Fälschung, Plagiat oder zulässiges Formulierungs-Tuning? Eine spannende Frage, die die Karrierebibel in ihrer Blogparade da aufwirft: Sollten Bewerber das Anschreiben vom Profil schreiben lassen – oder lieber nicht?

Jochen Mai von der Karrierebibel fragt in seiner  Blogparade zum Ghostwriting von Anschreiben oder Motivationsschreiben: Darf man sein Anschreiben von Profis pimpen lassen? Ist das bewusste Nicht-Selbst-Verfassen bereits eine Fälschung und ein unzulässiges Bewerbungs-Plagiat? Eine interessante Frage, hier mal ein paar Gedanken dazu:

Die Praxissicht

Wer als Karriereexperte auf Jobmessen, vor allem für Absolventen, unterwegs ist, findet dort oft am eigenen Messestand eine lagen Schlange an Messebesuchern. Oftmals wird dort die Überprüfung der Bewerbungsunterlagen angeboten. Die Besucher bekommen Tipps zur Verbesserung und Hinweise auf Stärken – oder Schwachstellen. Diese fallen den Kandidaten selbst oft nicht auf. Sie sind ganz verwirrt von den Anforderungen der Arbeitgeber. Und wer bereits länger im Job ist, kennt sich oft mit der Arbeitswelt aus, nicht aber unbedingt mit dem Arbeitsmarkt.

Ein Job für den Profi?

Genau hier wäre der Ansatz zu sagen: Wenn es ein Profi besser könnte, warum nicht diesen für die Aufgaben engagieren, die man selbst nicht so gut bewältigen kann? Unternehmen nehmen schließlich auch die Hilfe von Beratern und Experten in Anspruch, wenn es darum geht, Stellenanzeigen zu formulieren und auf der Karrierewebsite auf die Vorzüge als Arbeitgeber hinzuweisen.

Auch hier wird lange daran gefeilt, bis das Image stimmt und verspricht, möglichst passende Bewerber in Scharen anzuziehen. Dabei sitzen die Profis oft in den Unternehmen selbst oder diese buchen die Unterstützung von PR-Agenturen, Imageberatungen etc.

Wenn wir jetzt also auf unsere Bewerber zurückkommen, stellt sich die Frage:

  • Warum gönnen sich nicht nicht viel mehr Bewerber einen Profi, der bei der Erstellung des Anschreibens hilft?

Schließlich wissen die meisten mittlerweile, dass ein gutes, professionelles Foto seine Wirkung oft nicht verfehlt, gerade weil man sich nicht mit dem zerknautschten Morgengesicht präsentiert.

Und hier kommen wir dann auch zum Kern: Ein wirklich gutes Foto streicht immer die Vorzüge heraus – ohne zu verfälschen! Wenn wir Claudia Schiffer erwarten und es kommt Lieschen Müller – das funktioniert nicht! Eine gute Bewerbung inklusive Anschreiben sollte aber genau das erreichen – überzeugen, ohne zu verfälschen und etwas falsches, zu positives, vorzuspiegeln.

Beratung statt Ghostwriting

Daher sollten Bewerber, die sich Unterstützung suchen, eher auf Beratung setzen als auf die komplette Erstellung des Anschreibens, womöglich noch nach Schema F.

Bei einer Beratung sollte es dann darum gehen, gemeinsam zu schauen, wo die Stärken und dann auch die Ziele des Kandidaten liegen. Dann sollten beide klären, welche Stellen oder eher welche Unternehmen in Frage kommen. Im Anschluss könnte man auch zusammen ein grobes Raster für Lebenslauf und Anschreiben erstellen. Das eigentliche Verfassen des Anschreibens sollte dann der Bewerber selbst vornehmen, eventuell noch einmal den Berater einen letzten Blick darauf werfen lassen. Es reicht aber auch, den Partner oder einen Freund gegenlesen zu lassen, es geht hier ums Vier-Augen-Prinzip.

Und nun? Das Fazit

Um noch einmal zur Ausgangsfrage zurückzukommen, ob Bewerber sich das Anschreiben schreiben lassen sollten?

  • Ein klares Nein, wenn dabei ein Anschreiben nach Schema F herauskommt.
  • Ein klares Nein, wenn es nur darum geht, den Bewerber als Rockstar erscheinen zu lassen, wenn er lieber Schach spielt. Dann hat niemand etwas davon, außer vielleicht der Berater.
  • Ein klares Ja, wenn sich ein Kandidat bei seiner Profilerstellung beraten lässt.
  • Ein klares Ja, wenn es um Formulierungs-Tuning (schöner Begriff!) geht. Dann können Kandidaten damit mehr Einladungen und auch mehr Kontakte, zum Beispiel in den Online-Netzwerken erreichen. Und diese bedeuten Chancen. Und je mehr Chancen man bekommt, umso geübter und sicherer trifft man sein Ziel, den Traumjob.

Dies ist ein Beitrag zur Blogparade der karrierebibel zur Frage, ob man seine Bewerbung durch Ghostwriting pimpen lassen darf.