Auch wenn das Gehalt vielleicht noch so dünn ist, ganz ohne sich ein Polster für schlechte Zeiten anzulegen, geht es nicht. Doch welche Option ist in Zeiten von Niedrigst-Zinsen die beste?

Allein einen Studienabschluss in der Tasche zu haben, garantiert heute längst nicht mehr ein Leben in finanzieller Sorglosigkeit. Die Liste an Studienberufen, bei denen das Einstiegsgehalt wirklich niedrig liegt, ist schon lang und wird nicht kürzer. Und auch eine andere Berufswahl garantiert nicht wirklich, dass Absolventen in den ersten Jahren im Geld schwimmen werden.

Allerdings ist klar: Von der Hand in den Mund zu leben, funktioniert in der heutigen Welt nicht mehr. Nicht bloß, weil Politik und Medien immer wieder vermelden, dass es bei den Renten in Zukunft düster aussieht, sondern auch, weil man ja sowieso Rücklagen bilden sollte – für Notfälle, für Träume oder schiere Notwendigkeiten wie ein Auto.

Ebenso klar ist aber auch: Um Geld anzusparen, haben Arbeitnehmer heute eine sehr große Bandbreite an Optionen, von denen das klassische Sparbuch zwar eine, aber sicherlich nicht die beste ist. Welche Wahl Berufseinsteiger sonst noch haben, verraten wir in diesem Artikel. Eins sei aber bereits verraten: Die Zeiten, in denen man sich auf eine Form festlegen und damit glücklich werden konnte, sind definitiv vorbei.

1. Sparbuch

Am 30. Oktober begingen Banken zum 91. Mal den Weltspartag. Dabei sah die Situation für Otto Normalsparer noch nie so düster aus wie heute, selbst für die früher geradezu klassische Zielgruppe Kinder, denen Eltern zum Geburtstag das erste Sparbuch schenkten. So fragte Carola Gräfin von Schmettow, Chefin von HSBC Deutschland:

„Wie wollen Sie heute Kindern den Sinn des Sparens erklären, wenn am Ende des Jahres keine Zinsen gezahlt werden?“

Und sie stellte diese Frage zurecht: Dank der Zinspolitik der europäischen Zentralbank liegen die Zinsen auf Sparbücher heute im Bereich von 0,01 oder gar 0 Prozent – das reicht nicht einmal mehr, um Verluste durch Inflation – immerhin 0,8% im Oktober dieses Jahres – auch nur halbwegs abzufedern.

Nein, das gute, alte Sparbuch ist heute keine adäquate Maßnahme mehr, um langfristig sein Gehalt anzulegen. Gänzlich seine Berechtigung verloren hat es allerdings auch nicht: Beispielsweise eignet es sich hervorragend, um darauf einen Teil des monatlichen Gehalts zwischen zu lagern. Etwa als Notfall- oder Urlaubskonto, das höchstens ein Jahr lang befüllt bleibt.

Denn, das ist der große Vorteil, es ermöglicht es, nach dem Motto „aus den Augen, aus dem Sinn“, Geld zu sparen. Etwas, das nicht auf dem Girokonto liegt, gibt man in der Regel auch nicht so leichtfertig aus. Wer einen Dauerauftrag anlegt und gleich beim Gehaltseingang einen Teil des Geldes aufs Sparbuch überweist, macht auch in Niedrigzinszeiten keinen Fehler. Jedoch muss immer im Hinterkopf bleiben: Ein Sparbuch ist ein längerfristiges Mittel, der monatliche Verfügungsrahmen ist meist begrenzt und auch die Kündigungsfrist beträgt meist ein Quartal.

2. Arbeitnehmersparzulage

Die Arbeitnehmersparzulage, kurz ANSpZ, ist heute eine der letzten noch verbliebenen Anlageformen, bei denen Vater Staat den Arbeitnehmer direkt subventioniert. Da es sich dabei um eine Form der Vermögenswirksamen Leistungen handelt, wird das Geld direkt vom Arbeitgeber für den Arbeitnehmer angelegt – dieser hat zusätzlich noch die Option, durch Eigenleistung aufzustocken.
Allerdings: Bei seiner Gründung 1961 beinhaltete die ANSpZ nur drei Anlageoptionen, nämlich:

  • Banksparpläne
  • Lebensversicherungen
  • Bausparverträge

Im Lauf der Zeit wurden diese Möglichkeiten jedoch bis auf den Bausparvertrag gestrichen. Dann aber kamen noch die Förderung von Aktienfonds sowie betriebliche Altersversorgungen hinzu, sowie auch die Darlehenstilgung für selbst genutzte Immobilien.

Der Haken liegt jedoch bei den unterschiedlichen Förderhöhen der Arbeitnehmersparzulage: Für Bausparverträge gilt ein maximaler Sparbeitrag von 470 Euro per anno, allerdings nur bis zu einem Alleinstehendengehalt von maximal 17.900 Euro – das ist bei Uni-Absolventen schnell erreicht. Und auch die 400 Euro für Aktienfonds bei einem Maximaleinkommen von 20.000 Euro sehen nicht wirklich besser aus.

Dennoch: Weil die ANSpZ kein Teil des zu versteuernden Einkommens ist, sollte man sie nicht entgehen lassen, sofern die Gehaltsobergrenze mitspielt. Denn dann ist sie ein guter Weg, die weiteren Punkte dieses Textes zu finanzieren.

3. Bausparvertrag

Wer früher mittel- bis langfristig ein gutes Finanzpolster anlegen wollte, der schloss einen Bausparvertrag ab. Zur Klärung: Dabei schließt der Arbeitnehmer einen Sparvertrag ab, bei dem die Summe zu einem vertraglich festgelegten Prozentsatz angespart wird. Die ersten 30 bis 50 Prozent müssen selbst angespart werden, darüber hinaus gibt es ein Darlehen, ebenfalls zu einem Festzins. Nach – in der Regel – mehr als zehn Jahren kann dann dieses Darlehen in Anspruch genommen werden.

Das Problem ist heute: Bausparen lohnt sich so gesehen nur, wenn langfristig die Zinsen wieder steigen werden – denn momentan gibt es klassische Kredite, die zu besseren Konditionen zu bekommen sind. Ein Arbeitnehmer müsste also willens sein, darauf zu pokern, dass die EZB-Zinspolitik mittelfristig wieder umgekehrt wird.

Ein weiterer Nachteil: Der Bausparvertrag ist, wie sein Name schon vermittelt, in aller Regel fest an bauliche Ausgaben gebunden. Er lohnt sich also nur dann wirklich, wenn man plant, damit später in die eigenen vier Wände zu ziehen.

4. Aktienfonds

In einer Zeit, in der die klassischen Sparer-Mechanismen nicht mehr funktionieren, ist die Geldanlage in Aktienfonds – früher eine Sache für Profis – zum alternativen Sparprogramm eines Teils der Bevölkerung geworden.

Die Schwierigkeit liegt hierbei in der Natur der Aktie: Man setzt darauf, dass sich der Wert eines Unternehmens steigert. Tut er das nicht, können investierte Summen auch binnen Sekunden im Nichts verschwinden. Zudem:

  • Legt man kurzfristig orientiert an, steigt das Risiko immens. Das wird zwar durch hohe Renditen im Erfolgsfall belohnt, erfordert aber sehr viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung.
  • Legt man hingegen langfristig an, liegen die Renditen zwar niedriger, das Risiko bewegt sich aber auch auf einem sehr viel geringeren Level.

Wer als Berufseinsteiger in Aktien investieren möchte, sollte sich deshalb zunächst an einen routinierten Anlageberater wenden und ihm genau erklären, für welche Zwecke er investieren will. In der Regel findet sich fast immer eine Option, die einen guten Mittelweg zwischen Risiko und Rendite darstellt. Aber auch hier gilt: Besser nicht sich auf den Erstbesten verlassen. Denn auch bei den Aktienprofis gehen die Philosophien und Qualitäten weit auseinander.

5. Tagesgeldkonto

Das Tagesgeldkonto ist eine Art Zwitterwesen: Es weist mit seiner kurzfristigen (meist täglichen) Verfügbarkeit praktisch alle Eigenschaften eines regulären Girokontos auf – aber es bietet wesentlich höhere Zinsen als ein klassisches Sparbuch. Warum also nicht hier sein Geld anlegen? Die Antwort ist vielschichtig:

  • Die Bank kann den Zinssatz täglich ändern.
  • Viele Tagesgeldkonten sind ausschließlich online verfügbar.
  • Teilweise kann nicht direkt (also per Karte o.ä.) auf das Konto zugegriffen werden, sondern erst nach Überweisung auf ein anderes Konto, etwa das Girokonto.

Damit eignet sich das Tagesgeldkonto vor allem zum kurz- bis mittelfristigen „Parken“ des Geldes. Aber: Es sollte trotzdem ganz oben auf der Wunschliste der meisten Berufseinsteiger stehen. Denn zum einen offerieren viele Banken das Konzept sehr aggressiv – und nutzen hohe Tagesgeldkonditionen sowie Prämien, um Neukunden an Land zu ziehen. Und zum anderen gibt es Anbieter, die den Zins pro Quartal oder sogar monatlich gut schreiben. Es ist also je nach Einlagesumme möglich, sein Geld verhältnismäßig schnell zu vermehren. Ideal beispielsweise, wenn Urlaubsgeld angespart werden soll. Aber Vorsicht: Auch beim Tagesgeld kann die Zinssituation zum Bumerang werden, nämlich dann, wenn die Bank Gebühren erhebt, wie gerade erst geschehen.

6. Anlage in Edelmetall

Edelmetalle waren und sind schon immer die Wahl all jener, die ihre Finanzen wirklich krisensicher anlegen möchten. Doch gilt das auch heute noch und vor allem für Menschen, die nicht die finanziellen Mittel haben, um sich „mal eben“ ein paar Dutzend Goldbarren zu leisten?

Die Antwort lautet: Ja! Denn obschon Edelmetalle ebenfalls Objekte sind, deren Werte schnell steigen oder fallen können, bieten sie eine Art „Airbag“: Gold, Silber und Co. werden immer irgendeinen Wert darstellen. Es ist also praktisch nicht möglich, wie etwa beim Aktienkauf, sämtliche Einlagen zu verlieren.

Allerdings: Die Auswahl an anlagewürdigen Edelmetallen ist durchaus überschaubar:

  • Gold
  • Silber
  • Platin
  • Palladium

Der große Vorteil ist dabei: Wer physische Edelmetalle, also in Form von Barren und Münzen kauft und diese mindestens ein Jahr in seinem Besitz hält, bevor er sie veräußert, der muss auf den Gewinn aus dem Verkauf keine Steuern zahlen. Aber: Bis auf Gold müssen beim Kauf immer Mehrwertsteuern entrichtet werden. Und selbst bei diesem Metall gilt die Steuerbefreiung nur oberhalb eines Reinheitsgrades von 900/1000.

Dabei spielt es prinzipiell keine große Rolle, wo das Gold gelagert wird, jedoch sind zumindest die Sicherheits-Optionen abzuwägen:

  • Ein Heimtresor ist zwar teuer, bietet aber die schnellste Verfügbarkeit und ist gleichzeitig frei von laufenden Kosten.
  • Ebenfalls schnell verfügbar ist Gold, das bei der heimischen Bank eingelagert wird. Aber: Schon für ein Schließfach fallen Lagergebühren an. Bei sehr geringen Edelmetallmengen können diese den Gewinn zur Gänze auffressen.
  • Edelmetallkontore entbinden den Besitzer vollständig vom physischen Besitz – vom Kauf bis zur Veräußerung sieht man sein Metall niemals. Das macht zwar den Kaufprozess einfach, hat aber ebenfalls den Nachteil der Lagergebühren – und zudem gibt es kaum Möglichkeiten, in Notfällen schnell an seinen Besitz zu gelangen.

Fazit

Es ist weder für Berufseinsteiger, noch für alte Hasen heute noch wirklich einfach, sein Geld so anzulegen, dass es weitgehend risikolos Zinsen erwirtschaftet. Mit klassischen Sparformen kann man schon froh sein, wenn man unterm Strich nicht draufzahlen muss. Um wirklich noch Geld zu vermehren, müssen Absolventen sich tiefer in die Materie einlesen, gewillt sein, Risiken einzugehen und vor allem die goldene Regel des Anlegens beachten: So weit wie möglich streuen. Das macht Sparen zwar viel komplizierter als früher, ist aber letztendlich die einzig sinnvolle Variante, die geblieben ist.

Anmerkung: Dieser Beitrag wurde ermöglicht durch eine Kooperation von karriereletter.de und Julian Gerber.