Die Frage nach dem Einstiegsgehalt beschäftigt alle Absolventen gleichermaßen. Deshalb ist es besonders wichtig, mit aktuellen Zahlen zu arbeiten. Wir stellen Ihnen die neuesten Ergebnisse für die Gehaltsentwicklung für die Fachrichtungen BWL, VWL, Wirtschaftswissenschaften vor.



Hausaufgabe: Recherchieren Sie nach den aktuellen Einstiegsgehältern!

Zu Einstiegsgehältern für BWLer, VWLer und Wirtschaftswissenschaftler lassen sich verschiedene Untersuchungen finden, zum Beispiel von der Vergütungsberatung Personalmarkt (www.personalmarkt.de) aus Hamburg liefert regelmäßig aktuelle Zahlen zum Einstiegsgehalt für BWL-Absolventen. Am genauesten zugeschnitten für Berufseinsteiger war die Gehaltsstudie der Personalberatung alma mater, die für ihre Umfrage Unternehmen aus ganz Deutschland nach den Gehältern für Absolventen befragt. Für die Gehaltsstudie 2012 lagen so Zahlen aus 1.015 teilnehmenden Unternehmen mit insgesamt 6.327 Gehaltsangaben vor. (Auch wenn mittlerweile etwas Zeit verstrichen ist, können Sie weiterhin mit diesen Zahlen arbeiten. Legen Sie einfach ein paar Hunderter pro Jahresgehalt dazu;-)

Im Durchschnitt starteten Absolventen im Jahr 2011 mit einem Gehalt von 42.963 Euro mit Tarifbindung, ohne waren es 38.326 Euro. Die einzelnen Gehälter können allerdings erheblich voneinander abweichen. Dabei spielen verschiedene Faktoren wie Unternehmensgröße, Tarifbindung, Abschluss, Branche und Funktion eine Rolle.

Je größer das Unternehmen, desto höher das Gehalt

Quelle: alma mater

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Eine wichtige Rolle beim Einstiegsgehalt für BWL-Absolventen spielt die Unternehmensgröße. Denn größere Unternehmen zahlen nicht nur in der Regel besser. Einfluss hat dabei oft die Tarifbindung, dazu kommen oft noch weitere Leistungen des Arbeitgebers wie Betriebsrenten, Zuschüsse zu Betriebsrenten, Versicherungen und Kantinen, Jobticket etc. Wichtig neben dem eigentlichen Gehalt sind die Entwicklungsmöglichkeiten, die sich in Großunternehmen, gerade auch für Wirtschaftswissenschaftler, ergeben. Hier können sich Berufseinsteiger mit einem Abschluss in BWL oder Wirtschaftswissenschaften am Anfang oft gut weiterentwickeln, kleinere Führungsaufgaben übernehmen, ins Ausland gehen.

Bachelor, Master oder Diplom

Wenn man dann zusätzlich den Abschluss in Betracht zieht, ergeben sich folgende Zahlen:

Quelle: alma mater

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Mittlerweile können die neuen Bachelor- und Masterabschlüsse in Personalabteilungen gut eingeordnet werden. Bachelor-Absolventen verdienen im Durchschnitt etwas weniger als BWL-Absolventen mit Master oder Diplom. Wer allerdings in der Regel zwei Jahre früher in einem Unternehmen einsteigt, kann ja hier bereits in zwei Jahren einiges erreichen, was sich dann auch im Gehalt niederschlägt. Es fällt allerdings auf, dass es sich für Bachelor-Absolventen lohnt, in größeren Unternehmen einzusteigen: Während in Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern ein Bachelor über 5.000 Euro weniger als ein Master (4.000 Euro beim Diplom) mit nach Hause bringt, liebt die Differenz bei Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern bei knapp 2.000 Euro, abgesehen davon, dass hier von ganz anderen Einstiegsgehältern ausgegangen werden kann.

Bei den Abschlüssen Master und Diplom fallen kaum noch Unterschiede auf, zumindest beim durchschnittlichen Jahresgehalt. Hier variieren die Gehälter im Jahresdurchschnitt um rund 500 Euro. Das zeigt, dass sich der Master als vergleichbarer Abschluss wie das Diplom durchgesetzt hat. Viele Hochschulen bieten Bachelor und Master ja auch konsekutiv an. Somit ersetzen beide zusammen dann das Diplom. Schwierig wird es nur dann, wenn Bachelor-Absolventen keinen Master-Studienplatz in BWL oder Wirtschaftswissenschaften finden. Und das kann sich manchmal als durchaus schwierig gestalten.

Einstiegsgehälter BWL nach Branche

Die Branchen Banken, Konsumgüter, Logistik und Unternehmensberatung/ Wirtschaftsprüfung zahlen am besten. Vor allem Banken zahlen sowohl im 1. Quartil wie auch im Median sehr gut, im 3. Quartil liegen sie auf dem Spitzenplatz mit 46.466 Euro. Interessanterweise liegen Unternehmensberatungen/Wirtschaftsprüfer/Steuerberater nicht an der Spitze bei den BWL-Einstiegsgehältern (Median: 40.000 Euro). Dies liegt daran, dass zu dieser Branche nicht nur die großen „Top Five“ wie McKinsey, Roland Berger, PricewaterhouseCoopers gehören, sondern auch zahlreiche mittelständische und kleine Büros.

Quelle: alma mater

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Traditionell wird der Handel als schlecht bezahlende Branche eingeschätzt. So ganz geben die Zahlen das nicht her: Der Einzelhandel weist im 1. Quartil einen Wert von 36.000 Euro, der Großhandel 35.000 Euro auf, kann aber im 3. Quartil 40.000 Euro (Großhandel: 37.500 Euro) aufweisen. Damit steht zumindest der Einzelhandel durchschnittlichen Bereich.

Ein Einstieg in den Medien oder im Tourismus lohnt sich finanziell kaum. Hier erhalten Absolventen im 1. Quartil 27.000 Euro (Medien, Verlage, Funk, Fernsehen). Das 3. Quartil liegt dann bei 38.000 Euro (Medien) und 31.800 Euro im Tourismus. Wer im Öffentlichen Dienst anfängt, muss auch als BWL-Absolvent mit kleinerem Geld rechnen. Dafür können öffentliche Stellen unter anderen mit Arbeitsplatzsicherheit punkten. Die Zeitarbeitsbranche liegt ebenfalls bei den eher bescheidenen Gehältern, kann aber für mache Wirtschaftswissenschaftler ein guter Start ins Berufsleben sein.

Einstiegsgehälter BWL nach Funktion

Je nachdem, für welche Funktion man sich als BWL-, VWL-Absolvent oder Wirtschaftswissenschaftler bewirbt, wird auch sehr unterschiedlich bezahlt. An der Spitze liegt hier die Funktion Forschung und Entwicklung, gefolgt von Einkauf, Vertrieb, Finanzwesen und Controlling. Auffallend ist, wenn man die Bereiche Marketing, Personalwesen und Traineeprogramm betrachtet: Im 1. Quartil werden hier 35.000 Euro (Marketing), 36.000 Euro im Personalwesen und 35.000 Euro fürs Traineeprogramm gezahlt. Im Median gleichen sich die Zahlen anderen Funktionen an, ebenso im 3. Quartil. Hier kommt wahrscheinlich wieder zum Tragen, dass in großen Unternehmen besser und dann auch für Fach- und Führungskräfte gleichmäßiger bezahlt wird.

Einstiegsgehälter BWL nach Branche und Funktion

Quelle: alma mater

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Wenn man die Einstiegsgehälter nach Branche und Funktion betrachtet, fällt auf, dass einzelne Branchen verschiedene Funktionen unterschiedlich vergüten. Hintergrund hierbei ist möglicherweise, dass nicht alle Funktionen in allen Branchen gleichwertig zum Tragen kommen. So wird zum Beispiel in der Unternehmensberatung keine Forschung betrieben und die Funktion Vertrieb spielt im Öffentlichen Dienst kaum eine Rolle.

 

Quelle: alma mater

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Besonders auffällig ist hierbei die unterschiedliche Vergütung in der Funktion Traineeprogramm. Hier lassen sich sehr große Gehaltsunterschiede feststellen. In Banken, der Konsumgüterindustrie und auch dem Einzelhandel werden Traineeprogramme als Vorbereitung auf Führungsaufgaben vorgesehen und Trainees genießen einen hohen Stellenwert. Dementsprechend werden die Trainees entlohnt mit durchschnittlich 43.781 Euro in Banken, 39.808 Euro in der Konsumgüterindustrie sowie 34.388 Euro im Einzelhandel. 

In anderen Branchen werden Trainees als „Lehrlinge“ gesehen, die auf ihren eigentlichen Job erst vorbereitet werden müssen. Bekannt dafür sind zum Beispiel die Branchen Medien, Verlage, Funk und Fernsehen sowie der Tourismus. Trainees werden hier mit 25.716 Euro (Medien) bzw. 10.000 Euro (Tourismus) entlohnt. 

Die Gehälter je nach Region und Unternehmensgröße

Quelle: alma mater

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In den verschiedenen Bundesländern wird im Durchschnitt relativ einheitlich bezahlt. Zwar gibt eine Abstufung, angefangen mit Niedersachsen mit 42.738 Euro, Schleswig-Holstein mit 42.677 Euro bis hin zu Mecklenburg-Vorpommern mit 40.373 Euro und Schlusslicht Bremen mit 40.291 Euro. Da ist dann eventuell das Zahlenmaterial mit rund 1.000 Unternehmen doch nicht aussagekräftig genug. Für Einsteiger der Fachrichtungen BWL, VWL und Wirtschaftswissenschaften wird es dann viel eher eine Rolle spielen, in welcher Branche das Unternehmen zuhause ist und wie groß es ist.

Faire Bezahlung von Praktika und Abschlussarbeiten

Auch zur Bezahlung von Praktika und Abschlussarbeiten für BWL-Studierende wurden Unternehmen befragt.

Quelle: alma mater

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Die Tabelle zeigt eine Brandbreite von 410 Euro im Monat in Zeitarbeitsunternehmen bis hin zu 719 Euro im Großhandel. Bei Abschlussarbeiten liegt die Bandbreite zwischen 298 Euro im Öffentlichen Dienst bis hin zu 733 Euro in der Unternehmensberatung/ Wirtschaftsprüfung/ Steuerberatung.

Damit zeigt sich bereits bei den Praktika eine Tendenz, die sich dann auch bei den Gehältern fortsetzt: Wer in einem großen Unternehmen ein Praktikum absolviert, wird bereits hier besser bezahlt. Wer sich allerdings zum Beispiel in seiner Abschlussarbeit mit neuen Entwicklungen auseinandersetzt, die auch in Unternehmen mit Interesse aufgenommen werden, kann diese vielleicht nicht zu Geld machen, aber leichter einen Jobeinstieg finden. Und das macht sich dann auch bezahlt.



Fazit und Ausblick:

Sich zumindest mit den grundlegenden Faktoren für das Einstiegsgehalt auszukennen, ist extrem wichtig, um im Vorstellungsgespräch ein gutes Ergebnis zu erzielen. Mit diesen Zahlen haben Sie also schon mal eine gute Grundlage. Für die eigentliche Verhandlung helfen Ihnen diese Artikel weiter:

Bild: complize/photocase.de