[Ein Gastbeitrag von Steffen Kirchner] Haben Sie schon aufgegeben und hatten gar nicht vor, sich überhaupt noch etwas vorzunehmen, weil alle guten Vorsätze nach zwei Wochen eh schon wieder gebrochen oder sogar vergessen sind? Oder halten Sie monatelang tapfer durch, stehen am Jahresende aber doch wieder am gleichen Punkt wie im Vorjahr?

Dann sind Ihnen die folgenden fünf erprobten Strategien sicher vertraut, mit denen Sie Ihre Vorsätze garantiert niemals umsetzen – auch nicht 2017. Vielleicht sollten Sie es dann einmal mit dem Gegenteil probieren!

Strategie 1: Behalten Sie Ihren Vorsatz bloß für sich!

Rutscht er doch einmal heraus, schnell wieder vom Thema ablenken! Vermeiden Sie unbedingt konkrete schriftliche Zielfixierungen und suchen Sie sich auf keinen Fall Mitstreiter, die einen ähnlichen Vorsatz haben. Alleine scheitert es sich deutlich leichter als im Team!

Eine indische Weisheit sagt „Mit der Entscheidung kommt die Hilfe.“ Das gilt aber erst, wenn wir sie auch in die Öffentlichkeit tragen. Sich selbst zu enttäuschen ist meistens kein Problem, andere aber schon. Das hängt mit dem Streben nach Bedeutsamkeit und Anerkennung zusammen.

Es ist eines der sechs emotionalen Grundbedürfnisse des Menschen. Haben wir unseren Vorsatz öffentlich formuliert, geraten wir automatisch unter Zugzwang.

Versagen wir, leidet unser Selbstwertgefühl. Das setzt uns unter Druck. Wir erreichen, was wir uns vorgenommen haben, nicht mehr für uns selbst, sondern für andere. Wir werden extrinsisch, von außen, motiviert. Das können Sie für Ihre Vorsätze nutzen, aber Vorsicht: Wer sein Leben lang nur Ziele verfolgt, um es anderen zu beweisen, wird das Erreichen dieser Ziele nicht glücklich machen.

Verfolgen Sie Ihre eigenen Ziele!

Wir übernehmen schnell die Erwartungen unserer Eltern oder die Ansprüche der Gesellschaft, die gar nicht unsere eigenen sind. Ein gutes Beispiel dafür und ein beliebter Vorsatz vor allem bei Frauen: abnehmen, am besten zehn Kilo.

Bei einem Vorsatz, den wir uns durch gesellschaftlichen Druck vorgenommen haben, fehlt uns allerdings die notwendige Energie, die wir brauchen, um ihn zu erfüllen. Diese Energie können Sie nur bei eigenen Lebenszielen freisetzen. Es fängt also schon bei der Frage an, was wir uns vornehmen. Überlegen Sie, was Ihre ureigenen Wünsche für 2017 sind. Kommunizieren Sie sie nach außen und suchen sich Mitstreiter. Das schafft neben dem eigenen Antrieb, zusätzliche Motivation von außen.

Strategie 2: Unbedingt Zielformulierungen vermeiden!

Jährlich grüßt das Murmeltier. Grafik: Steffen Kirchner

Jährlich grüßt das Murmeltier. Grafik: Steffen Kirchner

Bis wann Sie was genau erreichen möchten, dürfen Sie auf keinen Fall festlegen. So vage wie möglich, lautet die Devise! Schwammige Formulierungen wie „Ich möchte nächstes Jahr mehr Sport treiben“ sind die perfekte Basis für Ihren Misserfolg. Vermeiden Sie Zahlen und Fakten. Sie sind messbar und somit nachprüfbar und damit viel schwieriger zu vernachlässigen.

Mehr Sport. Im Vergleich zu was? Zu jetzt? Das heißt im Vergleich zu gar nicht? Vielleicht zweimal die Woche? Aber was heißt zweimal die Woche? Ist noch immer ziemlich vage. Für wie lange, was für ein Sport und wie intensiv? Zweimal die Woche Sport könnte auch bedeuten, mit Freunden Billard zu spielen oder Schach. Damit kommen Sie dem Ziel, das hinter Ihrem Vorsatz steht, aber sicher kein Stück näher.

„Erreicht oder nicht erreicht?“

Unsere Ziele sind unsere Leuchttürme. Sie müssen schwarzweiß sein, damit Sie und jeder um Sie herum sagen kann, ob Sie das Ziel erreicht haben oder nicht.

Dafür muss es konkret formuliert sein, detailliert, mit verbindlichen Größenangaben in Kilo, Zeiträumen oder Geldbeträgen.

Für unseren Mehr-Sport-Vorsatz bedeutet das: zwei Mal für 45 Minuten Sport im Fitnessstudio, mit einer Pulsfrequenz von 120 bis 130 Schlägen. Das wäre eine optimale Konkretisierung, wenn Sie durch mehr Sport Ihr Gewicht reduzieren möchten.

Ansonsten kann Sport auch übergewichtig machen. Beim Tennis verbrennt man beispielsweise nicht sehr viel Fett – jedenfalls nicht, wenn an es zweimal in der Woche spielt. Genehmigt man sich dann trotzdem eine essbare „Belohnung“ für das harte Training, ist die Chance ziemlich groß, dass wir von dieser Belohnung noch wesentlich länger etwas haben.

„Nicht nur das Was, auch das Wie und Warum festlegen“

Wollen Sie erfolgreich sein, definieren Sie bei Ihren Vorsätzen nicht nur, was Sie tun wollen. Das Wie ist genau so wichtig, ebenso das Warum. Was wollen Sie erreichen? Welche Sportart unterstützt Sie dabei und wie oft und wie intensiv müssen Sie trainieren?

Ziele sind dann gut gesetzt, wenn ein unverwechselbares Bild in Ihrem Kopf entsteht. Bei zweimal die Woche Sport, sind tausend verschiedene Szenen möglich. Versuchen Sie es bei Ihren Vorsätzen und stellen Sie sich konkret vor, was Sie tun, um sie zu erfüllen.

Strategie 3: Kein Plan! Hände weg von Stift und Papier.

Schriftliche Strategien, wie Sie Ihr Ziel erreichen möchten und was Sie dafür täglich tun, sind unbedingt zu vermeiden. Positive tägliche Gewohnheiten, die auch noch schriftlich fixiert sind, sind der Tod des Misserfolgs!

Bleiben wir beim Sport: Wir wissen, was wir wie oft und wie lange machen wollen. Fehlt trotzdem noch ein Plan zur Umsetzung, denn irgendetwas machen wir jetzt in dieser Zeit schon. Was müssen Sie für Ihre Vorsätze ab sofort tun und vor allem was müssen Sie lassen, wenn Sie zweimal die Woche Sport machen wollen oder etwas Anderes? Wann machen Sie die Arbeit, die Sie sonst in der Zeit erledigt haben oder wer nimmt die Kinder?

„Neue Routinen etablieren“

Routinen machen uns das Leben leichter, denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Organisation kostet Energie und Zeit. Legen wir von Anfang an Standards fest, müssen wir nicht von Woche zu Woche erneut Energie aufwenden. Jeden Montag einen Babysitter für die Woche suchen? Da fällt die Stunde im Fitnessstudio schnell mal unter den Tisch und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass das wieder und wieder passiert und am Ende lässt man es ganz.

Besser: das Kindermädchen ist grundsätzlich gebucht. So gibt es auch keine Ausreden, wenn man mal keine Lust hat. Profis haben sogar eine Ersatzstrategie parat, die das Kindermädchen organisiert, wenn es selbst einmal nicht kann oder krank ist.

Strategie 4: Sorgen Sie dafür, dass Sie nichts und niemand an Ihre Vorsätze erinnert.

Achtung: Je häufiger Sie sich ihr Ziel vor Augen führen, desto intensiver verankert sich Ihr Wunsch im Gehirn, es zu erreichen. Die Folge: Ihr Antrieb (oder Ihr schlechtes Gewissen bei Faulheit) wird enorm gesteigert.

60.000 Gedanken bevölkern unser Gehirn täglich. Wir sind keine Insel, daher sind unsere Gedanken auch von den Anforderungen, Aufgaben und Erwartungen geprägt, die andere an uns stellen. Die eigenen Ziele rücken dadurch schnell in den Hintergrund.

Was hilft ist eine Erinnerungsstütze. Eine Motivationskollage ist dafür ein klassisches Tool – zum Beispiel als Bildschirmhintergrund auf dem Laptop, Handy, oder iPad. Ihre Kollage sollte nicht nur Ihre Ziele enthalten, sondern auch, was Sie für sie tun müssen. Ich schreibe einfach auf einen DinA5-Zettel mein Ziel und darunter, was ich machen muss, um es zu erreichen. Diesen Zettel nehme ich drei Wochen lang überall mit hin. So habe ich ihn ständig in der Hand; lege ihn auf mein Handy oder daneben und sehe ihn mehrmals täglich.

„Routinen verinnerlichen“

Nicht nur durch einen Zettel oder ein Hintergrundbild können Sie sich an Ihre neuen Aufgaben erinnern. Zeitliche Fixpunkte, die bereits in Ihrem Alltag bestehen, bieten sich dafür auch an – zum Beispiel direkt nach dem Aufstehen. Wem das zu schwer fällt oder wer zu wenig Ankerpunkte im Tagesablauf hat, kann Apps zu Hilfe nehmen: Ich höre immer wieder, wie sich Menschen vornehmen, sich auf der Arbeit mehr zu bewegen oder kleine Ausgleichsübungen zu machen, um Nacken und Rücken zu entspannen.

Sie vergessen es aber einfach.

Ich nutze eine Trinkwasser App, die alle dreißig Minuten klingelt. Okay, bei meiner Einstellung nicht mehr ganz so häufig. Sie wurde ursprünglich für alte Leute entwickelt, damit sie regelmäßig erinnert werden zu trinken, weil sie es auch einfach vergessen und Durst nicht mehr so stark empfinden.

Die App lässt sich wunderbar umfunktionieren oder Sie stellen einfach den Handywecker. Keine Sorge: Hilfskrücken wie Zettel oder Alarm brauchen Sie nur vorübergehend.

Wichtig ist, dass Sie sich eine Routine schaffen, die Sie nach und nach verinnerlichen und der Sie automatisch folgen. Es kursiert eine 21-Tage-Regel, die lautet: Wiederholt man etwas täglich über diesen Zeitraum, hat sich eine Routine entwickelt.

Es gibt sicher Gewohnheiten, die haben wir schneller drin und für andere brauchen wir wesentlich länger, aber feststeht: Je häufiger Sie etwas wiederholen, desto schneller haben Sie es verinnerlicht. Wichtig ist ein wiederkehrender Rhythmus, der jeden Tag gleich ist und nicht nach dem Motto praktiziert wird: „Ach, ich mache meine Übung heute zweimal, dann kann ich sie mir morgen sparen.“ Nach Wochen hat das Gehirn den Ablauf unterbewusst gespeichert.

Strategie 5: Think bigger!

Setzten Sie sich ein Ziel, so groß, dass Sie sich nicht vorstellen können, wie Sie es überhaupt jemals erreichen sollen. Und machen Sie sich stets bewusst, wie weit Sie entfernt sind.

Sie kennen den Satz sicher auch: „Behalte dein Ziel stets vor Augen!“ Klingt in der Theorie erstmal logisch, erschwert uns unser Leben in der Praxis aber enorm. Das Märchen von der ewigen Zielorientierung lässt einen entscheidenden Punkt in der Geschichte aus: Zielorientierung ist eine Frage des Timings.

Klar ist ein (Lebens-)Traum wichtig, aber er ist als Fixstern zu sehen. Seine Aufgabe ist es dabei gar nicht, erreicht zu werden. Sein Sinn liegt darin, dass Sie sich entwickeln und aktiv werden. Ein guter Vorsatz oder besser ein gutes Ziel sollte immer das eigene Verhalten verändern. Passiert das nicht, ist es nicht der richtige Vorsatz oder das richtige Ziel. Der Fokus sollte immer wieder weg vom Ziel, hin zur Aktion gehen. Nach einem halben Jahr oder Jahr können Sie eine Zwischenbilanz ziehen und sich den EntwicklungsPROZESS anschauen.

Einzelne Momente nicht überbewerten

Einzelne Momente sollten nicht das Maß der Dinge sein – weder die guten noch die schlechten. Viele erleiden nach einem guten Anfang einen Rückschlag und verlieren dadurch den Mut. Sie definieren ihren Erfolg und sich selbst durch Fixpunkte. Sie sehen das große Ziel vor sich und wie weit sie in ihrem Tal davon weg sind. Dabei vergessen sie die unglaubliche Entwicklung der letzten Monate.

Wer auf Bundesliganiveau spielt, hat vielleicht 15 Jahre gebraucht, um dieses Niveau zu erlangen. Nach einer Verletzung, nach der die Muskeln wieder wie bei einem Dreizehnjährigen aussehen, brauchen sie trotzdem nicht wieder 15 Jahre, um auf das gleiche Level zu kommen.

Brechen Sie Ihren Vorsatz einmal, geben Sie nicht direkt ganz auf und vertagen ihn bis zum nächsten Jahr. Legen Sie Zwischenschritte fest für kleine Erfolgserlebnisse.

Sie sollten sich aber auch nicht zu kleine Ziele setzen. Ein Ziel ist ein künstlich geschaffenes Problem, das Sie eigentlich gar nicht hätten. Es schaltet das Hirn ein, reanimiert es sozusagen mit der Frage: „Wie kannst du es noch besser machen?“ Wer sich keine Ziele steckt hat auch keine Chance sich zu entwickeln.

Zum Autor:

Steffen Kirchner

Steffen Kirchner

Personality-Coach Steffen Kirchner (www.steffenkirchner.de) verfügt über eine außergewöhnliche Expertise in den Bereichen Motivation, Persönlichkeit und Erfolg. Über 500 Unternehmen, ProfisportlerInnen und Teams hat der erst 35-jährige in den letzten sieben Jahren beraten. Darunter auch Nationalkader Athleten, die Tennisspielerin Sabine Lisicki oder Unternehmen wie Audi, Siemens oder RWE.