Für Bewerbungen brauchst du heute kein Bewerbungsfoto mehr. Seit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) dürfen Personalabteilungen nicht mehr nach einem Bild für deine Unterlagen fragen. Viele Unternehmen gehen sogar noch weiter und wünschen ausdrücklich keine Porträts mehr. In Großbritannien und den USA sind sie sowieso unüblich.

Dennoch brauchst du ein gutes Bewerbungsfoto, auch Profilfoto genannt. Denn wenn dies nicht ausdrücklich unerwünscht ist, solltest du weiterhin ein Porträt von dir hinzufügen. Und für deine Profile in sozialen Medien, zum Beispiele bei Xing oder LinkedIn, benötigst du dieses sowieso.

Doch was macht ein gutes Bewerbungsfoto oder Profilbild aus?

Bevor du gleich zum nächsten Fotografen rennst, solltest du dir ein paar Fragen stellen:

  • Für welchen Zweck brauchst du das Bild? Allein für Bewerbungszwecke und/oder deine Profile in Online-Business-Netzwerken?
  • In welcher Branche bewirbst du dich? Es macht einen Unterschied, ob du dich in kreativen Unternehmen wie Agenturen oder in Marketing-Abteilungen bewirbst oder ob du als Wirtschaftsprüfer anheuern willst?
  • An welchem Punkt deiner Karriere stehst du? Bewirbst du dich als Praktikant oder für den Jobeinstieg? Oder verfügst du bereits über Berufserfahrung und willst nun den nächsten Schritt vorbereiten?
  • Brauchst du verschiedene Bilder für unterschiedliche Zwecke? Brauchst du unterschiedliche Formate wie Hoch-/Querformat?
  • Welches Budget steht dir zur Verfügung? Bzw. was bist du bereit, für ein professionelles Foto auszugeben?

Wenn du diese Fragen für dich beantwortet hast, kannst du daran gehen, einen Fotografen auszuwählen. Hierfür solltest du dir die Internetseiten verschiedener Fotografen anschauen. Dabei solltest du darauf achten, dass es ein Porträt- und/oder Businessfotograf ist. Das Fotostudio um die Ecke ist da nicht immer die beste Wahl.

Christine Sommerfeldt, Business-Fotografin aus Düsseldorf, empfiehlt, vor allem auf diese Punkte zu achten:

  • Ein guter Fotograf nimmt sich Zeit für eine telefonische Vorabberatung, in der Fragen zu Outfit, Frisur und Makeup besprochen werden. An dieser Stelle sollte der Fotograf oder die Fotografin bereits fragen, wofür du dich bewirbst und in der Beratung darauf eingehen. Denn im Bewerbungsfoto sollte ein z.B. ein Grafikdesigner anders auftreten als eine Versicherungskauffrau.
  • Bestehe darauf, mit genau der Person zu telefonieren, die dich auch fotografieren wird. So kannst du gleich herausfinden, ob der Fotograf auf deiner Wellenlänge liegt und auf deine Wünsche eingeht. Verlasse dich ruhig auf dein Bauchgefühl. Denn wenn du dich im Fotoshooting nicht wohl fühlst, wird man das auf den Bildern sehen.

Achte vor allem darauf,

  • welche Referenzen ein Fotograf vorweisen kann? Machen die Bilder den Eindruck, dass er die Vorzüge einer Person herausarbeitet?
  • dass er verschiedene Personen zeigt, die z.B. in unterschiedlichen Branchen arbeiten,
  • dass er gut mit Licht umgehen kann und seine Bilder sowohl in Farbe wie in schwarz/weiß gut aussehen,
  • dass er seine Preise klar definiert. Für ein professionelles Fotoshooting für einfache Bewerbungsfotos kannst du mit Kosten zwischen 50 und 100 Euro rechnen. Bei Businessporträts wird es deutlich teurer: Hier liegst du eher zwischen 250 bis 500 Euro.

Kläre die Nutzungsrechte

Besonders wichtig ist es, die Nutzungsrechte genau zu klären. Denn nur, weil du nun dein Foto in der Hand hältst, darfst du dieses nicht für immer und für alle Zwecke verwenden. Es muss – am besten in der Rechnung – vereinbart werden, ob du das oder die Bilder auch für deine Businessprofile, Pressezwecke oder Broschüren verwenden darfst. Es können also zu den Kosten für das Shooting und die Bilder noch Lizenzgebühren hinzukommen. Meistens lohnt es sich allerdings, erweiterte Nutzungsrechte zu erwerben, denn Fehler können hier sehr schnell teuer werden.

So gelingen gute Bilder

Wenn du einen professionellen Fotografen ausgesucht hast, wird er dir wahrscheinlich schon einige Tipps geben. Grundsätzlich solltest du auf folgendes achten:

  • Bringe mehrere Outfits zum Shooting mit. Am besten, du gehst diese vorher mit einem Freund oder einer Freundin durch. Probiere auch mal ungewohnte Farbkombinationen, denn auf einem Foto wirken diese durchaus anders als in Wirklichkeit.
  • Achte auf Perfektion. Nichts ärgert einen hinterher mehr als eine Knitterfalte in der Bluse oder eine unpassende Krawatte. Auch deine Haare sollten gut geschnitten und frisch gewaschen sein. Zu viel Schmuck lenkt eher von deiner Person ab. Ebenso wie zu auffälliges Make-up.
  • Bewege dich und schneide Grimassen! Ja, das ist vollkommen ernst gemeint. Ein richtiges Shooting dauert oft auch deshalb so lange, weil es eben auch etwas dauert, bis eine Person locker und natürlich vor der Kamera wirkt. Dem kannst du eine bisschen nachhelfen, indem du dich vorher dehnst und streckst – und fiese Grimassen schneidest. Das macht deinen Körper geschmeidiger und dein Gesicht weicher und freundlicher.
  • Lass dir nichts einreden. Wenn dir der Fotograf zu Ganzkörperporträts in Größe 15 x 18 cm rät, renn! Nein, im Ernst: Schauspieler und Models benötigen Setcards mit Ganzkörperporträts, du in der Regel nicht! Für dich reicht ein Porträtbild. Ob dieses dann im Querformat oder im Hochformat gestaltet wird, bleibt deinem Geschmack überlassen. Meistens ist es besser, wenn du beide Formate zur Verfügung hast.

Christine Sommerfeldt:

  • Frage dich, welchen Kleidungsstil du für ein Vorstellungsgespräch wählen würdest. Diesen Stil verwendest du dann auch für die Fotos. Beachte branchentypische Dresscodes, sie haben meist einen Sinn.
  • Ein Foto ist zwar stumm, aber: deine Körpersprache sagt alles über dich! Personaler können diese Signale meist sehr gut deuten. Da du dich beim Fotografieren nicht selbst sehen kannst, ist es wichtig, dass der Fotograf dich gut anleitet. Standfestigkeit und ein aufrechter Kopf mit direkter Ausrichtung zur Kamera wirken souverän. Lächeln: ja, aber nicht für die Kamera, das wirkt selten authentisch. Lächle die Fotografin an oder eine Freundin, die du dir einfach vorstellst.

Konkret: 5 Tipps für ein richtig gutes Bewerbungsfoto/Profilbild:

  1. Bei der Wahl zwischen schwarz/weiß und Farbe, wähle die Option, die dir besser steht. Allein darum geht es. Den Personalabteilungen und auch den Betrachtern auf Xing oder LinkedIn ist es meistens völlig egal, welche Farbe du wählst. Meistens ist es so, dass helle Hauttypen oder Menschen mit Hautrötungen in Schwarz/weiß anders wirken als in Farbe.
  2. Auch bei der Wahl deines Outfits solltest du genau auf die Farbkombinationen achten. Schwarz/weiß wirkt hier oft viel zu hart und hat immer den Anklang an Beerdigungen. Viel weicher und damit schmeichelnder wirken hier Blautöne. Auch Grau wirkt schon ganz anders als Schwarz. Auch reines Weiß solltest du ersetzen durch Cremeweiß oder ganz helle Blautöne. Andere Kombinationen gehen natürlich auch. Wie viel sogar Top-Manager da falsch machen können, hat mal das Manager Magazin aufgeschrieben.
  3. Wenn dein Bild professionell wirken soll, musst du wahrscheinlich einen etwas höheren Preis bezahlen. Das hängt auch damit zusammen, dass sich der Fotograf Zeit für dich nehmen sollte. Es gibt aber gerade für Berufseinsteiger günstige Möglichkeiten, an ein Porträtfoto zu kommen: Oft haben Fotografen in Unistädten spezielle Angebote für Studenten. Und auch auf Jobmessen bieten Fotografen ihre Dienste kostenlos an, meistens als besonderes Angebot des Messeveranstalters. Hier musst du unbedingt früh kommen, denn die Plätze sind schnell vergeben. Wenn du dich für ein Praktikum oder einen Werkstudentenjob bewirbst, reicht eventuell auch ein privates Foto.
  4. Das Bild sollte dem Zweck angemessen sein – und die Zukunft zeigen. Wenn du dich in den Betrachter hineinversetzt, wird der Gedanke klarer: Er muss sich dich in einer bestimmten Funktion vorstellen können. Also muss die Kompetenz, die er sich wünscht, in deinem Porträt deutlich werden. Gerade bei deinem Bild in Business-Netzwerken solltest du darauf achten.
  5. Du solltest den Betrachter anschauen und professionell wirken. Freundlich, ohne zu lachen. Dynamisch, ohne zu viel Bewegung. Meistens hilft eine aufrechte, leicht nach vorne geneigte Haltung im Stehen, bei der du etwas Körperspannung aufbaust.

Was Bildauswahl und Bearbeitung anbelangt, rät Christine Sommerfeldt, auf folgende Punkte zu achten:

  • Lass Dich bei der Bildauswahl nicht hetzen. Es sollte nach dem Fotoshooting möglich sein, kopiergeschützte Vorschaubilder mit nach Hause zu nehmen. So kannst du dich noch mit einer Freundin oder mit deinem Bewerbungscoach beraten. Erfahrene Fotografen geben dir wertschätzendes und ehrliches Feedback und helfen dir bei der Vorauswahl. Dabei sollte die angestrebte Position immer berücksichtigt werden.
  • Digitale Bilder müssen nachbearbeitet werden, so wie früher ein Fotolabor Negative sorgfältig entwickelt hat. Hier geht es um den optimalen Bildausschnitt, Farbe, Hautton, Retuschen. Bei der Retusche ist Sensibilität und Handarbeit gefordert statt schneller Programmautomatik. Zu stark retuschierte Bilder irritieren Personaler sehr, wenn du dann beim persönlichen Kennenlernen ganz anders wirkst.

Hier noch ein paar Tipps für den ungewöhnlichen Umgang mit Fotos:

  • Wenn du Facebook sowohl beruflich wie privat nutzt, kannst du hier auch private Seiten zeigen. Das Foto kann also auch mal etwas lockerer sein und dich beim Sport zeigen oder bei einer Veranstaltung. Das funktioniert vor allem, wenn du international arbeitetest.
  • Die meisten Kontakte bei Xing oder LinkedIn bekommen angezeigt, wenn du etwas an deinem Bild änderst. Es lohnt sich also, hier ab und zu einen Wechsel vorzunehmen. Das lohnt sich für allem für Leute aus kreativen Berufen oder Selbständige. An Karneval darfst du dann auch mal mit rosa Cowboyhut erscheinen.
  • Mit verschiedenen Bildbearbeitungsprogrammen kannst du auch selbst deine Fotos bearbeiten und interessante Effekte erzielen. Instagram bietet da mit seinen Filtern sehr viele Möglichkeiten.

Hier findest du noch ein paar Seiten mit guten Fotobeispielen und den Umgang mit Porträtfotos:

  • Profilagentin Kixka Nebraska hat auf der re:publica 2011 einen Vortrag zur Wirkung von Bildern gehalten. Hier findest du den Link zum Video
  • Rechtsanwältin Nina Diercks setzt sich in diesem Artikel mit den rechtlichen Aspekten bei der Verwendung von Bildern auseinander […]

Zum Schluss noch eine Liste mit Business-Fotografen in Deutschland*:

Berlin:

Inga Haar: www.business-fotografie.de

Die Hoffotografen http://www.hoffotografen.de/bewerbungsfotos-berlin/ Für Studentinnen (150 Euro) und Berufseinsteigerinnen (250 Euro) gibt es Sondertarife.

Düsseldorf:

Christine Sommerfeldt, Business-Fotografin: www.christine-sommerfeldt.de

Hamburg:

Rieka Anscheit: riekaspix.com

Hannover: 

Michel Sievers: www.michel-sievers.de

Köln:

Ellen Bornkessel: fotografie-made-with-love.de/Portrait/
Das Besondere: Ellen Bornkessel fotografiert ausschließlich mit natürlichem Licht.

Susanne Fern: www.susanne-fern.de

Jennifer Fey: www.fey-photography.com
Keine Bewerbungsfotos, sehr individuelle Porträts, eher für den künstlerischen Bereich.

München:

Dorothee Elfring: www.businessmenschen.com

Raimund Verspohl: www.raimund-verspohl-portraits.com

Wiesbaden:

Frank Widmann: www.frank-widmann.de

Wuppertal:

Annette Hammer: www.freistil-foto.de

*Für diese Liste habe ich auf Facebook nach Empfehlungen aus meinem Netzwerk gefragt, aus denen ich dann eine subjektive Auswahl getroffen habe. Wichtig war mir, dass man auf den Webseiten der Fotografen erkennt, dass ihr Schwerpunkt auf Business-/Bewerbungs-Fotografie liegt. Andere, ebenfalls vorgeschlagene Fotografen können das eventuell auch abdecken, es ist aber nicht ihr erkennbarer Schwerpunkt – und das war mir für diesen Artikel wichtig.

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