„Und was mache ich, wenn ich mich nicht bei einem Online-Netzwerk anmelden möchte. Wie kann ich dann Netzwerken?“ Spannende Frage. Tatsächlich begegnet es einem gar nicht so selten, dass Menschen sich nicht auf Online-Netzwerken präsentieren möchten. Oder können. Oder dürfen. 

Die Tipps in Kürze:

  • Netzwerken geht immer. Wer aus welchen Gründen auch immer NICHT bei Xing, LinkedIn & Co. vertreten sein möchte, kann natürlich trotzdem netzwerken.
  • Strategie first. Auch hier gilt: Fragen Sie sich, wohin Sie beruflich wollen. Welche Unternehmen, welche Jobs interessieren Sie? Dafür recherchieren Sie im Internet, lesen Zeitung, auch Social Media ist ein gute Quelle.
  • Treffpunkte herausfinden, Personen identifizieren. Wo trifft sich Ihre Branche? Wer sind wichtige Ansprechpartner? Wen kennen Sie bereits? Diese fügen Sie Ihrer eigenen Datenbank hinzu, zum Beispiel in Outlook, es geht aber auch ein Zettelkasten mit Visitenkarten.
  • Termine setzen, neue Kontakte knüpfen. Ihren Zettelkasten oder Outlook gehen Sie regelmäßig durch. Sprechen Sie mit Menschen. Nach Treffen pflegen Sie Ihre Kontakte weiter ein.

Gründe für die Abstinenz oder Netzwerken ohne Online-Netzwerke

Es kann also ganz unterschiedliche Gründe geben, warum jemand nicht auf einem der Online-Netzwerke wie Xing, LinkedIn oder Researchgate präsent ist. Zusammengefasst werden dazu meistens folgende Gründe genannt:

  • Kosten: Ein bezahlter Account (zum Beispiel: Xing) wird als zu teuer empfunden. Es bestehe kein Gegenwert für die knapp 8 bis 10 Euro.
  • Funktionen: Bei einem kostenfreien Profil stehen zu wenig Funktionen zur Verfügung.

Man könnte jetzt argumentieren, dass 8 bis 10 Euro pro Monat nicht so viel Geld sind und dass LinkedIn einen kostenfreien Account anbietet, mit dem man sehr gut netzwerken kann.  Lassen wir das einfach so stehen.

  • Sichtbarkeit: Viele Menschen möchten ihre Privatsphäre schützen und sind daher nicht auf Online-Netzwerken wie Xing oder LinkedIn präsent. Und auf Facebook erst recht nicht.

Auch hier gäbe es das Argument, dass sich bei den Profilen sehr viele Privatsphäre-Einstellungen ändern lassen.

  • Verbot des Arbeitgebers: Es gibt tatsächlich Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern verbieten, auf Xing oder LinkedIn präsent zu sein, zumindest in Verbindung mit dem Namen des Arbeitgebers.

Ob sich so ein Verbot auf Dauer halten lässt, ist die Frage. Ein Profil ist grundsätzlich erlaubt, es sei denn, es geht um Geheimhaltung, erklärt Rechtsanwältin Nina Diercks in dem Artikel.

  • Faulheit (im Denken): Das gibt es natürlich auch. Aussagen wie „Ach, ich habe doch einen super Job.“ oder „Das muss ich ja ständig aktuell halten.“ hört man ziemlich oft.

Hier muss man genauer schauen. Wenn jemand einen wirklich sicheren Job hat, zum Beispiel als Beamter, braucht er wahrscheinlich kein Profil bei Xing. Manche Branchen sind auch nicht bei Xing, LinkedIn etc. vertreten. Da nützt ein Profil auch wenig.

  • Karrierestufe: Wer oben auf der Karriereleiter angekommen ist, braucht wahrscheinlich wirklich kein Profil mehr in Online-Netzwerken. Es könnte sogar kontraproduktiv sein.

Nun aber zurück zur Ausgangsfrage.

Wie netzwerke ich ohne Online-Netzwerke wie Xing, LinkedIn & Co.?

  1. Eine Strategie überlegen: Ohne Ziel, kein Plan. Es ist vollkommen gleich, wie Sie netzwerken. Sie sollten es nur nicht ohne Plan tun. Das heißt nicht, dass jede Person auf Ihre Nützlichkeit überprüft werden sollte. Aber Sie sollten damit auseinander setzen, wo Sie gern arbeiten möchten und als was Sie gern tätig sein wollen.
  2. Recherchieren: Im Netz, aber auch in Zeitung, in Zeitschriften, gegebenenfalls in Büchern, recherchieren Sie nach Personen, die Sie gern in Ihrem Netzwerk haben möchten. Wo könnten sich diese treffen, wo könnten Sie diese treffen? Dafür bieten sich Konferenzen, Seminare, Branchentreffen, Gesprächsrunden, offene Treffen etc. an.
  3. Datenbank anlegen: Xing und LinkedIn sind im Grunde ja auch nichts anderes als Datenbanken (mit viel mehr Funktionen). Legen Sie also selbst eine Datenbank an. Am Anfang kann man sich Informationen zu Personen eventuell noch merken, aber sobald es mehr werden, wird das schwer. Das geht mit Outlook oder sogar mit dem guten, alten Zettelkasten. Hier können Sie die Visitenkarten und weitere Informationen hinterlegen.
  4. Datenbank regelmäßig pflegen und nutzen: Überlegen Sie sich einen realistischen Rhythmus zur Pflege und Nutzung Ihrer Datenbank. Zum Beispiel: Zwei Stunden pro Woche, in denen Sie Ihre Karten durchgehen und Mails schreiben, telefonieren oder auch mal einen Brief oder eine Postkarte verfassen. Ein guter Anlass sind Geburtstage oder Feiertage. Checken Sie dabei auch, ob die Kontaktdaten noch stimmen.
  5. Netzwerk erweitern: Wenn Sie mit jemanden sprechen, fragen Sie immer auch nach weiteren Menschen, die Sie interessieren könnten. Meist lässt sich das elegant in ein Gespräch einflechten.
  6. Mitglied in einem Verband, Verein, Branchennetzwerk werden: Wenn Sie sich etwas besser auskennen und eventuell auch schon etwas Erfahrung gesammelt haben, bringt die Mitgliedschaft in einem Verein, Verband oder Branchennetzwerk viel. Hier vernetzen Sie sich mit anderen Mitgliedern über die konkrete Zusammenarbeit und/oder regelmäßige Treffen.
  7. Locker und hartnäckig bleiben: Man kann es nicht oft genug wiederholen. Der Aufbau eines Netzwerks dauert und kostet Zeit. Es ist eine Investition in Ihre Karriere.

Wer übrigens nicht bei Xing oder LinkedIn Mitglied werden möchte, kann es ja auch mit Facebook versuchen. Hier ist der Ton lockerer, es findet aber an vielen Stellen ein reger fachlicher Austausch statt. Das hilft oft bei Empfehlungen. Außerdem gibt es viele Gruppen, in denen aktiv Jobs angeboten und Projekte vorgestellt werden. Der Schritt zur konkreten Bewerbung und Einladung zum Vorstellungsgespräch ist da manchmal nicht weit.

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