In einem Bewerbungsgespräch geht es darum, dass sich beide Seiten vorstellen und gegenseitig intensiver kennenlernen, Unternehmen ebenso wie Bewerber. Im Bewerbungsgespräch werden daher vor allem Schlüsselqualifikationen, auch Soft Skills genannt, überprüft.

Anhand Ihrer Bewerbungsunterlagen konnte man sich zumindest ein umfassendes Bild Ihrer fachlichen Qualifikationen machen. Nun möchte man Sie persönlich kennenlernen und herausfinden, ob Sie zum Unternehmen und zur angebotenen Stelle passen.

Überprüfung der Persönlichkeit im Bewerbungsgespräch

Mit der Einladung zum Bewerbungsgespräch haben Sie eine wichtige Hürde im Bewerbungsprozess genommen. Nun werden vor allem Ihre Persönlichkeit und Ihre Passung zum Unternehmen überprüft. Ihr fachlichen Qualifikationen sind natürlich ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Vorstellungsgesprächs.

Nicht zu unterschätzen: Die Vorbereitung

Eine wichtige Aufgabe im Vorfeld eines Bewerbungsgesprächs ist die Vorbereitung. Dazu gehört unbedingt auch, dass Sie sich noch einmal die Unterlagen anschauen, mit denen Sie sich beworben haben. Haben Sie zum Beispiel eine Studienarbeit angegeben, müssen Sie auch ein paar Details dazu wissen.

Zum Detektiv werden: Unternehmensrecherche

Zu einer guten Vorbereitung eines Bewerbungsgesprächs gehört natürlich auch, dass Sie sich umfassend über das einladende Unternehmen informieren: Wie ist es aufgestellt? Wo sind die wichtigsten Märkte? Welche neuesten Entwicklungen gibt es? Wie ist die Unternehmensgeschichte? Auf welche Aspekte wird besonderes Gewicht gelegt?

Es geht nicht allein darum, im Gespräch zu punkten, sondern auch um die Frage, ob Sie sich bei diesem Arbeitgeber wohlfühlen könnten. Im Vorstellungsgespräch wird daher sehr darauf geachtet, ob Sie sich mit dem Unternehmen, der Stelle und Ihren eigenen Zielen und Wünschen auseinandergesetzt haben.

Verlassen Sie sich bei der Recherche nicht allein auf die Unternehmens-Website und die PR-Materialien des potenziellen Arbeitgebers. Googlen Sie das Unternehmen und auch Ihre Ansprechpartner. Lesen Sie, was in den Medien geschrieben wurde, lesen Sie die Unternehmensbewertungen bei Bewertungsportalen wie kununu.com. Es mag sein, dass viele Informationen im Gespräch selbst keine Rolle spielen. Sie werden aber merken, dass Hintergrundwissen Sie sicherer macht. Und das ist immer gut!

Auch Online-Business-Netzwerke wie Xing oder LinkedIn können Ihnen wichtige Informationen zum Unternehmen und zu Ihren Gesprächspartnern liefern. Recherchieren Sie doch einfach nach deren Namen. Machen Sie sich bitte keine Gedanken, dass man das als „stalken“ empfinden könnte – es zeugt viel eher von kluger Vorbereitung!

Der große Tag

Seien Sie pünktlich. Sollten Sie dennoch eine Verspätung absehen können, geben Sie kurz Bescheid. Also: Handy nicht vergessen und vor allem nicht die Telefonnummer des richtigen Ansprechpartners!

Um die Atmosphäre aufzulockern und dem Bewerber die Anspannung zu nehmen, starten die Interviewer oft mit einer Smalltalk-Phase. „Haben Sie gut hergefunden?“, „Wie war Ihre Fahrt?“ Seien Sie nicht zu kurz angebunden, sondern lassen Sie sich auf diesen Gesprächsauftakt ein. Antworten Sie auf die Fragen, versuchen Sie, sich zu entspannen und sich mit Ihren Gesprächspartnern und der Umgebung vertraut zu machen.

Oft stellt in dieser Phase einer Ihrer Gesprächspartner das Unternehmen vor, geht auf die Anforderungen und Besonderheiten der Position ein und stellt Ihre (potenziellen) Kollegen näher vor – eine gute Gelegenheit festzustellen, auf welche Punkte das Gegenüber besonderen Wert legt.

Selbstpräsentation im Bewerbungsgespräch

Nach den ersten auflockernden Fragen werden Sie in der Regel aufgefordert, sich selbst zu präsentieren. Hierbei kommt es darauf an, wie Sie sich nun darstellen. Greifen Sie Höhepunkte aus Ihrem Lebenslauf auf, verknüpfen Sie diese mit Ihrem Weg und versuchen Sie, lebendig und engagiert zu erzählen. Begründen Sie vor allem einzelne Schritte und Entscheidungen.

Die Selbstpräsentation ist einer der wichtigsten Bestandteile des Bewerbungsgesprächs und kann gesprächsentscheidend sein. Daher vertrauen Sie nicht darauf, dass Sie Ihren Lebenslauf ja bereits im Kopf haben. Üben Sie diesen Part: Vorm Spiegel, mit Freunden, mit Kommilitonen oder auch mal  –  in kürzerer Form  – auf Jobmessen. Denn: Je öfter Sie eine Selbstpräsentation halten, umso sicherer werden Sie.

Fragen zu Ihrem Lebenslauf

Im dritten Abschnitt wird der Lebenslauf auseinander genommen und auf Schwachstellen geprüft. Personalverantwortliche werden Unklarheiten und Schwachstellen in jeden Fall auf den Grund gehen, da die Personalauswahl teuer und Fehlbesetzungen ganz Teams lahm legen können.

Sollte es also erklärenswerte Punkte in Ihrem Lebenslauf geben, lange Studienzeiten etwa oder einen Studienfachwechsel, dann machen Sie sich vorab Gedanken, wie Sie darauf antworten. Überlegen Sie sich Erklärungen, zeigen Sie auf, dass Sie sich bei Ihren Schritten etwas gedacht haben.

Stärken und Schwächen

Auch wenn vielen Personalverantwortlichen die plakative Frage: „Nennen Sie mir doch bitte Ihre Stärken und Schwächen!“ heute nicht mehr über die Lippen kommt, überlegen Sie sich vorab, was Sie darauf antworten könnten. Oft wird empfohlen, eine Schwäche zu benennen, die eigentlich keine ist – wie Perfektionsdrang oder Ungeduld. Wichtiger als das Stichwort ist aber etwas anderes: Können Sie Ihre Überlegung konkretisieren? Wenn Sie zum Beispiel beschreiben: „Viele Aufgaben will ich perfekt abgeben, habe dann aber das Problem, dass ich Termine nicht halten kann.“ Das zeigt, dass Sie über sich nachgedacht haben und auch an Ihren Schwächen arbeiten.

Situative Fragen im Bewerbungsgespräch

Bei diesen Fragen geht es darum – weniger plump als bei der direkten Frage nach Ihren Stärken und Schwächen –, mehr über Ihr Selbstbild und Ihre Fähigkeit zur Selbstreflexion erkennen zu lassen. Dazu stellen Ihnen die Interviewer Fragen wie „Beschreiben Sie eine Situation, in der Sie besonders erfolgreich waren.“ Damit Ihnen in diesem Moment auch gute Situationen einfallen, denken Sie ruhig vorher darüber nach, welche Beispiel Sie hier anführen könnten. Denken Sie in Geschichten, die Sie Ihrem Gegenüber erzählen könnten.

Unwahrheit führt zum Aus

Wenn Personaler danach gefragt werden, was für sie das K.O.-Kriterium im Vorstellungsgespräch bedeutet, wird „Unwahrheit“ immer als erstes genannt. Also seien Sie ehrlich. Wenn Ihre Englisch-Kenntnisse nicht „sehr gut“ sind, dann geben Sie eben „gute Englisch-Kenntnisse“ an. Machen Sie sich bewusst, dass Personaler Unklarheiten und Schwachstellen auf den Grund zu gehen versuchen. Man wird so lange fragen, bis man mit Ihrer Antwort zufrieden ist. Also geben Sie ehrliche und authentische Antworten!

Auch ein wichtiger Punkt im Bewerbungsgespräch: Fachliche Fragen

Natürlich müssen Sie auch mit fachlichen Fragen rechnen. Ihre Abschluss- oder Doktorarbeit müssen Sie präsent haben und auch flüssig über Studienschwerpunkte erzählen können.

„Haben Sie noch Fragen?“

Durchaus. Informieren Sie sich vorab über das Unternehmen, bei dem Sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen sind. Notieren Sie sich Fragen, die Sie in dem Moment hervorholen und stellen können. Das zeigt, dass Sie sich mit dem Unternehmen beschäftigt haben. Gute Fragen können zum Beispiel sein: Gibt es in Ihrem Unternehmen ein Mentoringprogramm? Wie würde mein künftiger Arbeitsplatz aussehen? Wer werden meine Kollegen sein?

Die Gehaltsfrage

An dieser Stelle wird in der Regel nach Ihren Gehaltsvorstellungen gefragt. Über den Punkt sollten Sie sich natürlich vorab Gedanken machen und eine klare Vorstellung entwickeln. Dabei helfen zum einen Statistiken wie der Gehaltsatlas 2015 oder Untersuchungen zu Einstiegsgehältern für Absolventen oder für Traineeprogramme. Geben Sie eine konkrete Summe als Jahresgehalt an, die Sie auch nicht zu niedrig ansetzen sollten.

Abschluss des Bewerbungsgesprächs – Tipps

Als Bewerber können Sie sich als Dialogpartner verstehen. Schließlich fand man Sie interessant genug, um Sie zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen. Also seien Sie nicht zu passiv. So können Sie zum Beispiel fragen: „Wie verbleiben wir nach dem heutigen Gespräch? Kann ich eventuell mit einer Einladung zu einer zweiten Vorstellungsrunde rechnen?“



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