In der Regel führt für Berufseinsteiger, die noch ganz am Beginn ihrer Karriere stehen, kein Weg an der Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) vorbei. Doch für eine gute medizinische Versorgung ist nicht unbedingt ein Top-Gehalt Voraussetzung – mit der richtigen Wahl genießen auch Berufsanfänger einen umfassenden Versicherungsschutz, der zudem auch noch bezahlbar ist.

Gesetzlich oder Privat? Darauf muss geachtet werden

Berufseinsteiger, die viele Jahre lang über ihre Eltern einen privaten Versicherungsschutz über die Familienversicherung erhalten haben, staunen oftmals nicht schlecht, wenn sie kurz nach Berufsbeginn das erste Mal bei ihrem Hausarzt vorbei schauen und plötzlich für Medikamente, wie beispielsweise Nasenspray oder Grippetabletten, in die eigene Tasche greifen müssen. Denn diese sogenannten Bagatellmedikamente müssen gesetzlich Krankenversicherte aus eigener Tasche zahlen.

Dies liegt daran, dass die private Versicherung nur noch Besserverdienenden offensteht, die über die Einkommensgrenze von derzeit 6.050 Euro monatlich (Stand 2015) liegen oder bestimmten Berufssparten, wie zum Beispiel Beamten. Stattdessen sind die meisten Berufsanfänger – wie übrigens 90 Prozent der Deutschen – in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert und diese zahlt schon lange nicht mehr für Erkältungsarzneien.

Gesetzliche Krankenversicherung: zweckmäßig, wirtschaftlich und ausreichend

Was Kassenpatienten an Behandlungen finanziert bekommen, wird per Gesetz verabschiedet. Denn der Gesetzgeber hat genau definiert, welche Therapien und Medikamente seinen Anforderungen entsprechen. Die Folge ist, dass rund 95 Prozent aller medizinischen Leistungen gesetzlich vorgeschrieben und daher die gesetzlichen Leistungen aller deutschen Krankenkassen gleich sind.

Allerdings unterscheiden sich die monatlichen Beiträge, die ein Versicherter zu leisten hat. Seit dem 01.Januar 2015 fällt der Sonderbeitrag von 0,9 Prozent weg und der Beitragssatz zur GKV fällt von 15,5 Prozent auf 14,6 Prozent. Gleichzeitig ist es aber nun möglich, dass die Kassen einen einkommensabhängigen Zusatzbeitrag erheben. Wie hoch dieser Zusatzbeitrag ist, legt jede Krankenkasse selber fest. Daher ist es ratsam, die persönlich beste Krankenversicherung durch einen Preisvergleich zu ermitteln. Mit einem Wechsel der gesetzlichen Krankenkasse lässt sich ordentlich Geld sparen. Dies kann bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von beispielsweise 2.500 Euro schon ein kleines Taschengeld von 12,50 Euro mehr im Geldbeutel bedeuten.

Kassen können Extras zahlen

Doch so ganz ohne Einschränkungen ist das Geiz ist Geil Prinzip auch nicht empfehlenswert, denn es sind eben auch nur exakt diese 95 Prozent aller Leistungen identisch. Die Unterschiede der restlichen fünf Prozent sind gewaltig und gehen los beim Service bis hin zu wichtigen Extras.
Das Gesetz lässt neben den Pflichtleistungen den Krankenkassen einen freien Entscheidungsraum, was sie nach eigenem Ermessen übernehmen können. So können GKVs, die ihren Mitgliedern mehr als nur Standard bieten möchten, die Zahlung ambulanter Vorsorgekuren übernehmen, Präventionsurlaube bezuschussen oder Selbsthilfegruppen zur Krankheitsvorsorge bezahlen. Einige Kassen spendieren ihren Kunden auch eine Haushaltshilfe bei Krankenhausaufenthalten oder unterstützen ihre Versicherten im Fall eines Behandlungsfehlers. Einzelne Krankenkassen haben mittlerweile sogar Tai-Chi, Ayurveda oder eine Ozontherapie im Angebot.

Was bei der Wahl der Krankenversicherung zu beachten ist

Versicherte, die viel Wert auf solche Leistungen legen, müssen daher viel mehr als ausschließlich die Beitragssätze miteinander zu vergleichen. Besonders im Punkt der alternativen Heilmethoden klaffen die Angebote der Versicherer weit auseinander. Immerhin 90 Krankenkassen bieten auch Behandlungen jenseits der traditionellen Schulmedizin an.
Ein weiteres Kriterium für die Auswahl einer Kasse ist der Service. Wer viel auf persönliche Beratung angewiesen ist, sollte eine Kasse wählen, die für ihn kurzfristig zu erreichen ist und über ein gutes ausgebautes Filialnetz verfügt.

ABC der Krankenversicherung

Beitragsbemessungsgrenze: Je höher das Einkommen, desto höher auch der Krankenkassenbeitrag. Ab einem Gehalt von 6.050 Euro im Monat steigen die Beiträge nicht weiter.

Beitragsrückerstattung: Die gesetzlichen Krankenkassen können freiwillig Versicherten Beitragsrückzahlungen anbieten, wenn Versicherte in dem Jahr keinen Leistungen in Anspruch genommen haben – die Rückzahlung ist beschränkt auf einen Monatsbeitrag.

Beitragssatz: Dieser Satz gibt den Prozentsatz an, der vom monatlichen Bruttogehalt an die Kasse fließt. Diesen Betrag teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Er liegt ohne Zusatzbeitrag bei aktuell 14,6 Prozent laut lohn-info.de.

Bonusprogramme: Krankenkassen dürfen Versicherte mit Vergünstigungen belohnen, dies betrifft beispielsweise Patienten, die regelmäßig alle Vorsorgeuntersuchungen absolvieren.

Familienversicherung (FV): Anders als in der privaten Krankenversicherung, sind in der GKV Ehe-, Lebenspartner und Kinder gratis mitversichert, sofern sie nicht mehr als 450 Euro pro Monat verdienen.

Freiwillig gesetzlich Versicherte: Versicherte, die sich auch privat versichern könnten, können freiwillig die gesetzliche Krankenversicherung wählen und werden dann als freiwillig gesetzlich Versicherte bezeichnet.

Hausarztmodell: Patienten müssen mit allen Wehwehchen zuerst immer zum Hausarzt.

Private Krankenversicherung (PKV): Wer nicht gesetzlich pflichtversichert ist, kann sich auf Wunsch auch privat versichern. Hier ist der Umfang der Leistungen nicht gesetzlich fixiert und die Prämien berechnen sich nach Wahl der Versicherung sowie etwaigen Risikofaktoren.

Selbstbehalt: Freiwillig versicherte Mitglieder einer gesetzlichen Krankenkasse erhalten einen Beitragsnachlass, wenn sie jährlich einen zuvor festgelegten Betrag an Behandlungskosten selber tragen. Diesen Selbstbehalt gibt es auch in einigen PKV-Tarifen.

Krankenkassenwahl für Berufsanfänger

Seit 2015 unterscheiden sich die Krankenkassen auch wieder durch ihren Beitrag. Wer entsprechend schlau sucht, kann jährlich mehrere hundert Euro sparen. Berufseinsteiger, die gerade eine Kasse suchen, sollten sich die angebotenen Leistungen genau anschauen. Das können Impfungen, besondere Heilmethoden, eine spezielle Zahnvorsorge oder auch Leistungen rund um die Schwangerschaft sein. Steht die neue Wunschkrankenkasse fest, sollte die Mitgliedschaft beantragt werden.

Und das geht folgendermaßen:

  • Homepage der Krankenkasse im Internet suchen
  • Mitgliedschaft online beantragen
  • Alternativ PDF-Formular ausdrucken, ausfüllen und absenden
  • Mitgliedschaftsbestätigung dem Arbeitgeber vorlegen