorker Designerin Donna Karan, die 1985 eine Kollektion von sieben miteinander kombinierbaren Kleidungsstücken herausgab (Quelle: Wikipedia).

Ein Traum! Eindeutig mein Ziel! Ganz so wenige Stücke wie bei Donna Karan sind es bei mir allerdings nicht:

Ich komme auf

  • vier Hosen,
  • zwei Blazer,
  • eine Jacke,
  • ein Sommerkleid,
  • ein Hemdblusenkleid,
  • zwei Röcke
  • sowie zwei weitere Kleider.
  • Dazu kommen noch drei Blusen und diverse Shirts, die auch mal wechseln.
  • Außerdem ein Winter- und ein Sommermantel.
  • Und natürlich Schuhe: zwei Paar Stiefel, ein paar Stiefeletten sowie ein paar Halbschuhe
  • und eine unglaublich schöne, praktische Handtasche von Donna Rosa aus München (mit der ich fast verreisen könnten;-)

Fast alle Stücke lassen sich miteinander kombinieren und neu zusammen stellen. Die Grundfarbe ist ein dunkles Blau, das fast zu allen Farbtönen passt und dessen Wirkung mal frischer mit Knallfarben oder ernster mit gedeckten Farben verändert werden kann.

Als Stoff kann ich Schurwolle in guter Qualität empfehlen: Sie knittert nicht bzw. hängt sich wieder aus, ist schmutzabweisend und unglaublich pflegeleicht (maschinenwaschbar bei 30 Grad, evtl. im Wollwaschgang). Feine Männeranzüge sind übrigens auch immer aus Schurwolle hergestellt.

Um nun zu deiner Capsule Wardrobe zu kommen, braucht es ein bisschen Vorarbeit:

Sieben Schritte auf dem Weg zu deiner Capsule Wardrobe

1. Mache eine Bestandsaufnahme.

Für die Bestandsaufnahme deiner Garderobe räume deinen Kleiderschrank aus und schau dir den Inhalt genau an:

  • Was trägst du gern und häufig?
  • Welche Farben ziehen dich magisch an?
  • Welche stehen dir gut?
  • Welche Schnitte stehen dir? Warum?

2. Befreie dich von Überflüssigem.

Um mehr Überblick zu bekommen und auch zu mehr Klarheit in der nächsten Zeit, solltest du in einem zweiten Schritt Kleidung aussortieren. Wenn es dir grundsätzlich schwer fällt, reicht es, wenn du dir erst einmal deine Berufskleidung vornimmst. Am besten, du teilst diese in drei Stapel:

  • Behalten: Bei den Sachen, die du gern und viel trägst, ist die Sache klar: Diese behältst du. Wenn du dir nicht sicher bist, kannst du dir auch die Frage der japanischen Profi-Aufräumerin und Autorin Marie Kondo stellen: Macht mir das Freude und nützt es mir?Wenn nicht, dann kann es weg. Entweder:
  • Verkaufen, spenden oder schenken: Sachen, die du nicht mehr behalten willst. Oder:
  • Unentschieden: Sachen, bei denen du noch nicht entscheiden kannst, kommen in einen Karton und werden erst einmal weggestellt. Wenn du diese auch nach einem, zwei, drei Monaten nicht vermisst hast, können sie auch direkt zum zweiten Stapel.

3. Analysiere deinen Stil.

Nun schau dir die Sachen, die du behalten wirst, genauer an.

  • Was genau gefällt dir an diesen? Sind sie besonders bequem, schick, warm, luftig?
  • Welche Farben herrschen vor? Lassen sich diese Farben gut miteinander kombinieren oder beißen sie sich?
  • Für welche Anlässe eignen sie sich? Im Job brauchen wir meistens nicht nur Kleidungsstücke fürs Büro, sondern auch für Abendveranstaltungen, Geschäftsessen, für die Bühne oder einen Kongress. Lassen sie sich also schnell von lässig zu festlich verwandeln, indem du nur die Bluse mit einem Glitzershirt tauschst?

4. Mache eine Challenge mit.

Um noch mehr Klarheit zu gewinnen und auf Ideen zu kommen, empfehle ich, bei einer Challenge wie dem Project 333 mitzumachen.

Dabei begrenzt du deine Garderobe auf 33 zur Saison passende Teile, die du dann 3 Monate lang trägst.

Alle weiteren Teile werden weggepackt. So „musst“ du drei Monate lang nur mit 33 Teilen auskommen. Wie genau du deine 33 Stücke definierst, bleibt dir überlassen. Es bietet sich zum Beispiel an, Schuhe und Handtaschen mit einzubeziehen, Unterwäsche und Sportklamotten allerdings nicht.

Wie ich es halte? Meine minimalistische Capsule Wardrobe hat sowieso weniger als 33 Teile, daher habe ich das Projekt gelassen. Was mir allerdings sehr geholfen hat, ist meine einjährige Konsumauszeit, bei der ich mir ein Jahr lang keine neue Kleidung gekauft habe. Das führte dazu, dass ich mir immer wieder überlegen musste, wie ich meine Sachen noch einmal anders kombinieren kann.

5. Sammle neue Ideen.

Mit der Reduktion auf weniger Kleidungsstücke kommst du bestimmt schon selbst auf neue Ideen. Traue dich auch an Kombinationen, die sich erst einmal gar nicht anbieten. Sei mutig!

  • Lass dich von den Modeblogs im Internet auf neue Ideen bringen
  • oder lade dir ein paar Freundinnen ein, die vielleicht auf ganz andere Kombinationen kommen,
  • oder setze dich mal ein paar Stunden auf einen belebten Platz und schau dir an, was andere Frauen so tragen
  • oder geh in Second-Hand-Läden oder Flohmärkte und kaufe einfach mal Sachen, die du sonst nie kaufen würdest und lass dich von Verrückheiten inspirieren. Das ist nachhaltiger, als bei den Fast Fashion-Ketten einzukaufen. Aber auch dort kannst du natürlich fündig werden.
  • Natürlich kannst du dir auch eine Stil- und Modeberatung gönnen. Es kann äußerst wertvoll sein, einen Profil über die eigene Garderobe schauen zu lassen.

6. Führe eine Wunschliste.

Nun bist du schon einen guten Schritt weiter auf dem Weg zu deiner Capsule Wardrobe.

Bei den wenigen Stücken und neuen Kombinationen fällt dir sicher auch auf, was dir noch fehlt oder was sich noch gut ergänzen ließe.

Kauf es nicht sofort.

Sondern führe erst einmal eine Liste, in der du deine Wünsche einträgst.

So merkst du, ob ein Wunsch wirklich Bestand hat oder ob du das Stück vielleicht in Wirklichkeit gar nicht brauchst.

Tipp: Mache es dir zur Regel, nur noch hochwertige Kleidung in guter Qualität zu kaufen!

Doch wie erkennt man gute Qualität? 

Nicht unbedingt am Preis;-)

  • Achte auf die Stoffqualität: Schurwolle ist in der Regel hochwertiger als Wolle, die aus recycelter Wolle bestehen kann und damit schneller „pillt“.
  • Achte auf die Verarbeitung: Sind die Nähte sauber verarbeitet oder ziehen diese bereits im Geschäft Fäden? Sitzen alle Nähte und Kanten da, wo sie sein sollen?
  • Achte auf fair gehandelte und ökologisch einwandfrei(er)e Kleidung und Unternehmen: Wenn ein Unternehmen mit dem Label der „Fair Wear Foundation“ ausgezeichnet ist oder ein Kleidungsstück mit einem „GOTS„- oder IVN-Siegel, zeigt es zumindest, dass bestimmte ethische und ökologische Standards eingehalten werden. Meist schlägt sich das auch auf die Qualität nieder.

7. Ergänze nach und nach – so entsteht deine Capsule Wardrobe.

Wenn du nun deine ausgewählten Stücke trägst, wirst du irgendwann feststellen, welche Stücke dich sehr regelmäßig durch deinen Alltag begleiten. Ergänze diese nun nach und nach mit den Stücken, die auf deiner Wunschliste Bestand haben.

So wächst deine Capsule Wardrobe nach und nach. Sicher wird sie sich auch immer mal wieder verändern.

Weil du dich änderst oder dein Job ein anderer wird.

Irgendwann wird du aber deine Linie gefunden haben. Dann kannst du auch so richtig mutig werden und diese Linie auch mal brechen.

Du wirst merken, du wirst immer sicherer in deiner Wahl.

Lesetipps & Links:

Bild: Femme Curieuse/photocase.de

  1. Stefanie Müller

    Sehr inspirierender Beitrag! Habe meine Garderobe kürzlich auch radikal reduziert, dachte, dass ich jetzt bestimmt „nichts mehr zum anziehen“ habe, aber das Gegenteil ist der Fall! In diese Richtung geht auch unser Artikel zum richtigen Aufräumen nach dem Marie-Kondo-Prinzip. Bei den Klamotten fängt es an. https://www.deutsche-bildung.de/de/campus-karriere/themenwelt/detailansicht/news/detail/News/kurz-durchatmen-und-dann-weg-damit/

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