Beim Thema Bewerbung gibt es zahlreiche Mythen. Wir zeigen, welche die zehn wichtigsten Bewerbungsmythen sind – und was tatsächlich dahintersteckt. 

1. Der Lebenslauf darf nur eine Seite lang sein.

Es ist überhaupt kein Problem, wenn der Lebenslauf eines Absolventen zwei Seiten lang ist. Hier gilt die Devise: So ausführlich wie nötig, so knapp wie möglich. Halte alles in der gewohnten Tabellenform, arbeite mit Gedankenstrichen und Stichworten. Aber jede Station im Lebenslauf sollte zeigen, was genau du gemacht hast und was du kannst.

Wenn du schon mehr Berufserfahrung hast oder wenn du mehr Inhalte wie eine Publikations- oder Projektliste einbindest, darf dein Lebenslauf natürlich länger werden. Für den eigentlich Lebenslauf reichen aber meist drei Seiten, die entsprechenden Listen können ausführlicher sein. Wenn dir das zu wenig vorkommt, kürze einfach von hinten weg oder fasse zusammen. Bei sehr viel Berufserfahrung kannst du auch einen Arbeitgeber mit verschiedenen Stationen zusammen fassen. Oder du bündelst mehrere Arbeitgeber und beschreibst kurz deine Aufgabenfelder und Erfolge.

2. Details stehen in den Arbeitszeugnissen und können dort nachgelesen werden.

Leider ein Irrtum. Denn im Durchschnitt nehmen sich Recruiter zwischen zwei und drei Minuten Zeit für deine Unterlagen. Da muss jeder Punkt sitzen. Daher in Lebenslauf und Anschreiben Lust auf mehr machen. Wie das geht? Siehe Punkt 1.

Trotzdem sind Arbeitszeugnisse in Deutschland wichtig. Daher sorge dafür, dass du von jedem Arbeitgeber ein Zeugnis vorweisen kannst, auch von Praktika oder Werkstudententätigkeiten. Diese zeigen schließlich deine Praxiserfahrung.

Übrigens: Auch ein nicht so professionell formuliertes Arbeitszeugnis, in dem man deine Leistung loben möchte, wird in der Regel auch so verstanden. Schwieriger wird es, wenn formales Deutsch falsch verwendet wird. Ein schlechteres Zeugnis unter mehreren guten wird oft als nicht so relevant eingeordnet. Wenn aber mehrere schlechtere Zeugnisse zusammen kommen, solltest du dir überlegen, was du beim nächsten Unternehmen besser machen kannst.

3. Ein Deckblatt kommt besonders gut an.

In Zeiten von Online-Formularen und E-Mail-Bewerbungen sind Deckblätter eher überflüssig. Investiere deine Zeit lieber in einen gut gestalteten Lebenslauf und Anschreiben.

4. Auf einer Dritten Seite kann ich mich besonders gut präsentieren.

VERGISS DIE DRITTE SEITE. Eine dritte Seite ist nur dann sinnvoll, wenn du wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht hast, eine Projektliste erstellen oder einen ungewöhnlichen Punkt in deinem Lebenslauf erklären möchtest.

5. Bewerber werden gegoogelt.

Es kann schon sein, dass manche Recruiter sich die Zeit nehmen und einzelne Kandidaten googeln. Bei Berufseinsteigern und vielen weiteren Jobs kommt das allerdings selten vor, Personaler haben gar nicht die Zeit dazu (s.o.). Das heißt aber nicht, dass du nicht sensibel mit deinen Daten umgehen solltest. Denn wer weiß, wie sich alles entwickelt und spätestens, wenn es um Top-Positionen geht, wird deine (Online-)Reputation geprüft.

6. Ich sollte zeigen, dass ich offen für möglichst viele Positionen bin.

Du hast im Studium Marketing, Controlling und Personal gehört und traust dir jetzt alles zu? Vor allem, weil du befürchtest, den Einstieg beim Traumunternehmen nicht zu schaffen? Bewerber, die kein Profil entwickeln und keine klare Vorstellung von ihren Fähigkeiten und Zielen haben, werden keine Top-Kandidaten. Konzentriere dich auf deine Stärken und suche den für dich passenden Job dafür! Dann wirst du auch gut sein. Und wer gut ist, hat auch gute Chancen auf auf einen Job.

7. Fürs Vorstellungsgespräch muss ich mich so schick anziehen wie möglich.

Ein klares Jein! Das Vorstellungsgespräch sollte mit Sorgfalt geplant werden und dazu gehört auch die Wahl der passenden Kleidung. Passend heißt vor allem, sich an dem Dresscode der Branche zu orientieren. Banker ziehen sich sicher anders an als Software-Entwickler, aber etwas schicker als im Alltag sollte es schon sein. Das heißt für Informatikerinnen eben auch, dass es beim Interview ruhig etwas schicker sein darf, auch wenn der Chef dann eventuell legerer angezogen ist als man selbst. Eine gute Richtschnur: Wie würdest du dein Unternehmen bei einem Kunden präsentieren?

8. Ich darf nicht erzählen, dass ich mich noch bei anderen Unternehmen bewerbe.

Geht´s noch? Wer alles auf eine Karte bei der Bewerbung setzt, handelt doch unklug und wer will solche Kandidaten? Du befindest dich im Bewerbungsprozess und kannst das auch so kommunizieren. Das gibt dir auch die Möglichkeit, sanften Druck auszuüben: „Ich habe ein Angebot von einem Ihrer Mitbewerber erhalten. Ihr Angebot interessiert mich aber mehr. Wann kann ich mit einer Antwort rechnen?“ Und: Je mehr Alternativen du dir erarbeitest, umso besser.

9. Eine niedrige Gehaltsvorstellung hilft mir, einen Job zu bekommen.

Nein. Gehe lieber mit einer angemessen hohen Forderung in die Gehaltsverhandlung. Lass` dir Luft zum Verhandeln. So hat auch dein Verhandlungspartner einen Erfolg zu verbuchen und beide gehen zufrieden aus dem Gespräch. Wenn du weißt, dass das Unternehmen nicht so gut bezahlt wie zum Beispiel größere Unternehmen, kannst du auch über Weiterbildungen, Gutscheine, Versicherungen etc. verhandeln (Zahlen dazu findest du hier im Gehaltsvergleich 2015 für Deutschland). Was auf jeden Fall hilft: Wenn du auch Bewerbungen an andere Unternehmen verschickst und damit Erfolg hast, kannst du viel besser verhandeln.

10. Viel hilft viel. Ich bewerbe mich bei so vielen Unternehmen wie möglich. 

„Ich habe schon 200 Bewerbungen verschickt, und keiner möchte mich einstellen.“ Wenn dir so etwas passiert, solltest du ernsthaft nachdenken. Denn so kann keine Bewerbung individuell auf ein Unternehmen abgestimmt werden und wird schnell als beliebig wahrgenommen. Lieber gezielt bewerben auf wirklich passende Positionen. Wenn du viele Einladungen erhältst, dann aber kein Vertragsangebot, solltest du an deinem Auftritt feilen.



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