Natürlich geht es in einem Vorstellungsgespräch darum, sich vorzustellen, und sicherlich haben es Bewerber hier leichter, die sich schnell auf neue Menschen einstellen können und Selbstvertrauen ausstrahlen. Doch grundsätzlich geht es darum, sich authentisch zu geben und keine Rolle zu spielen.

Seien Sie ganz natürlich!

Das heißt aber nicht, dass Sie das Vorstellungsgespräch auf sich zukommen lassen sollten. Im Gegenteil: Bereiten Sie sich gut auf das Gespräch vor. Informieren Sie sich gut über das Unternehmen und die ausgeschriebene Position. Schreiben Sie sich Fragen dazu auf.

Lebenslauf präsent haben

Außerdem sollten Sie Ihren Lebenslauf im Vorstellungsgespräch parat haben und auch flüssig über Ihr Studium und Ihre Diplomarbeit erzählen können. Am besten setzen Sie sich noch einmal in aller Ruhe mit Ihrem Lebenslauf hin. Welche Stationen gab es in meinem bisherigen Werdegang als Absolvent, welche Entwicklung habe ich in meiner Laufbahn gemacht? Gibt es vielleicht Brüche, die ich erklären müsste?

Um sich systematisch auf Ihr Vorstellungsgespräch vorzubereiten, können Sie sich grob an diesen Ablaufplan halten. Er zeigt sehr schön, wann Sie sich mit welchen Fragen auseinandersetzen sollten. Da Sie sich ja wahrscheinlich eh in einem Bewerbungsprozess mit mehreren Jobinterviews befinden, verschiebt sich der Zeitplan natürlich auch etwas.

Ablaufplan zur Vorbereitung aufs Vorstellungsgespräch

Ablaufplan zur Vorbereitung aufs Vorstellungsgespräch

Versetzen Sie sich in Ihr Gegenüber

Bei einem Vorstellungsgespräch sitzen Ihnen natürlich Profis gegenüber. Dazu gehören in der Regel ein bis zwei Vertreter aus der Personalabteilung, ein potenzieller Kollege und Ihr zukünftiger Vorgesetzter.

Da man Sie zum Gespräch eingeladen hat, haben Sie die wichtigste Hürde bereits genommen: Sie sind eingeladen worden! Denn die Quote für die Einladung von Bewerbern zum Vorstellungsgespräch liegt zwischen 20 bis zehn Prozent. Das heißt, wenn sich 50 Kandidaten auf eine Stelle bewerben, wird ein Unternehmen zwischen fünf bis zehn Kandidaten einladen. Grundsätzlich passen Sie also mit Ihrem Profil auf die ausgeschriebene Stelle.

Dem Unternehmen wird es aber im Vorstellungsgespräch darum gehen herauszufinden, was Ihre Motivation ist, ob Sie sich wirklich für diese Stelle begeistern können und ob Sie ins Team passen. Also wird man Ihnen auf den Zahl fühlen. Man wird auch nicht zögern nachzufragen, wenn etwas unklar sein sollte. Umgekehrt gilt das natürlich genauso. Auch Sie sollten bei einem Vorstellungsgespräch versuchen herauszufinden, ob es Ihnen an diesem Ort gefallen wird.

Vor dem Vorstellungsgespräch

Aber zunächst einmal von Anfang an. Seien Sie pünktlich! Planen Sie also genug Zeit für den Weg ein, nehmen Sie lieber einen früheren Zug oder fahren eine Stunde früher los. Wegbeschreibungen und Pufferzeiten für Staus und Zugverspätungen sollten Sie nicht vergessen. Sollten Sie dennoch eine Verspätung absehen können (nicht jeder Stau lässt sich vorhersehen, leider!), dann rufen Sie im Unternehmen an und sagen Bescheid. Also: Handy nicht vergessen und vor allem nicht die richtige Telefonnummer!

Noch einmal: Planen Sie genug Zeit ein, so dass Sie nicht gehetzt zum Gesprächstermin erscheinen und noch die berühmte Viertelstunde zum Ankommen haben.

„Höflichkeit ist eine Zier!“ – Begrüßungsituationen

Arroganz kommt normalerweise gar nicht gut an. Grüßen Sie also den Pförtner und wechseln Sie ein paar Worte mit der Sekretärin. Das gilt natürlich besonders für Ihre Gesprächspartner aus der Personalabteilung und dem Fachbereich, die Sie zum Beispiel aus der Lobby zum Gespräch abholen. Meist werden Sie hier ein paar Höflichkeiten austauschen, zum Wetter möglicherweise, zum schönen Gebäude oder auch, ob Sie den Weg gut gefunden haben.

Im Raum selbst überlassen Sie es Ihren Gesprächspartnern, wie die Begrüßung gehandhabt wird. Wenn man Ihnen entgegen kommt und die Hand hinstreckt, ergreifen Sie diese. Ansonsten kann es aber auch passieren, dass man Sie zum Raum begleitet, vorstellt und dann zu Ihrem Platz begleitet. Ihnen sitzen meistens zwei bis vier Personen gegenüber, die sich dann auch im Gespräch kurz vorstellen sollten.

Einstieg ins Gespräch

Es kann sein, dass die Interviewer im Vorstellungsgespräch mit einer Einstiegsfrage zu Ihren Hobbys beginnen. Antworten Sie offen, Romane zu erzählen brauchen Sie nicht. Deshalb ist es durchaus von Vorteil, im Lebenslauf auch auf Hobbys oder Ehrenämter einzugehen.

Hintergrund: Diese Fragen werden oft zur Auflockerung verwendet, um Ihnen Ihre Nervösität zu nehmen und sich vorab ein wenig zu „beschnuppern“. Bei aller fachlichen Qualifikation kommt es eben vor allem darauf an, ob Sie als Person ins Unternehmen passen.

Selbstpräsentation

Nach den ersten auflockernden Fragen werden Sie in der Regel aufgefordert, sich selbst zu präsentieren. Das fängt ganz harmlos mit der Frage an: „Erzählen Sie doch mal von sich!“ Machen Sie hierbei nicht den Fehler und referieren einfach Ihre biografischen Daten aus Ihrem Lebenslauf. Das kann wirklich jeder selbst nachlesen.

Es kommt vielmehr darauf an, wie Sie sich nun darstellen. Greifen Sie also Höhepunkte aus Ihrem Lebenslauf auf, verknüpfen Sie diese mit Ihrem Weg, zeigen Sie Ihre Überlegungen und versuchen Sie, lebendig und engagiert zu erzählen. Oft stellt man sich die Frage, ob man dabei lieber chronologisch oder umgekehrt chronologisch vorgehen sollte?

Es gibt kein festes Schema für den besten Ablauf einer Selbstpräsentation. Bewährt haben sich folgende Abläufe:

  • Chronologische Erzählweise, indem Sie zum Beispiel mit Ihrem höchsten Schulabschluss starten (bei Absolventen), die Entscheidung für Ihr Studienfach begründen und sich dann durch Studium, Praktika und erste Arbeitserfahrungen „arbeiten“.
  • Start mit dem aktuellen, dann chronologische Erzählung. Bietet sich oft bei Berufserfahrenen an, denn hier ist es schließlich besonders interessant, was Sie momentan machen. Außerdem möchte man natürlich wissen, wie Sie dahin gekommen sind.
  • Rahmen/Lebensthema aufzeigen, innerhalb des Rahmens dann eine feste Ordnung mit Orientierungspunkten beibehalten. Diese Vorgehensweise bietet sich an, wenn Sie eine Überschrift für Ihr Leben gefunden haben und ist nicht ganz einfach.
    Hier mal ein Beispiel: Eine junge Chinesin studierte Soziologie an einer deutschen Hochschule und hatte während ihres Studiums jeweils ein Praktikum bei einem deutschen Unternehmen in China und einem chinesischen Unternehmen in Deutschland gemacht. Ihre Abschlussarbeit schrieb sie zu „Interkultureller Kommunikation“. Sie sagte nun: „Ich verstehe mich als Vermittlerin zwischen Deutschland und China: […]“ 

Fragen zu Ihrem Lebenslauf

Sicherlich passen Sie jeden Lebenslauf an das jeweilige Unternehmen an, ändern hier ein Detail, beschreiben dort ein Praktikum etwas ausführlicher. Wenn es problematische Punkte in Ihrem Lebenslauf gibt, lange Studienzeiten etwa oder einen Studienfachwechsel, dann machen Sie sich vorab Gedanken dazu, wie Sie darauf antworten. Überlegen Sie sich Erklärungen, zeigen Sie auf, dass Sie sich bei Ihren Schritten etwas gedacht haben.

Sollte es wirklich so sein, dass Sie zum Beispiel vor Ihrem Maschinenbau-Studium eine Lehre als Industriekaufmann angefangen und abgebrochen und danach zwei Semester Mathematik studiert haben, dann gehen Sie selbstbewusst und positiv damit um.

In etwa: „Ich weiß, dass diese häufigen Wechsel keinen geraden Weg vermitteln. Nach meinem Abitur wusste ich zunächst auch wirklich nicht, was ich wollte und habe zunächst eine sichere Ausbildung zum Kaufmann angefangen. Ich habe sehr bald gemerkt, dass dieser Weg nicht der richtige für mich ist, und ich mich lieber mit Zahlen beschäftige. Tja, und dann musste ich aber während des Mathematik-Studiums feststellen, dass mir dieses Fach zu theoretisch ist. Maschinenbau war dann genau der richtige Kompromiss für mich. Das Studium habe ich dann ja auch in der Regelstudienzeit durchgezogen, obwohl ich sogar ein Semester im Ausland verbracht habe.“

Hier haben Sie einen Schwachpunkt in einen Pluspunkt verwandelt und auch noch auf ein weiteres Highlight in Ihrem Lebenslauf verwiesen: das Auslandssemester.

Stärken und Schwächen im Vorstellungsgespräch

Auch wenn vielen Personalverantwortlichen in großen Unternehmen die plakative Frage: „Nennen Sie mir doch bitte Ihre Stärken und Schwächen!“ heute nicht mehr über die Lippen kommt, überlegen Sie sich vorab, was Sie darauf antworten könnten. Und lassen Sie den Quatsch à la „Meine größten drei Schwächen sind Schokolade, Schokolade, Schokolade.“ Es schadet auf keinen Fall, sich seiner Stärken und Schwächen bewusst zu sein. Dann können Sie nämlich auf solche verweisen, die keine großen Schwächen sind wie mangelnde Kritikfähigkeit, Ungeduld etc. Allerdings sollte man nicht einfach auf Bewerbungsratgeber hören und es sich zu leicht machen. Wenn Sie zum Beispiel „Ungeduld“ angeben, muss es auch zu Ihnen passen. Überlegen Sie sich ein Beispiel dazu!

Bei Ihren Stärken wuchern Sie ruhig mit Ihren Pfunden. Dabei bietet es sich an, immer wieder auf Ihre Unterlagen zu verweisen.

Zum Beispiel: „Ich bin eine Person, die nicht leicht aufgibt. Um zum Beispiel das Praktikum bei der UNO in New York zu bekommen, musste ich mich drei Mal bewerben, erst dann hat es geklappt. Da ich dort bei meiner Mitarbeit an dem Projekt XY gute Leistungen gezeigt habe, konnte ich noch einmal um drei Monate verlängern.“

Situative Fragen

Bei diesen Fragen möchte man mehr über Ihr Selbstbild und Ihre Fähigkeit zur Selbstreflexion erfahren. Dazu stellen Ihnen die Interviewer Fragen wie „Beschreiben Sie eine Situation, in der Sie besonders erfolgreich waren.“ Oder: „In welcher Situation haben Sie einen Misserfolg erlebt.“ Damit Ihnen in diesem Moment auch gute Situationen einfallen, denken Sie ruhig vorher darüber nach, welche Beispiel Sie hier anführen könnten. Denken Sie in Geschichten, die Sie Ihrem Gegenüber erzählen könnten.

Hier noch ein paar Beispiele für situative Fragen:

  • Was haben Sie bei Ihrer Abschlussarbeit untersucht?
  • Warum haben Sie sich ausgerechnet dieses Thema ausgesucht?
  • Was hat Ihnen an Ihrem Studium am besten gefallen?
  • Was hat Sie bei Ihrem Studium besonders enttäuscht?
  • Kennen Sie noch andere Unternehmen aus unserer Branche?
  • Wie verhalten Sie sich in unangenehmen Situationen?
  • Kennen Sie den Aktienkurs unseres Unternehmens?
  • Was brauchen Sie, um erfolgreich zu sein?
  • Würden Sie für unser Unternehmen ins Ausland gehen?
  • Wo haben Sie sich sonst noch beworben?
  • Wie schätzen andere Menschen Sie ein?
  • Welche Aufgaben können Sie sofort für uns bearbeiten?
  • Wie gehen Sie mit persönlichen Krisen um?
  • Was haben Sie in Ihrem Studium nicht erreicht?
  • Was halten Sie von unserer Website?
    (aus: Püttjer/Schnierda, Bewerbungsgespräch für Hochschulabsolventen, 2013)

Personaler ≠  Therapeut

Machen Sie nicht den Fehler und breiten Ihr Seelenleben im Vorstellungsgespräch aus. Dass Sie nicht über die ungerechte Behandlung Ihrer Eltern Ihrer Schwester gegenüber sprechen, sollte Ihnen klar sein. Wie sieht es aber mit der – Ihrer Meinung nach – ungerechten Diplomarbeitsnote aus oder mit den schlechten Führungsmethoden Ihrer früheren Chefin? Machen Sie sich vorher Gedanken, wie Sie mit solchen Fragestellungen umgehen möchten.

Ein Beispiel: „Im Unternehmen XY hatte ich direkt nach meinem Studium angefangen. Die Produkte und die Ideen, die von dort kommen, fand ich immer toll. Als ich dann aber dort gearbeitet habe, ist mir aufgefallen, dass es einige Punkte gab, die mir an der Unternehmenskultur nicht lagen. Natürlich konnte das auch mit meiner Abteilung zusammenhängen, da es dort keine Kontinuität bei den Zielen gab und die Leitung oft wechselte. Als ich dann auf der Messe XY Vertreter aus Ihrem Unternehmen kennen gelernt und ich mich weiter informiert habe, habe ich gleich die nächste Gelegenheit genutzt, mich bei Ihnen zu bewerben.“

So können Sie zeigen, dass Sie sich Herausforderungen stellen und nach Lösungen suchen.

Schummeln gilt nicht!

Seien Sie sicher, dass der Interviewer Unklarheiten und Schwachstellen auf den Grund gehen werden. Er wird so lange fragen, bis er mit Ihrer Antwort zufrieden ist. Also geben Sie ehrliche und authentische Antworten! Wenn Sie während des Studiums ein Jahr ausgesetzt haben, um eine Weltreise zu unternehmen, umschreiben Sie das nicht als Praktikum. Es ist so doch schon spannend genug.

So könnten Sie anführen: „Nach dem Vordiplom wollte ich ein Jahr um die Welt reisen. Diese Erfahrung möchte ich nicht mehr missen, weil ich das Gefühl habe, dass mich viele Dinge nicht mehr so leicht aus dem Gleichgewicht bringen.“

Fachliche Fragen

Je nachdem, ob Sie sich als Trainee bewerben oder als ausgewiesener Fachmann, müssen Sie mit mehr oder weniger fachlichen Fragen rechnen. Gut ist es aber auf jeden Fall, Ihre Abschluss- oder Doktorarbeit präsent zu haben und auch flüssig über Studienschwerpunkte erzählen zu können.

Rollenspiele

Einige Unternehmen verwenden gern Rollenspiele, um ihre Kandidaten in konkreten Situationen „in echt“ erleben zu können. Dafür werden Schauspieler engagiert, die auch schwierige Situationen professionell darstellen können. In einer Feedbackrunde wird dann noch einmal auf die Szene eingegangen. Dabei kommt es auch darauf an, wie Sie sich nun selbst sehen und welche Fähigkeit zur Selbstreflexion Sie zeigen.

Unternehmen sollten allerdings Rollenspiele vorab ankündigen. Überraschungen zeugen hier von schlechtem Stil.

„Haben Sie noch Fragen?“

Na klar, haben Sie. Informieren Sie sich vorab über das Unternehmen, bei dem Sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen sind. Notieren Sie sich vorab Fragen, die Sie in dem Moment hervorholen und stellen können. Das zeigt, dass Sie sich mit dem Unternehmen beschäftigt haben.

Gute Fragen können zum Beispiel sein: Gibt es in Ihrem Unternehmen ein Mentorenprogramm? Wie würde mein künftiger Arbeitsplatz aussehen? Wer werden meine Kollegen sein?

Fragen nach der Gehaltsvorstellung

Wenn die Unternehmensvertreter bis jetzt nichts dazu gesagt haben, könnten Sie an diesem Punkt des Vorstellungsgesprächs durchaus das Thema Gehalt ansprechen.

Vielleicht versucht Ihr Gegenüber, Ihr Gehalt zu drücken. Hier ist es wichtig, dass Sie sich vorab informiert haben. „Nun bin ich verwundert. In Ihrer Branche wird doch Einsteigern normalerweise X gezahlt. Warum ist das bei Ihnen anders?“ Wenn Sie nicht viele Möglichkeiten haben, vielleicht schon länger suchen und nun endlich mit Ihrem ersten Job anfangen möchten, dann loten Sie aus, wie die Steigerungsmöglichkeiten aussehen.

Fair und offen

Sie befinden sich als Bewerber in der Regel in der schwächeren Position. Trotzdem sollten Sie den Eindruck haben, dass man fair und offen mit Ihnen umgeht. Auf Fragen nach Ihrer politischen Einstellung, Schwangerschaft und Familienplanung dürfen Sie ausdrücklich lügen. Denken Sie allerdings auch darüber nach, ob Sie gern in solch einem Unternehmen arbeiten würden…

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