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Besser umgehen mit Jobabsagen: Wie Sie ein „Nein“ in einen Pluspunkt verwandeln

Pluspunkt im Umgang mit Absagen. Foto: birdys/photocase.de

Pluspunkt im Umgang mit Absagen. Foto: birdys/photocase.de

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Eine Absage nach einer Bewerbung ist hart. Da hat man sich Mühe gegeben, Unterlagen zusammen gestellt, sich am Telefon vorgestellt, war zum Auswahltag und zum Bewerbungsgespräch – und dann flattert eine dünnes Schreiben in die Post. Doch je nachdem, an welchem Punkt der Bewerbung Sie eine Absage erreicht, kann es Ihnen wichtige Erkenntnisse liefern, was Sie verbessern können. Plus: Wie Sie sich bei Unternehmen zurück ins Gespräch bringen!

Schauen Sie wir uns zunächst die verschiedenen Phasen im Bewerbungsprozess an. Je nachdem, an welchem Punkt Sie eine Absage kassieren, sagt Ihnen das viel über Ihr Verbesserungspotenzial!

Tipp: Wenn Sie sich im Bewerbungsprozess befinden, ändern Sie Ihre Denkweise! Gehen Sie wie ein Verkäufer an Ihre Bewerbungen heran: Er muss auch unterschiedliche Wege gehen, um seine Kunden zu erreichen: mal per Telefon, dann im Social Web, auf Messen, schriftlich oder im persönlichen Gespräch.

Auch er muss viele Kontakte haben, bevor ein Kunde Interesse zeigt und schließlich kauft! Bei Ihnen ist das ähnlich: Je besser Ihre Kontakte sind und – ja, auch – je mehr Sie haben, umso eher kommen Sie zum Abschluss, also zum Vertrag!

Absage nach schriftlicher Bewerbung

Wenn Sie direkt zu Beginn des Auswahlprozesses eine Absage kassieren, kann es an folgenden Punkten liegen:

  • Sie passen mit Ihrer Ausbildung und Ihrer Qualifikation nicht auf die ausgeschriebene Stelle,
  • Sie passen zwar grundsätzlich auf die Stelle, es haben sich aber so viele beworben, dass man eine Auswahl treffen musste,
  • die Stelle ist eigentlich schon vergeben, man musste sie aber ausschreiben,
  • Ihre Unterlagen sind nicht gut aufbereitet.

Als Absolvent sollten Sie bei zehn Bewerbungen mindestens ein bis zwei Einladungen zu Bewerbungsgesprächen erhalten. Der Schnitt liegt hier bei 80 bis 90 Prozent Absagen, schreibt der Karriereberater Holger Möller auf seinem Blog. Bei berufserfahrenen Fach- und Führungskräften sollte diese Quote niedriger sein, eine Quote von 50 Prozent müsste aber auch hier wahrscheinlich sein.

Um hier Ihre Quote zu steigern, könnten Sie darauf achten, dass Sie

  • sich nur auf wirklich passende Stellen bewerben bzw. einer ersten Sichtung in Stellenportalen eine genauere Recherche zum Unternehmen selbst folgen lassen und auch Ihr Netzwerk um Tipps bitten,
  • versuchen, von offenen Stellen zu erfahren, bevor Sie ausgeschrieben werden,
  • versuchen herauszufinden, ob die Stelle eventuell intern besetzt werden wird,
  • Ihre Unterlagen verbessern. Der letzte Punkt greift vor allem dann, wenn Sie sich bereits längere Zeit bewerben und sehr wenig positive Resonanz haben. Lassen Sie auf jeden Fall einen Profi über Ihre Unterlagen schauen. Oft helfen auch schon die Tipps aus dem Netz weiter, zum Beispiel zum Lebenslauf, zum Anschreiben und zur Zusammenstellung der Unterlagen.

Absage nach Telefoninterview

Beim Telefoninterview wird eine erste Vorauswahl getroffen. Man überprüft, wie Sie sich im Gespräch präsentieren können und ob Sie bei Ihren Aussagen sicher und überlegt wirken. Daher sollten Sie hier immer darauf achten, dass Sie vorbereitet und zu einem vorher verabredeten Termin ins Gespräch starten.

Wenn Sie sich in internationalen Unternehmen bewerben, kann es auch sein, dass mitten im Gespräch vom Deutschen ins Englische gewechselt wird. Auch hier sollten Sie sicher und souverän wirken.

Wenn Sie Ihre Ausbildung und Ihre Qualifikation zur Stelle passen UND Sie sich vorbereitet haben, sollten hier normalerweise nicht scheitern. Erhalten Sie dennoch eine Absage, fragen Sie sich:

  • Habe ich mich gut genug auf das Gespräch vorbereitet?
  • Habe ich meinen Lebenslauf und meine Motivation gut auf englisch präsentiert?
  • Habe ich für eine gute Gesprächssituation gesorgt?

Wenn Sie sich diesen Fragen stellen, finden Sie meistens noch Verbesserungspotenzial!

Absage nach Bewerbungsgespräch (Erstem oder zweitem Vorstellungsgespräch)

Jetzt wird die Luft schon dünner! Aus den vielen Bewerbern oder Bewerberinnen werden schließlich 20 bis 30 Prozent zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Da fallen die Unterschiede in der Ausbildung und den weiteren Qualifikationen merklich geringer aus. Hier kommt es also viel mehr darauf an, WIE Sie sich präsentieren und ob die Chemie mit Ihren Gesprächspartnern stimmt.

Manches davon haben Sie in der Hand:

  • Ihre Vorbereitung: Werden Sie zum Insider des Unternehmens, nutzen Sie das Internet, Ihr Netzwerk, die Medien, um so viel wie möglich über das Unternehmen und Ihre Gesprächspartner herauszufinden.
  • Ihre Selbstreflexion und Übung: Setzen Sie sich mit Ihrem Lebensweg auseinander, mit Ihren Stärken, Ihren Schwächen, Ihrer Motivation, Ihren Zielen. Lernen Sie, Ihre Aussagen gut wiederzugeben.
  • Umgang mit Fragen und Aussagen: Gehen Sie gängige Fragen durch und überlegen Sie sich abwegige – voraussehen können Sie sowieso nicht alles.

Anderes wiederum liegt nicht an Ihnen:

  • Manche Fragen können Sie nicht voraussehen!
  • Manchmal hat man einfach einen schlechten Tag!
  • Die Chemie stimmt nicht und Sie kommen nicht ins Gespräch!

Das alles gibt es und gehört auf die Liste: „Passiert, abgehakt!“

Tipp: Falls Sie allerdings ein gutes Gefühl hatten und dann einem anderen Kandidaten, einer anderen Kandidatin der Vorzug gegeben wurde, schreiben Sie eine Mail mit folgendem Inhalt:

Schade, dass es nicht geklappt hat. Ich hätte mich sehr über eine Zusage gefreut, dieser Eindruck hatte sich nach unserem letzten Gespräch und dem darauf folgenden Telefonat noch einmal verstärkt.

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal für den konstruktiven, spannenden und interessierten Austausch mit Ihnen bedanken. Ich freue mich, wenn wir in Kontakt bleiben. Falls Sie zu einem späteren Zeitpunkt auf mich zurückkommen möchten, melden Sie sich gern.

Manchmal ist es nämlich auch für die Unternehmen wie verhext: Da haben Sie sich nach langer – und teurer – Suche für einen Kandidaten entschieden und dann sagt dieser in letzter Minute ab. Sehr gern greift man dann auf die Kandidaten zurück, die an zweiter Stelle standen.

Buchtipps & Links:

Foto: birdys/photocase.de

  1. Tim

    wie oft hab ich meine Bewerbungsunterlagen aktualisiert, Akademiker drüber schauen lassen, die Germanistik oder Journalismus studiert haben oder selbst Personalchefs sind, aber nix… es kommt ja nicht einmal mehr eine Bestätigung, dass die Bewerbung eingegangen ist und das frustriert enorm.. und dann liest man solche Artikel und denkt sich, waren diesen Leute wirklich selbst mal in dieser Position? Haben Sie Erfahrungen mit der Jobsuche? oder haben sie sich durch Vitamin B, was ja das einzige ist was wirklich zählt Erfolge erzielen können?
    Mich kotzt dieser ganze Bewerbungsprozess so richtig an, man macht sich Gedanken, holt sich Tipps aus dem Netz oder von Bekannten und trotzdem flattert eine Absage nach der nächsten ins Haus…

    • Lieber Tim, erst einmal: Schade, dass der Bewerbungsprozess so frustrierend für dich ist! So aus der Ferne und ohne nähere Details kann ich natürlich auch keine Tipps geben oder Ansätze finden. Ich selbst kenne tatsächlich sowohl die Seite der Bewerber_innen, die Seite aus der Personalersicht und natürlich auch meine Sicht als Bewerberin. Ich habe ja mit Soziologie, Geschichte und Islamwissenschaft auch kein klassisches Studium abgeschlossen, das jedes Unternehmen mit Handkuss nimmt – also kenne ich das Gefühl bei Absagen sehr gut.
      Bei der Analyse wäre es wichtig zu schauen, wo es hakt:
      – Bewirbst du dich und bekommst nur Absagen?
      – Oder wirst du oft eingeladen und dann klappt es nicht mit dem Job?
      Bei ersterem müsstest du mal schauen, ob die Stellen wirklich zu dir passen. Und einmal überlegen, ob du den Prozess noch einmal anders aufsetzen möchtest. Ja, hier geht es um Netzwerken oder „Vitamin B“, wie du es nennst. Hier findest du Informationen übers Netzwerken via Xing, LinkedIn: https://www.karriereletter.de/jobsuche-xing-linkedin/
      Wenn es bei den Gesprächen hakt, würde ich mir mal ehrliches Feedback holen zu Auftreten, Selbstpräsentation etc. Aber dazu hatte ich eigentlich im Artikel genug geschrieben.

  2. Marc

    50% Erfolgsquote (Vorstellungsgespräch) bei Führungskräfte-Bewerbungen? Spätestens an dem Punkt sollte man aufhören weiterzulesen.

    • Hallo Marc, hier geht es um die Bewerbung, also die Vorstufe zum Vorstellungsgespräch. Diese sollten auf diesem Level nicht unbedingt via Anzeige – Bewerbung ablaufen, sondern auch über Personalberater gehen, was die Quote von Bewerbung zu Vorstellungsgespräch erhöht.
      Die genannte Zahl ist eine Annahme und sicher muss man mehr Faktoren beachten (Branche, Region, Level, Unternehmen, Vorgeschichte etc.).
      Beste Grüße, Ute

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