Wenn Sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden, habe Sie eine wichtige Hürde genommen. Denn nur etwa zehn bis 20 Prozent aller Bewerbungen führen überhaupt dazu, dass man mit Ihnen sprechen möchte. Um die Erfolgschancen zu erhöhen, hilft eine gute Vorbereitung. 

Wir haben uns mal bei Bewerberinnen und Interviewer umgehört und eine lange Liste an Fragen zusammen gestellt, die Sie im Vorstellungsgespräch erwarten können.

Sie haben gerade ein Vorstellungsgespräch hinter sich und Ihre Fragen waren nicht dabei? Kommentieren Sie einfach hier, bei Facebook, Twitter oder Google+ oder schicken uns eine Mail an redaktion@karriereletter.de.

Vor dem Gespräch

Nach der Einladung zum Vorstellungsgespräch haben Sie eine Vorlaufphase, wo Sie selbst auch ein paar wichtige Fragen stellen können:

  • Benötigen Sie noch weitere Unterlagen von mir? Ich kann diese auch gern zum Gespräch mitnehmen.
  • Wer wird an unserem Gespräch teilnehmen? Wenn Sie die Gesprächsteilnehmer kennen, können Sie sich entsprechend vorbereiten und sich bereits ein Bild von diesen machen.
  • Wie ist das bei Ihnen mit der Kostenübernahme geregelt? Welche Kosten werden von Ihnen übernommen? Hier können Sie direkt klären, ob und welche Kosten auf Sie selbst zukommen. Wichtig: Wenn Sie eingeladen werden, müssen die Kosten in der Regel vom Unternehmen übernommen werden.

Fragen zum Einstieg

  • Haben Sie gut hierher gefunden?
  • Wie war die Fahrt?
  • Sind Sie mit dem Auto/dem Zug/dem Flugzeug gekommen?

Das sind meistens Fragen, die Ihnen gestellt werden, wenn Sie von einem der Gesprächsteilnehmer oder einem Assistenten abgeholt werden. Im Grunde handelt es sich hier um den klassischen Small talk, der Ihnen den Einstieg etwas leichter machen soll. Erzählen Sie kurz, stellen Sie vielleicht auch eine Gegenfrage: Sie werden merken, dass Sie schnell ruhiger werden und leichter ins Gespräch gehen können.

Fragen Vorstellungsgespräch zum Auflockern

  • Sie sind Seglerin. Wo sind Sie denn im letzten Sommer gesegelt?
  • Sie haben im Lebenslauf angegeben, dass Sie Motorrad fahren. Welche Maschine fahren Sie denn?
  • Sie haben geschrieben, dass Sie gern Krimis lesen. Wie finden Sie denn die skandinavischen Autoren?

Gleich, ob es hier um Hobbys, Ihre Fahrt oder einen kurzen Satz zum Wetter geht, in der Regel versucht man, Ihnen den Einstieg in die Gesprächsrunde zu erleichtern. Der Unterschied: Hier befinden Sie sich bereits mit der Interviewrunde in einem Raum. Sie haben sich bereits begrüßt und sind einander vorgestellt worden.

Selbstpräsentation

  • Sie haben uns ja bei Ihrer Bewerbung Ihren Lebenslauf mitgeschickt. Sehr interessant. Erzählen Sie doch einmal!

Ja, es fängt ganz harmlos an. Und ist damit der Auftakt für Ihre Selbstpräsentation, bei der Sie Ihren Berufs- und Ausbildungsweg ausführlich darstellen. Dafür haben Sie rund fünf bis sieben Minuten Zeit.

  • Wir haben für Sie ein paar Motive mitgebracht. Bitte wählen Sie eines aus, das Ihrem Lebensweg am ehesten entspricht. Zeigen Sie uns Ihren Berufsweg anhand dieses Bildes.

Diese Einladung zu einer ungewöhnlicheren Selbstpräsentation kommt eher mal im zweiten Vorstellungsgespräch oder im Assessement Center vor. Darauf kann man sich nur insofern vorbereiten, als dass man sich überlegt, welche kreativen Selbstpräsentationen sich halten lassen (zum Beispiel mit einer Minecraft-Welt, in einem Lego-Setting, anhand von Puzzleteilen etc.).

Fragen zu Stärken und Schwächen

Das sind quasi die Klassiker: Bitte nennen Sie uns Ihre drei größten Stärken und Schwächen. Diese Fragen können Ihnen auch anstatt der genannten hier gestellt werden. Am besten, Sie setzen sich auch hier im Vorfeld damit auseinander und finden zu abstrakten Begriffen Beispiele und Geschichten. Denn wenn Sie die Fragen umfassend beantworten, gibt es auch nicht so viele Nachfragen.

Zu Ihrer Motivation

  • Warum haben Sie sich gerade bei uns beworben?

Weil Sie so gut bezahlen. Weil Sie im gleichen Ort sind. Auch wenn das Ihre Gründe sind, würde ich überlegen, ob nicht noch ein bisschen mehr fürs Unternehmen spricht: die interessante Branche, die spannenden Aufgaben, die Internationalität?

  • Haben Sie sich auch noch bei anderen Unternehmen beworben?

Lassen Sie sich vor allem von der zweiten Frage nicht verunsichern. Es ist ebenso natürlich für Sie, dass Sie sich noch woanders beworben haben, wie auch ein Unternehmen sich nicht nur eine Bewerberin anschaut. Hier können Sie also ganz frei heraus antworten:

Da ich mich gerade im Bewerbungsprozess befinde, habe ich mich selbstverständlich noch bei anderen Unternehmen beworben. Es sind auch zwei sehr interessante Angebote dabei. Allerdings möchte ich sagen, dass es mir bei Ihnen ebenfalls sehr gut gefällt.“

  • Wie stellen Sie sich Ihren ersten Arbeitstag vor?

Hier könnten Sie zum Beispiel antworten:

Dazu habe ich mich bereits auf Ihrer Homepage schlau gemacht. Sie haben ja ein Onboarding-Programm, bei dem die neuen Mitarbeiter am ersten Tag mit allen wichtigen Informationen versorgt werden.

  • Wie stellen Sie sich eine Unterstützung von unserer Seite vor?
  • Welche Aufgaben trauen Sie sich sofort zu?
  • Wie lange schätzen Sie Ihre Einarbeitungszeit ein?

Es ist nur natürlich, dass Sie in einem neuen Job zu Beginn auch etwas Unterstützung, zum Beispiel durch einen Paten, benötigen. Daher sollten Sie auf diese Frage nicht zuerst eingehen. Greifen Sie stattdessen den Ball noch einmal auf, beziehen Sie sich auf die Aufgabe und beschreiben, was Sie bereist an Erfahrungen sammeln konnten. Dann gehen Sie erst darauf ein, was Sie eventuell noch wissen müssen und möchten. Hier könnten Sie auch selbst Fragen stellen.

  • Sie haben sich ja auf die Stelle als Social Media Redakteur beworben. Könnten Sie sich auch vorstellen, im Online-Marketing zu arbeiten?

Marketing ist natürlich etwas ganz anderes als Redaktion, allerdings gibt es auch Bereiche, die sich überschneiden. Versuchen also erst einmal durch Gegenfragen herauszubekommen, was der Hintergrund dieser Frage ist. Dann sehen Sie schon einmal klarer und können auch besser antworten: Etwa in dem Sinne, dass Sie sich ja ganz bewusst für einen Berufsweg in einer Redaktion entschieden haben und sich dort besonders kompetent fühlen. Da Sie aber neugierig auf Neues sind, könnten Sie sich durchaus vorstellen, hier Ihre Herangehensweise zu erweitern…

  • Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie lange Sie in unserem Unternehmen bleiben möchten?
  • Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
  • Spielen Sie manchmal mit dem Gedanken, Unternehmerin zu werden?
  • Wenn Sie diese Stelle nicht bekommen, was machen Sie dann?
  • Was benötigen Sie, um beruflich erfolgreich zu sein?

Wer weiß schon, was die Zukunft für uns bereit hält? Gehen Sie hier am besten noch einmal darauf ein, was Sie über die Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen gelesen haben. Natürlich können Sie auch anklingen lassen, ob Sie sich auch später eine Gründung vorstellen können, es ist vollkommen normal, dass sich auch solche Wege ergeben können – manchmal sind die ehemaligen Arbeitgeber die ersten Kunden.

  • Was war Ihr bisher größter Erfolg?
  • Wenn Sie an meiner Stelle säßen: Würden Sie sich selbst einstellen?

Diese Fragen zielen in eine ähnliche Richtung. Auch wenn es zunächst nicht so aussieht. Wenn es um Ihren größten Erfolg geht, wäre es natürlich klasse, wenn Sie einen Erfolg aus dem Berufsleben aufzählen können. Als Absolvent oder Schulabgänger geht es natürlich auch, einen Erfolg aus der Studium, Schule oder Freizeit zu benennen.

  • Wie viele Fehltage ohne Entschuldigung sind Ihrer Meinung nach in Ordnung?

Grundsätzlich keiner, ist ja klar. Da es aber natürlich auch Gründe geben kann (Unfall etc.) bringen Sie genau das an.

  • Bis zu welchem Alter sollte man seinen Karrieredurchbruch erreicht haben?

Was genau ist ein Karrieredurchbruch? Wie wird dieser definiert? Es kommt immer auch auf die Lebensumstände an. Hier müssen Sie mit einbeziehen, wie Sie sich Ihren Karriereweg vorstellen. Wer als Trainee in einem Konzern einsteigt, wird normalerweise auf eine Führungslaufbahn vorbereitet. Da gibt es oft die erste Führungsaufgabe nach Abschluss des Traineeprogramms, also nach 18 bis 24 Monaten. Nach weiteren drei Jahren sollte man dann den Junior-Level verlassen haben.

Fragen zum Unternehmen

  • Wo steht unser Aktienkurs? Wie war die Entwicklung in den letzten Wochen?

Eigentlich eine ganz einfache Frage – wenn Sie sich gut vorbereitet haben! Also: Checken Sie unbedingt den aktuellen Stand und auch die Kurzfassung des letzten Quartalsberichts.

  • Was haben Sie zu unserem Unternehmen sonst noch gefunden?
  • Seit wann interessieren Sie sich für unser Unternehmen?
  • Seit wann kennen Sie unsere Produkte?
  • Wie würden Sie einem Kommilitonen/Ihrem Vater/einem Kindergartenkind unser Produkt/unsere Dienstleistung erklären?
  • Wo ist denn unser Unternehmen noch vertreten?

Auch bei diesen Fragen geht es darum zu zeigen, dass Sie sich wirklich mit diesem Arbeitgeber auseinander gesetzt haben. Wenn Sie tiefes Wissen zu einem Unternehmen und seinen Produkten und Dienstleistungen haben, beeindrucken Sie Ihr Gegenüber!

  • Wie finden Sie unsere Website?
  • Wenn wir Ihnen Geld und Ressourcen zur Verfügung stellen würden, welches weitere Produkt/weitere Dienstleistung könnten Sie sich noch vorstellen?

Sie können hier auch zeigen, dass Sie sich Gedanken zur Weiterentwicklung gemacht haben, zum Beispiel bei der Website. Viele Unternehmen haben hier durchaus noch Nachbesserungsbedarf, vor allem in der Rubrik „Karriere“. Auch mit den Produkten und Dienstleistungen sollten Sie sich natürlich auskennen.

  • Wo steht unser Unternehmen in unserer Branche?
  • Welchen Eindruck haben Sie von unserem Unternehmen?
  • Möchten Sie noch mehr über unser Unternehmen wissen?

Hier geht es um eine Einordnung des Unternehmens im Branchenumfeld. Hier können Sie auch gut darauf eingehen, was eventuell zu Beginn des Vorstellungsgesprächs von Seiten der Gesprächspartner erzählt wurde.

Zur Ausbildung und beruflichen Entwicklung

  • Aus welchem Grund haben Sie sich für eine Ausbildung/ein Studium entschieden?
  • Was hat Sie an einem Studium an einer Fachhochschule/an einer Universität mehr angesprochen als an einer Universität/Fachhochschule?

Für unsere jeweiligen Entscheidungen gibt es immer gute Gründe – und diese sollten Sie auch benennen können. Zeigen Sie mit Ihren Antworten, aus welchen Überlegungen heraus sich Ihre Entscheidungen ergeben haben. Auch wenn es in Wirklichkeit darum ging, in der gleichen Stadt wie Ihre Freundin zu bleiben.

  • Sehen Sie einen roten Faden in Ihrem Werdegang? Mir erscheint dieser gerade sehr bunt und mit vielen Umwegen versehen…

Diese Frage zielt darauf ab festzustellen, ob Sie sich wirklich mit sich selbst auseinander gesetzt haben. Oftmals zeigt sich nämlich selbst in den buntesten Lebensläufen immer ein Kern. Diesen gilt es freizulegen;-) Wenn es sich nicht anhand der Jobs zeigt, dann oft anhand der Kompetenzen, die benötigt wurden, zum Beispiel Umgang mit Menschen, Entwicklung neuer Ideen.

  • Würden Sie noch einmal den gleichen Studiengang wählen?
  • Was hat Ihnen an Ihrer Ausbildung/Ihrem Studium besonders gefallen?
  • Was hätten Sie sich bei Ihrer Ausbildung/in Ihrem Studium anders gewünscht?
  • Was haben Sie in Ihrem Studium nicht erreicht?

Auch hier geht es um die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Machen Sie bitte nicht den Fehler, sich für irgendetwas zu entschuldigen und lange Erklärungen heranzuziehen. Zeigen Sie zunächst eine positive Sicht auf Ihre Entscheidung, zum Schluss können Sie eventuell noch darauf eingehen, ob etwas während des Studiums nicht gelehrt wurde. Das haben Sie dann vielleicht im Praktikum gelernt.

  • Warum haben Sie so gute Noten?
  • Warum ist Ihre Bachelornote so schlecht ausgefallen?
  • Was hat Ihnen bei Ihren bisherigen beruflichen Stationen (auch Praktika, Werkstudentenjobs, Ausbildung) besonders gut gefallen?
  • Was hätten Sie sich bei Ihren bisherigen beruflichen Stationen (auch Praktika, Werkstudentenjobs, Ausbildung) anders gewünscht?
  • Warum haben Sie (nicht) die Hochschule gewechselt?
  • Warum haben Sie für den Berufseinstieg Unternehmen XY gewählt?
  • Sie haben sich ja zunächst für eine Konzernlaufbahn entschieden. Warum bewerben Sie sich jetzt bei einem Mittelständler?
  • Was reizt Sie an so einem kleinem Unternehmen wie unserem?

Bei all diesen Fragen geht es auch wieder um Ihre Selbstreflexion. Denken Sie in der Vorbereitung noch einmal darüber nach, warum Sie sich bei bestimmten Fragen so und nicht anders entschieden haben. Die Frage nach den guten Noten deuten manche als Kritik, aber hier können Sie ruhig selbstbewusst auf Ihre Leitung verweisen.

  • Sie waren ja mehrere Jahre lang selbständig. Können Sie sich überhaupt noch unterordnen?

Diese Frage kann durchaus einen ernst gemeinten Hintergrund haben. Wer selbständig gearbeitet hat, ist es gewohnt, selbst Entscheidungen zu treffen und nicht unbedingt, diese mit anderen abzustimmen und begründen zu müssen. Hier hilft es, sich Gedanken darüber zu machen, welche Vorteile Sie mitbringen und damit die „Nachteile“ locker ausgleichen (wie selbständiges Arbeiten, hohe Motivation etc.)

  • Warum sind Sie während Ihres Studiums nicht ins Ausland gegangen?
  • Haben Sie sich bewusst gegen eine internationale Karriere entschieden?
  • Was hat Sie an Südamerika/Nordamerika/Afrika/Asien besonders gereizt?
  • Könnten wir Sie auch in den Senegal/nach Guatemala/Dagestan entsenden?

Hier kommt es sehr darauf an, für welche Stelle und bei welchem Unternehmen Sie sich bewerben. Wenn es sehr international ausgerichtet ist und auch Ihre Stelle so beschrieben ist, wird es wahrscheinlich zu Ihrem Jobprofil gehören. Also sollten Sie sich hier die entsprechenden Antworten zurechtlegen. Wenn Sie bereits internationale Erfahrung haben, können Sie ja auch die entsprechenden Punkte aus Ihren vorherigen Jobs ansprechen.

  • Welche sozialen Kompetenzen zeichnen Sie aus?
  • Welche sozialen Kompetenzen konnten Sie während Ihres Studiums/Ihrer Ausbildung entwickeln?
  • Wie gehen Sie mit außergewöhnlichen Belastungen um?

Schnell kommt man hier in Versuchung, mit Begriffen wie Kommunikationsfähigkeit, Frustrationstoleranz etc. zu antworten. Diese sagen für sich genommen aber relativ wenig aus. Es kommt darauf an, die sozialen Kompetenzen durch Beispiele zu belegen. Also verwenden Sie einen dieser Begriffe nur, um dann im folgenden auf ein Beispiel einzugehen. Idealerweise sollte das etwas aus dem beruflichen Umfeld sein. Am besten auch eines, das gut zur neuen Aufgabe passen würde. Es reidht aber auch, ein Beispiel aus einem Ehrenamt oder auch aus dem privaten Umfeld mit anzuführen, wenn Sie gerade kein passendes berufliches benennen können.

Fragen zu Ihrer Persönlichkeit

  • Was ist Ihnen wichtiger: Ihre persönliche Zufriedenheit oder Ihre Karriere?

Da es beim Vorstellungsgespräch um Ihren Beruf geht, sollten Sie den Beruf zumindest mit einbeziehen, auch wenn Ihnen Ihr Privatleben am wichtigsten ist. Am besten ist eine Antwort, in der Sie betonen, wie wichtig es Ihnen ist, bei der Arbeit ganz da zu sein, es dann aber auch genießen können, im Privatleben abzuschalten und Ihnen das auch sehr wichtig ist.

  • Was sagen Ihre ehemaligen Kommilitonen über Sie?
  • Inwieweit hat das Studium Ihre Persönlichkeit verändert? 

Überlegen Sie einfach, inwieweit Sie sich während des Studiums verändert haben. Gerade in den Ausbildungsjahren verändert man sich ja sehr stark, löst sich vom Elternhaus, trifft eigene Entscheidungen. Das fließt sicher auch in die Aussagen Ihrer ehemaligen Kommilitonen mit ein.

  • Möchten Sie lieber mit erfahrenen Kollegen arbeiten oder mit einem jungen Team?
  • Kommen Sie gut mit älteren Kollegen zurecht?
  • Was erwarten Sie von Ihren zukünftigen Kolleginnen?

Letzten Endes wird heutzutage in den meisten Unternehmen Wert auf eine Mischung als Alt und Jung gelegt. Selbst in der Start-up-Szene gibt es immer auch unter den jungen Entwicklerinnen erfahrene Projektmanagerinnen. Außerdem kommt es ja vor allem darauf an, dass in einem Team unterschiedliche Menschen miteinander arbeiten, weniger auf das Alter.  Das können Sie auch gut bei Ihren Erwartungen formulieren.

  • Was stört Sie bei anderen Menschen am meisten?
  • Wie verhalten Sie sich in unangenehmen Situationen?
  • Wie reagieren Sie, wenn Sie ungerecht kritisiert werden?

Hier kommt es darauf an, dass Sie lösungsorientiert antworten. Manche Dinge nehmen auch nur wir selbst so wahr, von unseren Mitmenschen sind sie möglicherweise ganz anders gemeint. Betonen Sie also, dass Sie eine sachliche Umgangsweise zu schätzen wissen und alles dafür tun, dass ein freundlicher und professioneller Umgangston im Unternehmen herrscht.

  • Wen sehen Sie als idealen Vorgesetzten an? 
  • Welcher Führungsstil gefällt Ihnen?

Beschreiben Sie hier, wie Sie mit verschiedenen Führungsstilen umgegangen sind. Betonen Sie, dass Ihnen ein sachlicher, leistungsbezogener Führungsstil am ehesten zugesagt hat und bringen Sie ein Beispiel.

  • Gehen Sie eher phantasievoll oder pragmatisch an neue Aufgaben heran?
  • Welche persönlichen Fähigkeiten sind Ihrer Meinung nach besonders wichtig?

Hier kommt es auch darauf an, was im neuen Job gefordert sein wird, beides schließt sich allerdings nicht unbedingt aus. Gehen Sie also noch einmal auf die zukünftige Aufgabe ein und beschreiben Sie, wann das eine wichtig, wann das andere wichtiger sein könnte. Bei der Frage nach den persönlichen Fähigkeiten machen Sie es genauso.

  • Wie bewältigen Sie persönliche Krisen?
  • Wie schätzen andere Menschen Sie ein?

Auch hier geht es wieder um Selbstreflexion, dass Sie sich also kennen. Am besten, Sie antworten mit einem Beispiel, wie Sie in der Vergangenheit mit Krisen umgegangen sind. Bei der Einschätzung holen Sie sich vorab einmal Einschätzungen von anderen ein und bringen diese – angepasst aufs Vorstellungsgespräch – ein.

  • Was haben Sie sich bei Ihren Kollegen anders gewünscht?
  • Was würden Sie mit mehr Freizeit anfangen?
  • Kennen Sie beruflich erfolgreiche Menschen?

Fragen zu Ihrem Profil in Online-Netzwerken

Gerade, wenn Sie via Social Media bei einem Unternehmen bekannt werden oder es beim neuen Job um Online-Kommunikation geht, wird man sicher auch Ihre Social Media-Profile checken. Hier kann es dann natürlich auch entsprechende Fragen geben:

  • Warum haben Sie sich für eine Präsenz bei Facebook, Instagram und Twitter entschieden, lassen aber Google+ außen vor. Fehlt Ihnen da der Durchblick? 
  • Das Wachstum in Ihrem YouTube-Kanal ist ja gerade in den letzten Wochen enorm. Wie haben Sie das denn erreicht?
  • Wir haben Sie ja via Xing kontaktiert. Warum haben wir Sie eigentlich nicht bei LinkedIn gefunden?
  • Was halten Sie von Snapchat? Reicht es nicht auch, wenn wir Instagram Stories machen? 
  • Wie halten Sie es mit Monitoring?

Bei diesen Fragen kommt es natürlich auch darauf an, wie tief Sie selbst in der Materie drin sein müssen. Ob es zum Beispiel etwas mit Ihrer Stelle zu tun haben wird. Aber auch bei anderen Positionen kann es heute von Vorteil sein, wenn Sie zumindest ungefähre Unterschiede zwischen verschiedenen Kanälen wissen, zumindest wissen, was ein paar Begriffe aus dem Monitoring sind etc. Im Zweifel wissen Sie immer noch mehr als die Menschen, die Ihnen im Jobinterview gegenüber sitzen.

Zum Privatleben

  • Was sagt Ihr Mann/Ihre Frau/Ihre Familie zu Ihren beruflichen Ambitionen?
  • Welche Unterstützung bekommen Sie von Ihrer Partnerin/Ihrem Partner?
  • Wie sieht Ihre private Planung in den kommenden Jahren aus?

Diese Fragen sind durchaus immer etwas heikel, auch wenn man Ihnen vielleicht etwas anderes erzählen möchte (natürlich nicht in allen Unternehmen). Vor allem Frauen sollten nach wie vor abwägen, was sie von ihren Plänen offen legen möchten. Meistens ist eine Antwort ganz gut, bei der es zunächst einmal um die beruflichen Pläne geht und dass man sich in der Partnerschaft gegenseitig unterstützt. Und selbstverständlich können Sie sich dann auch in Zukunft durchaus auch Familie vorstellen. Wenn Sie bereits Familie haben, betonen Sie, wie gut bereits alles organisiert ist.

  • Sind Sie eher ein geselliger Mensch oder ziehen Sie das Alleinsein in der Freizeit vor?
  • Was haben Sie in den letzten Tagen gemacht?
  • Womit entspannen Sie sich?
  • Treiben Sie Sport?
  • Haben Sie Hobbys?

Hier möchte man ein bisschen mehr von Ihnen erfahren, auch wenn Ihre Freizeitgestaltung das Unternehmen natürlich nichts angeht. Allerdings werden Sie den Großteil eines Tages mit Ihren Kollegen verbringen und deshalb sicher auch mal über Privates sprechen. Also passt es durchaus, wenn Sie hier ein bisschen über Ihre Hobbys und Ihr Privatleben erzählen.

  • Was würden Sie machen, wenn Sie eine Million Euro bei „Wer wird Millionär?“ gewinnen? 

Das wäre ein Traum, nicht wahr? Und vielleicht würde man dann durchaus etwas anderes machen als den momentanen Job behalten. So genau weiß man es ja nicht. Lassen Sie erkennen, dass Sie mit Vernunft und Gelassenheit an die weiteren Überlegungen herangehen würden.

Stressfragen

  • (Für Uni-Absolventen:) Warum haben Sie nicht an einer Fachhochschule studiert? Wollen Sie sich die Hände nicht schmutzig machen?
  • (Für FH-Absolventen:) War Ihnen ein Universitätsstudium zu schwer? 

Erklären Sie noch einmal in Ruhe, warum Sie sich genau für diese Hochschule entschieden haben. (Schließlich hat man Sie ja eingeladen, irgendetwas an dieser Entscheidung scheint ja richtig gewesen zu sein.)

  • Warum sind Sie so lange beim gleichen Unternehmen geblieben? 
  • Warum haben Sie nie an einer anderen Hochschule studiert?
  • Sind Sie nicht zu gut für diese Position?
  • Wenn wir uns eine Referenz bei einer Ihrer Professorinnen holen würden, was würde sie uns heute sagen?
  • Warum hatten Sie bis jetzt noch keinen Erfolg mit Ihren Bewerbungen?
  • Was hat Sie bei einem Dozenten am meisten gestört?
  • Ihr Hochschule vergibt ja sehr gute Noten. Haben Sie den Eindruck, dass man dort mit diesen nur so um sich wirft? 
  • Warum haben Sie so lange studiert?
  • Warum haben Sie das Studienfach gewechselt?
  • Warum haben Sie Ihr Studienfach erst so spät gewechselt? 
  • Warum hatten Sie beim Abitur nur eine 3.0 in Mathe?

All diese Fragen wollen Sie aus der Reserve locken. Man will sehen, wie Sie mit diesen kritischen Fragen umgehen und ob Sie sich verunsichern lassen. Und manchmal kann auch genau das passieren. Bei der Frage nach der 3.0 in Mathe wurde diese Frage einem Postdoc mit 35 Jahren und 10 Jahren Berufserfahrung gestellt. Er war so verblüfft und ließ sich verunsichern, so dass er danach nicht mehr ins Gespräch zurückfand. Das kann einfach auch mal passieren.

  • Warum haben Sie an einer Hochschule mit so einem schlechten Ruf studiert?
  • An einer Massenuniversität wie Köln kann man sich ja gut verstecken. Mochten Sie das? 

Diese Fragen sollten Sie ganz locker nehmen. Schließlich sagt der Ruf einer Uni gar nichts über die Qualität eines Faches oder eines Lehrstuhls aus. Und auch eine Massenuniversität bietet wenig Möglichkeiten, sich zu verstecken. Stattdessen muss man eine ganze Menge dafür tun, dass man auch mit seinen Leistungen wahrgenommen wird. Außerdem ist auch an einer großen Hochschule nicht jedes Fach gleich gut besucht.

  • Ihre Umsätze, die Sie im Lebenslauf angegeben haben, reißen uns nicht so vom Hocker. Was können Sie dazu sagen?
  • Was halten Sie von diesem Satz: Es gibt Menschen, die ihren Kaffee schwarz trinken, wenn die Milch beim Chef steht?
  • Warum haben Sie sich nicht ehrenamtlich engagiert?
  • Warum wohnen Sie noch bei Ihren Eltern?
  • Verlieren Sie leicht den Überblick, wenn Sie in Stress geraten?
  • Wohnen Sie lieber allein oder in einer WG?
  • Haben schon einmal Ihre Arbeitsergebnisse den Anforderungen angepasst?
  • Sehnen Sie sich manchmal nach den Freiheiten de Studentenlebens zurück?
  • Welche Jobs würden Sie auf keinen Fall machen?
  • Irgendwie haben Sie mich nicht überzeugt. Ich glaube, Sie passen nicht zu uns…
  • Nehmen wir mal an, Ihr Vorgesetzter spricht morgen auf einer wichtigen Fachkonferenz und ist nun verhindert. Könnten Sie sich vorstellen, sein Part zu übernehmen? 
  • Wie gehen Sie mit Konflikten um? Würden Sie sich auf die Seite Ihrer Kollegen oder Ihrer Vorgesetzten schlagen? 

Lassen Sie sich von diesen Fragen nicht aus der Ruhe bringen. Sie wissen, was Sie können und was Sie bis jetzt geleistet haben. Wenn man möchte, kann man vieles kritisch beurteilen. Ebenso aber natürlich auch positiv. Nehmen Sie die Fragen also wie ein Judoka: Wiederholen Sie diese in etwa:

Ja, man könnte unterstellen, dass jemand weniger selbständig ist, wenn er noch bei seinen Eltern wohnt. Hier ist es allerdings so, dass ich meinen Vater noch bei seiner Arbeit als Landwirt unterstütze und mein Studium nebenher durchziehe. Da zeugt eher von viel Organisationstalent und Loyalität, zwei wichtige Eigenschaften, die in Ihrem Unternehmen sehr geschätzt werden…“

Fazit zu Fragen Vorstellungsgespräch:

Sicher wird man Ihnen im Vorstellungsgespräch nicht all diese Fragen stellen, sondern eine Auswahl und vielleicht auch andere. Es kommt ja auch immer darauf an, ob Sie sich als Schüler, Absolventin oder Berufserfahrene bewerben. Wenn Sie sich aber etwas intensiver damit beschäftigen, haben Sie auf jeden Fall eine Herangehensweise parat, die Ihnen im Gespräch weiterhelfen kann.

Linktipps:

Bild: knallgrün/photocase.de