Bei einer Bewerbung haben Sie im Anschreiben die Möglichkeit, wichtige Punkte und Stationen aus Ihrem Lebenslauf aufzugreifen und hervorzuheben. Entsprechend sorgfältig sollten Lebenslauf und Anschreiben aufeinander abgestimmt sein. Lesen Sie hier, wie Sie ein ansprechendes Anschreiben verfassen – ein paar Beispiele und Muster gibt´s dazu.

Bitte vermeiden bei der Bewerbung: Anschreiben mit Phrasen!

Mit dem Bewerbungsschreiben müssen Sie als Bewerber das Interesse des Lesers, also des Personalverantwortlichen eines Unternehmens oder eines Recruiters, wecken. Doch wie kann das gelingen, ohne auf Effekthascherei zu setzen und Phrasen zu dreschen à la „Meine Freunde beschreiben mich als kontaktfreudigen und kommunikativen Menschen…“?

Auch wenn sich die meisten recht schwer tun mit der Formulierung, helfen ein paar Grundsätze, relativ schnell und einfach zu einem gut geschriebenen und interessanten Anschreiben zu kommen.

Dabei helfen für den Start folgende Fragen:

  1. Was hat mich bei der Stellenanzeige oder diesem Arbeitgeber spontan angesprochen? Mit welchen Aussagen kann ich mich gut identifizieren?
  2. Warum passen gerade meine Fähigkeiten zu der angebotenen Stelle?
  3. Was habe ich bis jetzt geleistet, das gut zum Unternehmen und zur Position passt?

Beantworten Sie erst einmal diese Fragen.

Machen Sie sich dazu Notizen und berichten Sie Freunden, Bekannten oder Kommilitonen davon. Indem Sie von der Stelle oder dem Arbeitgeber erzählen, merken Sie, wo vielleicht noch etwas hakt oder ob Ihre Begeisterung beim Gegenüber ankommen.

So kristallisiert sich heraus, was für das Anschreiben tatsächlich wichtig ist. Ihr Bewerbungsschreiben sollte nämlich erkennen lassen, dass Sie sich auf genau diesen Job bei diesem Arbeitgeber beziehen und gleichzeitig deutlich machen, warum gerade Sie dafür bestens geeignet sind.

Tipp: Auch wenn Ihnen diese Gegenprobe zu aufwendig erscheint, helfen Ihnen die oben formulierten Fragen weiter, auch in Ihrem Text eindeutiger (und auch mutiger) zu werden.

Beispiel: Anschreiben Muster für eine Bewerbung als Prozessingenieur

Anschreiben Prozessingenieur

Anschreiben Prozessingenieur

Zwei Beispiel-Anschreiben

Der Aufbau des Anschreibens

Bauen Sie Ihr Anschreiben folgendermaßen auf: Zunächst einmal geben Sie Ihre Daten, also Ihren Namen, Adresse und sinnvollerweise auch eine Telefonnummer und E-Mail-Adresse an. Wie Sie das gestalten, bleibt Ihnen überlassen, nur übersichtlich sollte es sein. Am besten, Sie gucken einmal in unsere Beispiel-Anschreiben.

Dann folgt die Anschrift des Unternehmens mit Ansprechpartner. Sollte kein Ansprechpartner in der Stellenanzeige genannt sein, rufen Sie bitte nicht deswegen im Unternehmen an. Es hilft nämlich nicht, hier den Namen eines Ansprechpartners anzugeben (entgegen anderslautenden Gerüchten aus der „urbanen Bewerbungsmythologie“!). Heutzutage werden diese Aufgaben in Personalabteilungen oft in Teams erledigt, da reicht es, wenn dort „HR-Team“ oder „Recruiting“ steht.

Wenn Sie allerdings eine inhaltliche Frage haben, sollten Sie unbedingt mit einem Mitarbeiter sprechen. Zum einen können sie ihre Fragen klären und haben gleich einen schönen Einstieg in den Bewerbungstext. Oft ergibt sich das von selbst, wenn man die zahlreichen Anforderungen in einer Stellenanzeige liest. Hier wünschen sich Unternehmen oftmals sehr viel von ihren Kandidaten.

Wenn Sie zum Beispiel unsicher sind, was Ihre Englisch-Kenntnisse anbelangt, dürfen Sie natürlich nachfragen. Wichtig ist es aber, dass Sie sich auch auf dieses kurze Gespräch vorbereiten.

Ihre Frage könnten Sie dann folgendermaßen formulieren:

Frau Müller, auf Ihrer Website habe ich die Stellenanzeige für den „Junior IT-Consultant“ gesehen, die ich sehr interessant finde. Ich bin jetzt allerdings unsicher, ob ich bei den Englisch-Kenntnissen richtig liege. Was verstehen Sie denn unter „Sehr gute Kenntnisse“…?

Im Laufe des Gesprächs bringen Sie dann am besten noch Ihre besonderen Kenntnisse in SAP an und ihre Praxiserfahrung aus Ihrer Zeit bei einer Studentischen Unternehmensberatung.

Ebenfalls ein guter Einstieg in den Text ist es, wenn Sie sich bereits auf einer Messe oder einem Recruiting-Event mit einem Mitarbeiter gesprochen haben. Hierauf können Sie sich im Text des Anschreiben natürlich auch beziehen.

Darunter fügen Sie das aktuelle Datum mit Angabe des Ortes ein.

Nach der Adresse des Unternehmens folgt der Betreff, in dem Sie genau angeben, auf welche Position Sie sich bewerben und wo Sie die Personalanzeige gefunden haben. Seien Sie hier bitte so genau wie möglich. Wenn die Anzeige eine Kennziffer enthielt, verwenden Sie diese an dieser Stelle.

In der Briefanrede sprechen Sie Ihren Ansprechpartner wieder persönlich an. Wenn es gar nicht anders geht, verwenden Sie die Formel „Sehr geehrte Damen und Herren,…“

Der Einstieg ins Anschreiben

Natürlich können Sie an dieser Stelle noch einmal den Betreff aus der Anzeige wiederholen. In etwa: „…, in Ihrer Stellenanzeige vom 3. Mai 200x suchen Sie einen Systemadministrator…Hiermit möchte ich mich bei Ihnen vorstellen.“

Wecken Sie die Aufmerksamkeit des Lesers

Das passt, wirkt aber nach der 20. Bewerbung nicht mehr neu. Außerdem haben Sie ja schon im Betreff formuliert, um welche Position es Ihnen geht. Also, warum steigen Sie nicht gleich mit Ihrer Vorstellung ein:

…, momentan schreibe ich meine Bachelorarbeit zum Thema „…“ im Fachbereich Informatik an der TU Dresden. Diese werde ich voraussichtlich bis zum x. Juni 200x abschließen.

Auf den ersten Blick kann der Leser des Anschreibens erfassen, dass Sie vom Studium her zu dieser Stelle passen könnten.

Dann legen Sie nach und führen weitere Punkte zu Ihren bisherigen Studienleistungen, Schwerpunkten und Besonderheiten auf. Das sollte zu Ihrem Anschreiben als Absolvent dazu gehören. Die weiteren Textbestandteile sollten Sie dann genauer auf das Unternehmen und die Stelle abstimmen. Dafür greifen Sie einfach die Punkte aus Ihrem Lebenslauf auf, die Sie für relevant erachten.

Zum Beispiel: Wenn es sich um eine Stelle handelt, in der es auch um Kundenkontakt gehen wird, sollten Sie im Anschreiben Aspekte betonen, die zeigen, dass Ihnen so etwas nicht fremd ist. Wenn Sie also während Ihres Studiums in einer Studenteninitiative mitgearbeitet haben und dafür Unternehmen für eine Kontaktmesse gewonnen haben, wäre das unbedingt zu erwähnen.

Auch Studentenjobs, die erkennen lassen, dass Sie mehr geleistet haben als „nur“ Geld zu verdienen, gehören hier dazu. Ebenso wie Besonderheiten wie ein Auslandssemester oder interessante Praktika.

Also: Setzen Sie mit dem Anschreiben Highlights und richten Sie die richtigen Spots auf die interessanten Aspekte Ihres Lebenslaufs.

Das Anschreiben für Berufserfahrene

Berufstätige können hier auf einzelne Stationen auf Ihrem Berufsweg hinweisen. Dabei gehören Zahlen unbedingt mit dazu. Zum Beispiel könnten Sie formulieren: „Als Projektleiter beim Bauvorhaben XY in Berlin gelang es mir, innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens zu bleiben und die Kosten von 4 Mio. Euro um 10 Prozent zu senken.“

Der erste Eindruck muss stimmen

Sie können noch so viel Sorgfalt in Ihren Text stecken, wenn das äußere Bild nicht stimmt, haben Sie es schwer. Sicherlich gibt es geniale Programmierer, bei denen es nicht so auf die äußere Form ankommt, aber einer Bewerbung sollte anzusehen sein, dass Sie es ernst meinen. Sie möchten ja auch keine Einladung zum Vorstellungsgespräch auf einem Bogen mit Kaffeeflecken bekommen.

Weniger ist mehr

Versuchen Sie nicht, möglichst viele Schriften aus Word zu verwenden, sondern bleiben Sie bei einer, am ehesten bei Times New Roman oder Arial, in Größe 10 bis 12. In der Schriftgröße sind Sie in diesem Rahmen durchaus variabel; manchmal muss man einen Text einfach etwas kleiner setzen, damit er noch auf eine Seite geht. Auch mit Hervorhebungen gehen Sie lieber etwas sparsamer um, verwenden Sie ein Stilmittel, also entweder Unterstreichungen oder Fett oder Kursiv.

Diese Stilmittel verwenden Sie bitte in Ihrer gesamten Bewerbung, also im Anschreiben wie im Lebenslauf.

Der Ausklang des Anschreibens

Wenn in der Anzeige verlangt, sagen Sie etwas zu Ihren Gehaltsvorstellungen. Der Rahmen bei Berufseinsteigern ist normalerweise ziemlich eng und lässt sich gut im Internet, zum Beispiel direkt hier, hier und hier, recherchieren, zumindest für Konzerne und große Mittelständler. Natürlich variieren die Gehälter je nach Branche, Größe des Unternehmens und Standort.

Sagen Sie noch etwas zu Ihrem frühest möglichen Einstiegstermin. Und dass Sie sich über eine Einladung zum Gespräch freuen.

Linkstipps:

Bild: Andreas Berheide/Photocase.de