Die Zahl der deutschen Studierenden, die im Ausland studieren, ist in der jüngsten Vergangenheit rasant gestiegen. Demnach waren es 2002 noch knapp 60.000 und 2012 schon fast 140.000 Studenten, die in anderen Ländern ihr Glück versuchten.
Mit Ausschlag gebend dafür ist wohl die Tatsache, dass in Hinsicht auf Karrierechancen immer wieder von Auslandserfahrungen die Rede ist.

Wer seine komplette Ausbildung in heimatlichen Gefilden verbracht hat, so suggerieren solche Debatten, der hat bei der Bewerbung auf attraktive Jobs schlechte Karten.

  • Doch welche Möglichkeiten ergeben sich beispielsweise für ein Auslandsstudium in den USA und welche Vorteile bringt es mit sich?
  • Absolviert man lieber ein oder zwei Semester oder doch ein ganzes Studium im Ausland?
  • Und wie sehen Personaler die Sache mit der Auslandserfahrung wirklich bei Absolventen?

Auslandsstudium in den USA

Die USA sind weltweit ein beliebtes Land für das Auslandsstudium. Das gilt auch für deutsche Studenten. Wie aus den Zahlen des Statistischen Bundesamts auf College-Contact.com hervorgeht, stehen sie hier an fünfter Stelle hinter Österreich, Niederlande, Schweiz und dem Vereinigten Königreich.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Zu den wichtigsten gehören:

  • So viele weltweit renommierte Hochschulen wie in den USA finden Studierende in keinem anderen Land der Welt.
  • Dazu punktet Amerika mit beeindruckenden Städten und Landschaften und einer abwechslungsreichen Kultur.
  • Die Betreuung an vielen amerikanischen Universitäten ist deutlich persönlicher und intensiver als in Deutschland. Zugleich wird die Eigeninitiative der Studenten stärker gefördert.
  • Das Campusleben an amerikanischen Universitäten eröffnet viele Möglichkeiten zum Austausch mit jungen Menschen aus aller Welt.

Beachten sollten Interessenten vor allem folgende Punkte:

  • Wer sich für ein Studium in den USA bewerben möchte, sollte genug Vorlaufzeit einplanen, im Regelfall mindestens ein Jahr.
  • In den USA gibt es verschiedene Typen von Hochschulen. Besonders angesehen sind die Universities. Am häufigsten vertreten sind dagegen Colleges.
  • Hochschulen entscheiden autonom über die Zulassung von Studenten. Für die Bewerbung sind auch ein Lebenslauf und ein Motivationsschreiben notwendig.
  • Das Studium an einer Hochschule, deren Qualität nicht durch ein offizielles Akkreditierungsgremium bestätigt wurde, wird in Deutschland unter Umständen nicht anerkannt.
  • Wer längere Zeit in den USA verbringen möchte, benötigt ein Visum. Auch dafür müssen Studenten Zeit und Geld einplanen.

Aus diesen Punkten wird schnell ersichtlich, dass es nicht einfach ist, ein Auslandsstudium in den USA zu realisieren. Vor allem die finanzielle Belastung ist teilweise hoch. Sie hängt entscheidend von der Höhe der Studiengebühren ab. Diese fallen je nach Hochschule sehr unterschiedlich aus. Dazu kommen die Lebenshaltungskosten und natürlich im Vorfeld die Kosten von Flug, Visum etc. Wer die Chance hat, sollte deshalb unbedingt Fördermöglichkeiten nutzen, zum Beispiel über Stipendien.

Nur Auslandssemester oder komplettes Studium?

Grundsätzlich haben Studierende mehrere Möglichkeiten, im Ausland zu studieren. Sie können dort

  • ein ganzes Studium
  • oder ein paar Auslandssemester

verbringen. Auslandssemester sind eine beliebte Alternative für alle, die nicht mehrere Jahre beispielsweise in den USA studieren möchten. Mehrere Universitäten bieten dafür die Möglichkeit an, ein oder zwei Semester an den regulären Kursen teilzunehmen. Ob diese in der Heimat angerechnet werden, hängt jedoch immer vom jeweiligen Einzelfall ab.

Auslandssemester haben, abhängig von persönlichen Zielsetzungen, einige Vorteile:

  • Sie sind in der Regel deutlich billiger, vor allem wenn man Fördermöglichkeiten durch Austauschprogramme in Anspruch nimmt.
  • Sie sind gut dafür geeignet, ein wenig in eine fremde „Studienkultur“ hinein zu schnuppern, ohne dass damit allzu viel Stress verbunden ist.
  • Sie eröffnen all jenen, die ein ganzes Studium im Ausland nicht mit ihrer Lebensplanung vereinbaren können, die Möglichkeit, dennoch in einem anderen Land zu studieren.
  • Die Bewerbung für einzelne Auslandssemester ist in der Regel weit weniger kompliziert als für ein ganzes Studium.

Auf der anderen Seite ist ein abgeschlossenes Studium an einer berühmten amerikanischen Universität deutlich eindrucksvoller im eigenen Lebenslauf als ein oder zwei Auslandssemester an einem College. Dazu kommt, dass sich die eigene Studienzeit durch Auslandssemester oft verlängert, wenn diese in Deutschland nicht angerechnet werden. Unter Umständen handelt es sich dabei also mehr um einen „Urlaub“ der etwas anderen Art.

Was sagen Personaler zu einem Auslandsstudium

Die Meinung, dass ein Auslandsstudium automatisch entscheidende Vorteile bei der Jobsuche mit sich bringt, ist weit verbreitet. Eine Firmenbefragung des Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) und des Personaldienstleisters Randstad, die der Spiegel zitiert, kommt zu einem anderen Ergebnis. Demnach rangiert die Frage, ob ein Bewerber Auslandserfahrung vorweisen kann, weit hinten auf der Bewertungsskala der befragten Personaler.

Ungleich wichtiger ist relevante Berufserfahrung. Allerdings sind auch Sprachkenntnisse ein wichtiges Kriterium. Diese wiederum sind häufig mit einem Auslandsstudium verknüpft.

Zu einem etwas anderen Schluss kommt die Wirtschaftswoche. Sie zitiert Vertreter hochrangiger Konzerne, die einen Auslandsaufenthalt grundsätzlich als Vorteil werten, da dieser auf interkulturelle Kompetenzen und eben auf die besagten Sprachkenntnisse hinweise. Diese gelten heute als immer wichtiger.

Grundsätzlich kommt es darauf an, an welcher Hochschule Studenten wie ihre Zeit verbracht haben. Wer einen Abschluss an einer renommierten amerikanischen Universität wie Harvard vorweisen kann, der ist beinahe überall in der Welt gefragt.

Wer dagegen einfach nur eine Art „Urlaubssemester“ an einer beliebigen Hochschule macht, um das schöne Wetter zu genießen, der hat vielleicht ebenfalls eine schöne Zeit. Seinem Lebenslauf bringt diese Auslandserfahrung höchstwahrscheinlich wenig.

Auslandserfahrung ist nur ein Aspekt bei der Auswahl von Personal. Für den Karriereerfolg stellt das Auslandsstudium bei weitem nicht immer den entscheidenden Faktor dar.

Ein Auslandssemester in den USA ist eine faszinierende Erfahrung
Auch wenn es oft schwer zu sagen ist, ob und in welchem Umfang ein Auslandsstudium zu einer erfolgreichen Karriere beiträgt, ist es meistens eine faszinierende Erfahrung. Das gilt besonders auch für ein Studium in den USA. Wer die Chance hat, ein paar Semester oder vielleicht ein ganzes Studium an einer amerikanischen Hochschule zu verbringen, sollte sich gut überlegen, ob er diese Chance ausschlagen möchte – vorausgesetzt er kann es sich auch tatsächlich leisten, sie wahrzunehmen.

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