„Sind Sie ein Teamplayer?“ Diese Frage wird im beruflichen Umfeld gern gestellt. Die meisten Menschen werden diese Frage wohl mit Ja beantworten. Alles andere klingt ja auch irgendwie asozial. Die gesellschaftliche Erwartung ist, dass man gefälligst Teamplayer zu sein hat.

Dabei kommt es aber auch aufs Team an. Mit einem guten Team kann man viel erreichen und dabei auch noch Spaß haben. Ein dysfunktionales Team hingegen kann eine ewig sprudelnde Quelle des Frusts sein. Und dann ist man plötzlich kein Teamplayer mehr, sondern will ganz schnell weglaufen.

Endlosdiskussionen, verbissenes Herumreiten auf irgendwelchen Theorien oder Begriffsdefinitionen, aber auch fehlende Entscheidungsstrukturen können ein extremer Frust-Trigger sein.

Mitunter kann sogar eine einzige Person ein Team zum Explodieren bringen. Dazu gehört nicht viel:

Das Teammitglied aus der Hölle

Es ist…

1. …egoistisch

Me first! Eigeninteressen werden vorangestellt. Und zwar um jeden Preis. Diese Person geht keine Kompromisse ein und sitzt Konflikte gnadenlos aus. Ein konsequenter Egoist kann ein Team bereits zerschießen, bevor es überhaupt eine Chance hat, ein solches zu werden.

2. …übergriffig

Über Diskussionsbeiträge anderer rücksichtlos drüberbrettern, andere Teammitglieder unterbrechen, niederschreien oder ausbooten. Die Lauten machen die Welt kaputt – und der A-soziale im Team will auf jeden Fall möglichst viel kaputt machen.

3. …faul

Sobald es darum geht, Verantwortung zu übernehmen, taucht das Teammitglied aus der Hölle ab. Allenfalls pickt es sich die Rosinen heraus – also die Arbeiten, die es gern macht.

4. …respektlos

Unnötig zu erwähnen, dass man von diesem Exemplar Mensch keinen Respekt erwarten kann. Gleichwohl fordert es selbst ihn ein, denn es ist hochgradig…

5. …manipulativ

Das „Prachtexemplar“ dreht den Kollegen jedes Wort im Mund um, spielt sie gegeneinander aus und gibt ihnen am Ende auch noch das Gefühl, selbst schuld an der Misere in der Gruppe zu sein. Und natürlich versucht das Teammitglied aus der Hölle hinterher, sich sämtliche Erfolge des Teams auf die eigene Fahne zu schreiben.

Oh Gott, das klingt furchtbar. Gibt es wirklich solche Menschen? Leider ja. Allzu häufig sind diese Exemplare glücklicherweise nicht anzutreffen – je nach Psychopathendichte in der jeweiligen Branche.

Im Umkehrschluss würde das ja bedeuten, dass jemand, der

  • die Interessen aller berücksichtigt und Kompromisse eingehen kann
  • Ideen und Vorschläge anderer hören, berücksichtigen und integrieren kann
  • Verantwortung (und auch mal unbeliebte Aufgaben) übernimmt
  • Respekt zeigt und
  • Erfolge und Misserfolge mitträgt

das ideale Teammitglied ist.

Google forscht

Fragen wir doch mal Google. Nein, nicht die Suchmaschinenmaske. Sondern das fünfjährige Forschungsproject Aristotle, bei dem das Unternehmen Google Hunderte seiner Teams vermessen hat – auf der Suche nach dem perfekten Team.

Millionen Dollar wurden ausgegeben, um möglichst viel über die Kooperation der Mitarbeiter zu erfahren, zum Beispiel: Wer isst mit wem zu Mittag? Dabei kam heraus: Die produktivsten Kollegen nehmen immer mal jemand anderes mit zum Lunch und bauen so ihr Netzwerk aus.

Oder: Welche Eigenschaften haben die besten Manager gemeinsam? Das Ergebnis: Gute Kommunikation und die Vermeidung von Mikromanagement – zur großen Überraschung der Google-Manager.

Eines bereitete dem Forschungsteam aber Kopfzerbrechen: Sie konnten keine Muster erkennen. Es gab keine universellen Eigenschaften, die auf ein gut funktionierendes Team schließen ließen – keine besonderen Persönlichkeitsmerkmale oder Teamzusammensetzungen, keine Normen oder ungeschriebenen Gesetze. Bzw. fanden sie so viele unterschiedliche Muster, dass sie mit den Ergebnissen nichts anfangen konnten.

Endlich eine Spur

Die Wissenschaftler begannen, den Teams verschiedene Aufgaben zu stellen (zum Beispiel gemeinsam Lebensmittel einkaufen) und maßen die Ergebnisse. Dabei stießen sie endlich auf eine Gemeinsamkeit: Die Teams, die eine Aufgabe sehr gut erledigt hatten, schafften alle anderen Aufgaben auch sehr gut. Verwirrend war nur, dass die guten Teams untereinander ganz unterschiedlich vorgegangen waren.

Daraus schlossen sie: Was die guten von den dysfunktionalen Teams unterschied, war der Umgang miteinander.

  • Erstens: Alle Mitglieder der funktionierenden Teams hatten in etwa den gleichen Redeanteil.
    Die Forscher machten auch die Gegenprobe: Sobald lediglich eine Person oder eine kleine Gruppe sprach, sank die kollektive Intelligenz des ganzen Teams.
  • Zweitens: Die funktionierenden Teams verfügten über eine hohe „durchschnittliche soziale Sensibilität“, konnten also intuitiv erahnen, wie andere sich fühlten anhand von deren Ton, Gesichtsausdruck und Körpersprache. Also Sozialkompetenz, Feinfühligkeit, Empathie.
    In der Psychologie nennt man das Gesamtpaket „psychologische Sicherheit“ – die Gewissheit, in einer Gruppe sprechen zu können, ohne beschämt, zurückgewiesen oder bestraft zu werden. Es geht um eine Atmosphäre von Vertrauen und Respekt, in der jede Person sie selbst sein kann.

In der weiteren Auswertung der Studienergebnisse fiel auf, dass die meisten Teammitglieder darüber sprachen, wie sie sich im Team gefühlt hatten.
Wie sagte schon die geniale Maya Angelou:

„Die Menschen vergessen, was du gesagt oder getan hast. Aber sie werden nie vergessen, welches Gefühl du ihnen gegeben hast.“

Was ein funktionierendes Team ausmacht ist also, nett und fair zueinander zu sein.
Das tut das Teammitglied aus der Hölle eben nicht, weshalb es die Arbeitsweise eines Teams komplett unterminieren kann. Voraussetzung für ein funktionierendes Team ist also auch, nur solche Mitglieder aufzunehmen, die sich an die Regeln eines fairen Umgangs halten.

Dieser Text ist in ähnlicher Form auf Lydia Krügers Blog Büronymus erschienen.