Engagement wird von Arbeitgebern in aller Regel positiv gesehen, vor allem wenn es auf Eigeninitiative basiert. Die Zeiten, in denen Mitarbeiter die Rolle stummer Befehlsempfänger erfüllten, sind zumindest in der deutschen Wirtschaft zum großen Teil vorbei. Dasselbe gilt für die Zeiten, in denen Mitarbeiter mit einer solchen Rolle zufrieden waren.

Dabei gibt es nicht nur Möglichkeiten, sich um das eigene Vorankommen und die Verwirklichung beruflicher Ziele zu kümmern. Zusätzlich besteht die Option, sich im Betrieb für andere Mitarbeiter zu engagieren, zum Beispiel im Betriebsrat. Alle unter 25 Jahren können sich zudem für die Wahl in die JAV (Jugend- und Auszubildendenvertretung) aufstellen lassen , um in diesem Gremium ihre jungen Kollegen zu vertreten.

  • Worum handelt es sich eigentlich bei der JAV und wie wirkt sich die Mitwirkung auf die eigene Karriere aus?
  • Kann sie Letztere vorantreiben oder handelt es sich dabei unter Umständen um einen Stolperstein auf dem Weg zu beruflichem Erfolg?

Die JAV vertritt die Interessen der Auszubildenden und der Mitarbeiter unter 25 Jahren. Ein guter Kontakt zum Betriebsrat ist dabei sehr wichtig.

Was ist die JAV genau?

Die JAV setzt sich innerhalb eines Unternehmens für die Anliegen von Jugendlichen und Auszubildenden unter 25 Jahren ein.
Ihre Aufgaben sind nach § 70 Abs. 1 BetrVG (Betriebsverfassungsgesetz) die folgenden:

  • Maßnahmen beim Betriebsrat zu beantragen, die den Jugendlichen beziehungsweise Auszubildenden dienen. Zentral dabei sind Maßnahmen, die die Übernahme in ein Arbeitsverhältnis und die Berufsbildung betreffen.
  • Durchsetzung der tatsächlichen Gleichstellung der Geschlechter in der Ausbildung.
  • Überwachen der Einhaltung von Gesetzen, Verordnungen etc., die die jungen Arbeitnehmer betreffen.
  • Anregungen von Jugendlichen und Auszubildenden entgegenzunehmen und gegebenenfalls den Betriebsrat dazu zu bringen, sie zu verwirklichen.
  • Die Integration ausländischer Arbeitnehmer der entsprechenden Gruppe (Jugendliche und Auszubildende) zu fördern.

Zentraler Ansprechpartner der JAV ist der Betriebsrat. Von diesem als zentrale Interessensvertretung der Belegschaft ist die JAV abhängig. Eine Doppelmitgliedschaft in beiden Gremien ist derzeit nicht möglich. Betreffen vom Betriebsrat erörterte Beschlüsse vorwiegend die Auszubildenden und jugendlichen Arbeitnehmer im Betrieb, hat die JAV nach § 67 Abs.2 S.1 BetrVG volles Stimmrecht. Davon abgesehen kann sie zu allen Betriebsratssitzungen einen Vertreter entsenden.

Mitarbeit in der JAV und Wahl

Wer an einer Mitarbeit in der JAV interessiert ist, kann sich zur Wahl aufstellen lassen – vorausgesetzt er ist nicht älter als 25. Das gilt selbst dann, wenn sich der Betreffende nicht mehr in der Ausbildung befindet. Zur Wahl berechtigt sind allerdings ausschließlich die Jugendlichen und Auszubildenden unter 25 Jahren in einem Unternehmen.

Allgemein ist die JAV der zentrale Ansprechpartner für Jugendliche und Auszubildende unter 25 in einem Betrieb. Umfasst diese Gruppe mehr als 50 Personen, kann die JAV eigene Sprechstunden abhalten. Darüber hinaus hat die JAV nach Informationen auf poko.de ein entsprechendes Anrecht auf Schulungen.

Welche Vorteile bietet ein solches Engagement?

Eine Mitgliedschaft in der JAV ist mit anspruchsvollen Tätigkeiten verknüpft. Das bedeutet, dass man sich nicht leichtfertig zur Wahl stellen sollte. Schließlich vertritt man anschließend die Rechte seiner jungen Kollegen – eventuell auch in brenzligen Situationen.

Dabei profitieren JAV-Mitglieder von einer ganzen Reihe von Vorteilen. Zentral für viele ist, dass man in der JAV wie im Betriebsrat einen besonderen Kündigungsschutz genießt und diejenigen, die zum Ende ihrer Ausbildung Mitglied in dem Gremium sind, von ihrem Arbeitgeber eine unbefristete Übernahme verlangen können (§ 78a BetrVG) – außer das Unternehmen kann nachweisen, dass generell kein Bedarf an neuem Personal besteht oder dass die Leistungen des betreffenden Azubis in der Ausbildung deutlich hinter dem Durchschnitt zurückblieben.

Davon abgesehen ergeben sich bei einer Mitgliedschaft in der JAV oft viele interessante Einblicke hinter die Kulissen eines Unternehmens. Das ist ein Zuwachs an Wissen, von dem man später noch profitiert – nicht zuletzt bei einer anschließenden Tätigkeit im Betriebsrat. Dies verschafft den Betreffenden zugleich eine gute Ausgangsposition für die Wahl in den Betriebsrat.

Auch das fundierte Wissen um die eigenen Rechte und Pflichten, das man in der JAV erwirbt, zahlt sich aus – wenn man andere vertritt und wenn es um eigene Belange geht. Bei der Bewerbung auf einen neuen Job wird ein solches Engagement häufig positiv gewertet.

Zusammengefasst ist eine Tätigkeit in der JAV demnach mit folgenden Vorteilen verbunden:

  • Besonderer Kündigungsschutz und Recht auf Übernahme
  • Interessante Einblicke hinter die Kulissen
  • Gute Ausgangsposition für eine Mitgliedschaft im Betriebsrat
  • Ausgedehntes Wissen um die eigenen Rechte und Pflichten
  • Eventuell Pluspunkt bei der Bewerbung auf einen neuen Job
Kann die JAV die Karriere behindern?

Viele Menschen fragen sich trotz dieser Vorteile, ob eine Mitgliedschaft in der JAV der eigenen beruflichen Karriere im Weg steht. Schließlich setzt man sich für die Rechte von Mitarbeitern ein und tut dies theoretisch auch immer wieder einmal gegenüber der Unternehmensspitze.

Tatsächlich erweist sich diese Befürchtung in den allermeisten Fällen als unbegründet. Zwar besteht immer das Risiko, dass man als JAV- oder Betriebsratsmitglied Vorgesetzten ein Dorn im Auge ist. In der Realität wird ein solches Engagement aber meist positiv gewertet – sowohl von Kollegen als auch von Führungskräften. Konflikte gehören zum Arbeitsleben und Mitarbeiter, die zu allem „Ja und Amen“ sagen, gelten schnell als unselbstständig.

Voraussetzung, um auf ganzer Linie von einer JAV-Mitgliedschaft zu profitieren, ist, dass man es ernst meint. Eine Tätigkeit in der JAV ist unter Umständen mit einer hohen Verantwortung verbunden, die man bei einer Wahl bereitwillig annehmen sollte. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sowohl andere Mitarbeiter als auch Vorgesetzte enttäuscht sind. Kurz innezuhalten und zu überlegen, bevor man sich für die Wahl aufstellen lässt, ist in jedem Fall sinnvoll.

Fazit:

Nicht jeder hat den Willen und die Kraft, sich neben der Arbeit für die Belange seiner Mitarbeiter zu engagieren. Wer jedoch gerne Verantwortung für andere übernimmt, für den ist eine Mitgliedschaft in der JAV mit vielen Chancen verbunden. Nicht nur handelt es sich dabei um eine ehrenhafte und wichtige Position, die die ideale Vorbereitung für eine spätere Tätigkeit im Betriebsrat darstellt. Auch die eigene Karriere wird dadurch meist eher gefördert als behindert.

Buchtipps & Links: